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Lokales Fraunhofer-Institut zieht in stillgelegte „Plastic Logic“-Fabrik ein
Dresden Lokales Fraunhofer-Institut zieht in stillgelegte „Plastic Logic“-Fabrik ein
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14:22 29.08.2019
Das Centrum für Nanoelektronische Technologien (CNT) muss sein derzeitiges Domizil auf dem Infineon-Gelände verlassen. Quelle: Martin Förster
Dresden

Für den Technologie-Standort Dresden kristallisieren sich eine gute und eine schlechte Nachricht heraus. Zuerst die schlechte: Das Unternehmen Plastic Logic (PL) beerdigt wohl endgültig die Vision, in seiner sächsischen Fabrik noch eine Massenproduktion von elektronischem Papier anzukurbeln. Die gute Nachricht: Stattdessen zieht dort bis 2022 das Fraunhofer-Centrum für nanoelektronische Technologien (CNT) ein, das bisher noch in den Infineon-Reinräumen in Dresden-Klotzsche residiert.

Eine Triple-Win-Situation

Den Umzugsplan haben Direktor Hubert Lakner vom CNT-Mutterinstitut für Photonischen Mikrosysteme (IPMS) und ein Infineon-Sprecher auf DNN-Anfrage bestätigt. Von Plastic Logic gab es dazu bisher keine Stellungnahme.

„Wir haben damit eine Lösung gefunden, die allen drei Beteiligten hilft“, erklärte CNT-Direktor Lakner. „Infineon kann nach dem Umzug seine Reinräume für eigene Projekte verwenden. Das CNT bekommt dadurch eine neue Perspektive, die künftige Erweiterungen einschließt. Und für die Plastic-Logic-Immobilie haben wir damit auch eine sinnvolle neue Nutzung gefunden. Das ist gewissermaßen eine Triple-Win-Situation.“

Infineon hatte bereits im Januar 2019avisiert, dass der langjährige Forschungspartner Fraunhofer aus den Reinräumen in Dresden-Klotzsche 2021 ausziehen muss. Grund für die Kündigung: Wegen steigender Nachfrage für die Elektronik aus Dresden will der Halbleiterkonzern dort seine eigene Produktion ausbauen.

Das CNT mit seinen rund 65 Mikroelektronik-Experten ist aber auch gut ausgelastet. Das Zentrum ist ein wichtiger Partner für Globalfoundries und andere Hightech-Firmen im „Silicon Saxony“, wenn es darum geht, neue Chiptechnologien auf 300 Millimeter großen Siliziumscheiben zu entwickeln.

Millionenteure Umbauten

Anders sieht die Lage für Plastic Logic aus: Das im Jahr 2000 durch Forscher der Uni Cambridge gegründete Unternehmen hatte 2007 mit hochfliegenden Plänen und staatlichen Millionenbeihilfen seine erste und einzige Fabrik für biegsames elektronisches Papier gebaut. In dem 100 Millionen Euro teuren Werk wollten die Briten zunächst ein innovatives Lesegerät für digitale Dokumente im A4-Formatbauen. Doch Apple war 2010 mit seinem iPad schneller – damit starb die Idee.

PL rang in den Folgejahren umneue Geschäftsmodelleund Kunden, spaltete sich zudem in eine britische Entwicklungsfirma und ein deutsches Produktionsunternehmen auf. Doch zu einer echten Massenproduktion und Vollauslastung kam es in der Dresdner Fabrik nie.

Im Oktober 2018 schließlich zog PL-Chef Tim Burne die Notbremse. Seitdem ruht die Fertigung bei PL Dresden – während die Nachbarschaft boomt: Gleich nebenan wächst die neue Bosch-Halbleiterfabrik aus dem Boden, und das Chipmaskenzentrum AMTC hat sich eben erst erweitert.

Bevor mit dem CNT wieder Leben in die weitgehend verlassenen PL-Hallen einziehen kann, werden allerdings millionenteure Umbauten nötig sein: Die Mikroelektronik-Versuche von Fraunhofer brauchen eine höhere Reinraumklasse als eine E-Papier-Produktion, auch benötigen die 300-mm-Anlagen des CNT eine etwas andere Infrastruktur. „Der Bund und der Freistaat haben uns aber dabei Hilfe versprochen“, bestätigte Direktor Lakner.

Von Heiko Weckbrodt

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