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Lokales Frank Richter: „Der Osten braucht keine Belehrung. Er braucht Unterstützung“
Dresden Lokales Frank Richter: „Der Osten braucht keine Belehrung. Er braucht Unterstützung“
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10:34 10.03.2019
Frank Richter Quelle: dpa
Dresden

Eine schillernde Figur hat die sächsische SPD auf ihre Liste für die Landtagswahl am 1. September gesetzt. Damit der parteilose DDR-Bürgerrechtler Frank Richter für sie kandidieren kann, haben die Sozialdemokraten sogar eigens ihre Satzung geändert. Der über die Grenzen des Freistaats hinaus bekannte Querdenker könnte ihnen Zugang zu den Unzufriedenen verschaffen, so die Hoffnung. Zu Ostdeutschen, die von den traditionellen Parteien schon lange keine Lösungen mehr für ihre Probleme erwarten.

Wir erinnern uns: Ende 2014 bietet Richter, damals noch Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Anhängern der fremdenfeindlichen „Pegida“-Bewegung in Dresden einen Dialog an. Im Januar 2015 erlaubt er ihnen, in der Landeszentrale eine Pressekonferenz abzuhalten, weil sie keine anderen Räumlichkeiten dafür gefunden haben. Nicht alle finden das gut.

Streitbarer Theologe

Dass man ihn, nur weil er einen Gesprächsfaden zu den wütenden Bürgern gesucht hat, damals in die Nähe der AfD gerückt hat, kann der streitbare Theologe nicht verstehen. Schließlich ist er auch deshalb in die Politik gegangen, weil er rechtspopulistische Parolen ablehnt. Den rechtsnationalen „Flügel“ des Thüringer AfD-Rechtsaußen Björn Höcke findet Richter besonders gefährlich. Der 58-Jährige mahnt: „Wer die Reden von Björn Höcke studiert und ein bisschen etwas von deutscher Geschichte versteht, der muss sagten: „Wehret den Anfängen!““

Auf Menschen zugehen, die einem nicht in freundlicher Absicht entgegentreten, damit hat Richter Erfahrung: Während der Friedlichen Revolution 1989 suchte er während der Demonstrationen in Dresden das Gespräch mit der Volkspolizei.

„Der Osten braucht keine Belehrung. Er braucht Unterstützung“

Richter überrascht und provoziert gern. Auch mit dem Titel eines neuen Buches, das der heimatverbundene Sachse jetzt pünktlich zur Leipziger Buchmesse abliefert. Er fragt: „Gehört Sachsen noch zu Deutschland?“ Seine Antwort: Ja. „Der Osten braucht keine Belehrung. Er braucht Unterstützung“, ruft er den Westdeutschen zu. SPD-Landeschef Martin Dulig sieht in Richters Kandidatur auch „ein Angebot an Milieus, in denen wir es bisher schwer hatten“.

Der Autor Richter legt Wert darauf, dass Sachsen nicht missverstanden wird als Teil eines imaginären „Dunkeldeutschlands“, bevölkert vor allem von schlecht gelaunten, latent rechtsradikalen Wutbürgern. Doch schönreden will er auch nichts. Er schreibt: „Obgleich ich über 20 Jahre als Seelsorger in verschiedenen Orten mit sozialen Spannungen gearbeitet habe, sind mir niemals so viele verschlossene, verbitterte und teilweise hasserfüllte Menschen begegnet wie bei den Demonstranten von Pegida in Dresden.“

Wechselvoller Lebenslauf

An anderer Stelle berichtet er von einer alten Frau, die in Meißen lebt und das Gefühl hat, sie sei im Leben zu kurz gekommen und werde vom Staat nicht genügend beachtet. „Sie steht im Schatten“, stellt Richter fest und fragt: „Woher soll diese Frau die Kraft nehmen, offen und solidarisch mit Flüchtlingen umzugehen?“

Frank Richter hat einen wechselvollen Lebenslauf. Er war katholischer Priester, Domvikar an der Dresdner Hofkirche. Er heiratete, arbeitete als Lehrer. Heute ist er evangelisch. 2017 verließ er die CDU. Heute fühlt sich Richter der SPD nahe, auch wenn er bisher noch nicht Mitglied werden will. Bei der Wahl des Oberbürgermeisters in seiner Geburtsstadt Meißen unterlag der Parteilose knapp. „Das war bitter“, sagt er. Seither ist er arbeits- aber nicht beschäftigungslos. In den nächsten Tagen wird er sein neues Buch vorstellen. Dann steht der Wahlkampf an. Richter ist in Meißen parteiloser Direktkandidat, abgesichert durch Platz sieben der SPD-Liste.

AfD verstehe es, ein Opfer-Narrativ zu stricken

Die sächsische AfD kommentierte Richters Kandidatur im vergangenen November mit den Worten: „Man kann die CDU nur beglückwünschen, dass sie Frank Richter los ist. Karrieristen wie er haben meist keinen langfristigen Erfolg.“

Richter erklärt, die Sachsen seien „diskussionsfreudig“ und „sehr selbstbewusst.“ Dass die AfD bei der Bundestagswahl 2017 mit 27 Prozent der Zweitstimmen knapp stärkste Kraft wurde - vor der CDU mit 26,9 Prozent - war für ihn Antrieb, selbst in die Politik zu gehen. Er sagt, die AfD verstehe es, „geschickt alle möglichen Kränkungen und empfundenen Ungerechtigkeiten einzusammeln, um ein Opfer-Narrativ zu stricken und daraus ein Widerstandsrecht abzuleiten“.

Schwerpunkt: Sozialer Zusammenhalt der Gesellschaft

Der Unmut und die Gekränktheit vieler Menschen im Osten erklärt sich für Richter durch ein Zusammenspiel von Faktoren. Jeder einzelne davon reicht seiner Ansicht nach nicht aus, um „die besondere Stimmungslage“ in manchen Regionen zu verstehen. Er zählt die Gründe auf: Entindustrialisierung, die Preisgabe der Eigenstaatlichkeit, Entvölkerung.

Sollte er im Herbst in den Landtag einziehen, steht sein Schwerpunkt schon fest: Er will er sich um den „sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft“ kümmern.

Von Anne-Beatrice Clasmann, dpa

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