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Lokales Forschungsergebnis aus Dresden: Krebsenergie lässt das Gehirn wachsen
Dresden Lokales Forschungsergebnis aus Dresden: Krebsenergie lässt das Gehirn wachsen
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20:14 08.01.2020
Wieland Huttner Quelle: Amac Garbe
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Dresden

Zerstörung und Intelligenz liegen manchmal nahe beieinander. Darauf deuten neue Forschungsergebnisse im „Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik“ (MPI-CBG) in Dresden hin. Demnach setzt im Menschen ein ganz spezielles Gen einen krebsähnlichen Energieprozess in Gang, der das Gehirn wachsen lässt.

Verantwortlich dafür ist das Gen „ARHGAP11B“, das nur der Mensch hat. Es nistet sich in den „Kraftwerken“ der Zelle, in den „Mitochondrien“ ein. Dort schließt es alle „Kraftwerkstüren“, so dass dort kein Kalzium mehr heraus kann. Dadurch starten sie einen „Glutaminolyse“ genannten chemischen Prozess, den auch Krebszellen gern benutzen, um ihren hohen Energiehunger zu stillen. So entsteht chemische Energie, die – ähnlich wie Benzin im Auto – viel in der Zelle bewegen kann.

„Auf diese Weise kann ARHGAP11B basale Hirnstammzellen dazu bringen, einen größeren Pool von Stammzellen zu bilden“, erklärte Dr. Takashi Namba, der diese Prozesse gemeinsam mit Kollegen vom Uniklinikum Dresden und von der Semmelweis-Universität Budapest untersucht hat. Das menschliche Hirn kann so weit mehr Nervenzellen bilden als ein Tier-Gehirn – und seine Hirnrinde stärker falten. All das hat im Laufe der Evolution dazu beigetragen, dass der Mensch einen Intelligenz-Vorsprung erlangte.

Dr. Takashi Namba gehört im Planck-Genetikinstitut zur Forschungsdirektor von Gründungsdirektor Prof. Wieland Huttner. Diese Gruppe untersucht seit Jahren die molekularen Mechanismen, die für das Hirnwachstum von Säugetieren während der Evolution verantwortlich sind. Die Gruppe hatte 2015 zunächst die Schlüsselrolle des Gens „ARHGAP11B“ erkannt. Durch die neue Studie haben sie nun auch die Prozesse entschlüsselt, die das Hirngrößen-Gen steuert. Offensichtlich spiele dabei ein „krebsartiger Stoffwechsel“ eine wichtige Rolle, schätzte Prof. Huttner ein.

Von hw