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Lokales Ohne Vorwarnung: Firma stellt Entsorgung der Blauen Tonnen in Dresden ein
Dresden Lokales Ohne Vorwarnung: Firma stellt Entsorgung der Blauen Tonnen in Dresden ein
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19:51 29.10.2019
Sieben prallvolle Blaue Tonnen der Entsorgungsfirma Kühl haben hier in der Louisenstraße wochenlang den Gehweg verstopft. Nun hat sie die Hausverwaltung der Firma Kühl in Heidenau auf den Hof gestellt. Neue Blaue Tonnen der Stadt lassen aber auf sich warten. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Die Firma Kühl hat sich ohne vorherige Ankündigung aus dem Pa­piergeschäft in Dresden zurückgezogen. Das teilt eine Hausverwaltung in der Dresdner Neustadt auf Anfrage eines Mieters mit. Der wollte wissen, warum seit drei Wochen sieben überquellende Blaue Tonnen vor dem Eingang Moos ansetzen, ohne geleert und zurück in den Hof transportiert zu werden.

Ersatztonnen erst zu Weihnachten?

Doch der Hammer folgt erst noch. Denn, so die Hausverwaltung weiter, was mit den Papiertonnen passiere, sei noch unklar. Es seien neue Tonnen bei der Stadtreinigung Dresden (SRD) bestellt. „Diese werden voraussichtlich bis Weihnachten aufgestellt“.

Weihnachten? Wer in einem Mietshaus wohnt, weiß, wie es um den Füllgrad Blauer Tonnen rund um die Adventszeit bestellt ist: Kartons vermehren sich quasi unkontrolliert. Und wer es gewohnt ist, sie in einer Blauen Tonne zu versenken, trägt sie vielleicht nicht von sich aus zu einem der 350 öffentlichen Pa­piersammelplätze, die die Stadt eingerichtet hat.

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Die Firma Kühl äußert sich trotz mehrfacher Anfragen nicht zu den Gründen für den abrupten Rückzug. Weder am Standort Heidenau, wo weder Niederlassungsleiter noch Geschäftsführerin anzutreffen sind, noch in der Zentrale.

„Wir haben keinen Plan B“

Bislang hat der Entsorger in Dresden parallel zu den drei von der Stadt beauftragten Firmen agiert: Die Stadt spricht gegenüber DNN im Zusammenhang mit der Kühl-Gruppe von rund 400 Anfragen betroffener Mieter beim Amt für Abfallwirtschaft. Die einstigen Kühl-Kunden wollen nun auf die Stadtreinigung Dresden als Entsorger umschwenken.

Bei vielen waren die Tonnen mit der letzten Leerung komplett verschwunden. Die Tonnen in der Neustadt sind wohl schlicht vergessen worden. Damit sie nicht länger den Fußweg zustellen, hat sie die Hausverwaltung nun dem Entsorger hintergeräumt: „Wir haben sie der Firma Kühl auf den Hof gestellt“, erklärt der Sprecher der Hausverwaltung.

Weil der Kühl-Coup nun die Nachfrage hochtreibt, müssen Betroffene derzeit sechs bis acht Wochen warten, ehe die Stadtreinigung neue Blaue Tonnen aufstellt – heikel in der nahen Vorweihnachtszeit. „Wir haben keinen Plan B“, antwortet die Hausverwaltung in der Dresdner Neustadt auf die Frage, wie wüste Kartonpyramiden rund ums Haus vermieden werden sollen.

Nach Rathausangaben versorgt die Stadt derzeit etwa 29.200 Gebäude mit Blauen Tonnen der kommunalen Entsorgerfirma SRD – macht etwa 53 Prozent. Von 2015 bis 2018 bestellte die SRD pro Jahr durchschnittlich 1100 Blauen Tonne. Von Januar bis September 2019 waren es bereits 1400 – fast 30 Prozent mehr.

Dresden ordnet die Müllentsorgung neu

Die Stadt hat zur Jahresmitte die Verträge für die Altpapiersammlung über die Blaue Tonne mit drei Firmen gekündigt. Zum 30. Juni 2020 laufen die 2012 geschlossenen Vereinbarungen mit der Remondis Elbe-Röder GmbH, der Veolia Umweltservice Ost GmbH & Co. KG und der Fehr Umwelt Ost GmbH aus.

Mit der Kühl-Gruppe habe es nie einen Vertrag gegeben, der Entsorger habe rein privatwirtschaftlich am Markt agiert, erklärt Rathaussprecherin Annett Hoffmann.

Das Geschäft mit dem Altpapier soll ab 1. Juli 2020 komplett in die Aufgaben der Stadtreinigung Dresden integriert werden. Motto: drei Abfallarten (Restabfall, Bioabfall und Altpapier) – ein Ansprechpartner. Hintergrund des Vorgehens: Allein 2018 habe es mehr als 1000 Beschwerden zu überquellenden oder nicht geleerten Papiertonnen gegeben.

Das von der Stadt gesammelte Papier wird von Veolia verwertet. Für 2018 beziffert die Stadt die Erlöse aus der Papierverwertung mit 1,6 Millionen Euro. Schätzungen für 2019 liegen nicht vor.

Generell will die Stadt die Müllentsorgung neu regeln. Dazu soll die Stadtreinigung Dresden GmbH rekommunalisiert werden. Die Stadt will dem Mitgesellschafter Veolia die 49 Prozent Anteile abkaufen.

Die Branche kämpft in den zurückliegenden Jahren mit sinkenden Margen. Weil in den Blauen Tonnen immer mehr Versandkartons landen und zugleich immer weniger Zeitungen und Bücher, steigt das Volumen des Papiermülls, aber das Gewicht sinkt. Außerdem hat sich die Branche noch immer nicht erholt vom chinesischen Importstopp für Müll im Januar 2018, der auch Altpapier betraf. Bis 2017 importierte China Verbandsangaben zufolge rund 30 Millionen Tonnen Altpapier im Jahr aus aller Welt – die doppelte der in Deutschland anfallenden Menge. Nach dem Importstopp waren es noch sieben Millionen Tonnen. Hieß: deutsche Papierfabriken mussten die Produktion drastisch zurückfahren, der Preis sank. Kleine Entsorger gingen pleite, die Monopolisierungswelle rollt. Damit droht die Gefahr immenser Preiszuwächse. Viele Städte versuchen dem entgegenzuwirken, indem sie – wie Dresden – die Müllentsorgung wieder in die eigenen Hände nehmen.

Von Barbara Stock

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