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Lokales Wochenkinder in Dresden: Welche Folgen hatte die Entfremdung?
Dresden Lokales Wochenkinder in Dresden: Welche Folgen hatte die Entfremdung?
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16:47 21.09.2019
Das Mantra der DDR-Kinderbetreuung: Werktätige Mütter können unbesorgt ihrer Arbeit nachgehen, denn in der Kinderkrippe sind ihre Kleinen gut aufgehoben. Quelle: ZB/Wittig/Bundesarchiv_Bild_183531690011
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Dresden

Kinderbetreuung in der DDR? Ein ganz heißes Eisen – auch noch 30 Jahre nach der Wende. Zugespitzt lässt sich sagen: Im Osten trieb ein überzogen kollektives Menschenbild zuweilen krasse Blüten, sorgte aber rasch für viel mehr Frauenrechte; im Westen hielt die möglichst individuelle Erziehung des Nachwuchses viele Mütter am Herd.

Töpfchen-These des Hannoveraner Kriminologen Pfeiffer

Die Debatten um die Folgen dieser höchst unterschiedlichen Ansätze erreichte mit der Töpfchen-These des Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer Ende der 1990er Jahre einen ersten Höhepunkt, denn Pfeiffer unterstellte einem angeblich enorm autoritären DDR-Erziehungssystem, es sei der Grund dafür, dass ostdeutsche Jugendliche öfter Ausländer überfallen als die im Westen. Der Aufschrei nach dieser von jeder Feldforschung befreiten These war riesig, die Fronten zwischen: „Den Kindern ging es doch gut“ und dem Vorwurf einer gewissen Entfremdung von Kindern und Familie sind seitdem nicht aufgeweicht.

Kinder-Betreuung 1960 in der DDR: Wie die Tracht der Erzieherinnen nahelegt, ging es in den ersten Lebensjahren vor allem um das körperliche Wohlbefinden und die Hygiene. Erst vom Kindergartenalter an wanderte die staatliche Aufsicht vom Gesundheits- zum Volksbildungsministerium. Quelle: dpa-Zentralbild

Mitten hinein ins Kampfgebiet wagt sich die Sozialwissenschaftlerin Heike Liebsch mit ihrem aktuellen Forschungsprojekt zu „Wochenkindern in Dresden“. „Allein in Dresden dürften 10 000 Kinder eine solche Einrichtung besucht haben, in denen die Kinder Montagfrüh abgegeben und Freitag- oder Samstagabend wieder abgeholt wurden“, hat Heike Liebsch recherchiert.

Angebot erreicht Höhepunkt 1966

Von 1952 bis 1992, erklärt sie, gab es diese Wochenbetreuung gleichberechtigt neben Tageskrippen und Tageskitas. Das Angebot an alleinerziehende Mütter mit Job wie auch an Familien, die keinen Tageskrippenplatz bekamen, einen weiten Arbeitsweg hatten oder wegen eines Studiums wenig Zeit erlebte seinen Höhepunkt 1966. Damals standen der Forscherin zufolge DDR-weit mehr als 39 000 Plätze zur Verfügung.

Heike Liebsch hat sich in ihrem Projekt auf die Frage konzentriert, was aus den Kindern wurde, deren Eltern das sozialpolitisch motivierte Angebot des Staates nutzen. Entlastete Mütter auf der einen Seite, Kinder ohne enge Familienbindung auf der anderen – wie sind die Wochenkinder später durchs Leben gekommen?

Konkrete Situation in Dresden näher betrachtet

Waren sie Opfer einer Erziehung zu einer gewissen Härte oder war es für sie eine gute Schule, um später Herausforderungen zu meistern? Konnten sie gute Eltern sein? Wussten sie, wie Bindung und Vertrauen geht? Heike Liebsch hat vor allem die konkrete Situation in Dresden näher betrachtet. Sie führte Gespräche mit ehemaligen Wochenkindern, Eltern, Zeitzeugen und Erziehern.

Die Ergebnisse ihrer Forschungen und spannende Details aus fast 170 Jahren Kinderbetreuung in Dresden stellt Heike Liebsch am 19. September vor.

Im Stadtarchiv Dresden auf der Elisabeth-Boer-Straße 1 lädt Heike Liebsch ab 18 Uhr zum Vortrag „Wochenkinder in der DDR am Beispiel von Dresden“. Der Eintritt ist frei.

Von Barbara Stock

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