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Lokales Stadtrat bei Klimaschutzbewegung Fridays for Future gespalten
Dresden Lokales Stadtrat bei Klimaschutzbewegung Fridays for Future gespalten
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10:20 05.07.2019
Die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ hat den Dresdner Stadtrat erreicht.
Die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ hat den Dresdner Stadtrat erreicht. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Schulschwänzen und Panikmache oder legitimer Protest? Der Stadtrat ist – wie bei so vielen Themen – bei der Bewertung der Klimaschutzbewegung „Fridays für Future“ gespalten. Es gebe hinreichend Probleme wie die Mindestrente, den Pflegenotstand oder deutsche Waffenexporte in die Krisenregionen dieser Welt, an denen sich die Jugend abarbeiten könne, fand Thomas Blümel (Bürgerfraktion).

Auf Antrag der Bürgerfraktion debattierte der Stadtrat am Donnerstag über die Freitagsdemonstrationen für den Klimaschutz, und Fraktionsvorsitzender Christian Bösl wurde deutlich: „Keine junge Generation verbraucht so viele Ressourcen wie die jetzige.“ Handys und Computer habe es in seiner Jugend noch nicht in dieser Ausprägung gegeben, erklärte Bösl. Die jungen Leute sollten über ihre eigene Lebensweise nachdenken, statt während des Unterrichts zu demonstrieren.

„Die jungen Menschen haben ein Recht, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen“, fand dagegen Linke-Stadträtin Anja Apel. Diejenigen Schüler, die aktiv seien und mitdenken würden, würden freitags auf die Straße gehen, hat die Lehrerin beobachtet. „Die Jugendlichen nutzen die einzige Chance, die sie haben, um auf die Probleme hinzuweisen: Sie gehen auf die Straße“, erklärte Rica Gottwald (Die Linke), ebenfalls Pädagogin. Der Tonfall der Bürgerfraktion sei eine „Unverschämtheit“.

Als „arrogant“ und „anmaßend“ bezeichnete die 17-jährige Schülerin Marlene Butcher, die selbst an Freitagen auf die Straße geht, das Auftreten der Bürgerfraktion. „Auch in diesem Raum gibt es Menschen, die dafür sensibilisiert werden müssen, dass es den Klimawandel gibt“, sagte die Jugendliche, die für die Linken ans Rednerpult treten durfte.

„Rotzfrech“ sei die Schülerin in ihrem Auftreten gewesen, fand Bösl. „Ich kann nur sagen: Fasst euch an die eigene Nase und überprüft euren Konsum.“ Ähnlich sah es Harald Gilke: „Die Demonstranten sollten bei sich selbst anfangen, statt das Weltklima retten zu wollen.“

Gymnasiast Willy Patzelt, Sohn des Politikwissenschaftlers Werner Patzelt, forderte als Redner für die CDU, die Forderungen der Schüler ernst zu nehmen. Das Problem sei aber komplexer, als es die Demonstranten darstellen würden. „Wer Klimapolitik auf Kosten des gesellschaftlichen Zusammenhaltes betreiben will, stärkt jene, die gar keinen Klimaschutz wollen. Wir brauchen realistische Lösungen.“

Nach langer Debatte beschloss der Stadtrat mit knapper Mehrheit einen Antrag der Bürgerfraktion, wonach in städtischen Schulen die Schüler über den Verbrauch von Strom, Wasser, Gas, Öl und Fernwärme sowie über die Müllmengen informiert werden sollen. Tilo Wirtz (Die Linke) warnte vor einer Zustimmung vor diesem Antrag: „Die Informationen geben doch nur darüber Auskunft, welche Schule energetisch saniert ist und welche nicht.“

Von Thomas Baumann-Hartwig