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Lokales Fluchtforensik – Eine Ausstellung rückt Stasi-Fotos in ein neues Licht
Dresden Lokales Fluchtforensik – Eine Ausstellung rückt Stasi-Fotos in ein neues Licht
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16:17 21.10.2019
Ein Tunneleingang ziert das Cover von Jens Kleins Buch „Sunset“ und gehört auch zu den in der Galerie projizierten Bildern. Quelle: Foto: Galerie
Dresden

Eine wichtige Frage lassen die Fotos unbeantwortet. Haben es die Leute geschafft, sich Richtung Westen abzusetzen? War ihre Flucht aus der DDR also erfolgreich? Dass die Frage offen bleibt, ist dem Herangehen von Jens Klein zuzuschreiben. Wäre er Historiker, könnte die Frage dominanter im Raum stehen. Da er das Bildmaterial, das er aus dem Archiv der Stasi-Behörde gehoben hat, aber als Künstler bearbeitet, tritt sie in den Hintergrund.

137 Schwarz-Weiß-Fotos flimmern in Endlosschleife über die Leinwand in der Galerie . Wer sie sehen will, kann das auch von draußen durch das große Schau-Fenster tun. Die Bilder wurden zwischen 1961 und 1989 aufgenommen – von Stasi-Mitarbeitern, Polizisten oder Soldaten der NVA-Grenztruppen. Sie sind nackte Dokumente, folgen einer Art forensischer Analytik. Als müssten die Repräsentanten der DDR einerseits immer wieder staunend die Frage klären, wieso Menschen unaufhörlich diesen Staat verlassen wollen und dabei ein hohes Risiko eingehen – und andererseits lernen aus diesen Fotos, wie sie die Grenze noch abweisender, bedrohlicher, undurchdringlicher machen können.

Eine imaginäre Flucht

Klein – der Jahrgang 1970 ist und in Apolda geboren wurde, von 2004 bis 2012 Fotografie an der HGB Leipzig studierte – hat die Fotos bearbeitet, ihre Maße verändert, stellenweise Farbe in Schwarz-Weiß verwandelt. Zur Eröffnung in der Dresdner Galerie Ursula Walter fällt tatsächlich implizit die Frage, ob er das dürfe. Klein antwortet geduldig und charmant, obwohl er durchaus auch kurz und knapp sagen könnte: „Klar darf ich.“ Denn Klein arbeitet künstlerisch und kuratorisch, indem er aus dem Wust der Fotos eine diffuse Fluchtgeschichte strickt, immer aus der Sicht der nie auf den Bildern auftauchenden DDR-Flüchtlinge. Es geht in Tunnel, auf versteckte Waldwege, über Wasserläufe, in Gullyrohre, schließlich in ein Zugabteil. Klein kreiert so eine imaginäre Flucht aus vielen tatsächlichen Fluchten, wobei „die Grenze ein subtiles Etwas ist, nicht das offenbar zu Überwindende“, wie er sagt.

Es geht nicht um Schuld

Es ist auch – ähnlich wie in seiner Fotoserie „Hundewege. Index eines konspirativen Alltags“, mit der Klein 2012 die Arbeit mit Bildmaterial aus der Stasi-Behörde begann – eine anhaltende Suche nach dem, was die DDR war. Allerdings ohne jegliche Schwarz-Weiß-Zuweisung. Hier geht es nicht um Schuld. Was Klein dagegen zeigt, sind eigenartige Ästhetiken, die selbst Überwachungsfotos innewohnen können.

Dennoch weiß Klein natürlich um die Funktion der Bilder. „Tatortfotos“ – mit diesem Terminus bezeichnet er sein Material immer wieder. In dem Buch „Sunset“, das den Sonnenuntergang im Westen als Fluchtpunkt im Titel trägt, hat er diese Arbeit zusammengefasst. Und eben weil sie nicht noch einmal ausdrücklich ihre DDR-Spezifik betont, die jedoch gleichzeitig auf subtile Weise immer erkennbar bleibt, ist es eine ganz besondere Form von Geschichtsaufarbeitung. Als Künstler wohlgemerkt.

bis 26. Oktober,Galerie Ursula Walter, Projektion täglich von 17 bis 21 Uhr, Neustädter Markt 10

Jens Klein: Sunset. Spector Books, 28 Euro

Von Torsten Klaus

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