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Lokales Fernsehturm Dresden für einen Tag wiedereröffnet
Dresden Lokales Fernsehturm Dresden für einen Tag wiedereröffnet
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17:12 12.10.2019
Für einen tag probeweise geöffnet: Die Besucher genossen die weite Aussicht vom Fernsehturm vom Fernsehturm. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Bund, Land, Stadt und die Telekom-Tochter „Deutsche Funkturm GmbH“ haben sich am Samstag in 142 Metern Höhe im Ex-Turmcafé darüber verständigt, wie es mit dem Fernsehturm Dresdenweitergeht: Die Stadt finanziert demnach erstmal eine etwa drei Millionen Euro teure Verkehrsstudie vor, die klärt, wie die erwarteten Massen zu einem dann wiedereröffneten Turm gelangen könnten. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) schweben dafür auch Roboter-Kleinbusse vor.

Keiner will seinen Platz im Fahrstuhl verpassen

Derweil suchen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Funkturm-Chef Bruno Jacobfeuerborn weiter nach Investoren und Betreibern für das millionenteure Wiedereröffnungs-Projekt. Am Ende übernimmt der Bund die Hälfte der Gesamtkosten, Land und Stadt je ein Viertel. All dies sieht eine Vereinbarung vor, die Hilbert, Kretschmer, Jacobfeuerborn sowie die Bundeskulturbeauftragte Kathrin Hahne nun am „Tatort“ signiert haben.

Hier wird noch gesprochen, kurze Zeit später unterschrieben OB Dirk Hilbert, MP Michael Kretschmer, Quelle: Anja Schneider

Rund 200 Dresdner bekamen an diesem Tag die Chance, ebenfalls zum verwaisten Turm-Café hochzufahren – darunter DNN-Reporter Heiko Weckbrodt.

Die steile und kurvenreiche Bergstraße zur Wachwitzer Höhe mutet an diesem sonnigen Samstag wie ein Pilgerpfad an: Dicht an dicht stapfen die Familien hinauf. Keiner will seinen reservierten Platz im Fahrstuhl verpassen. Wann war ich eigentlich das letzte Mal hier? Mit fünf oder sechs Jahren? Meine Kollegin erinnert sich noch an das DDR-Ragout-Fin, das sie damals, als Kind, da oben gegessen hat. Und an ihre Höhenangst. Bei mir saust dagegen ein rüttelnd-rasender Fahrstuhl durchs Gedächtnis.

„Aussteigen bitte: 142 Meter – Turmcafé“.

Doch von der Turbotechnik „Made in GDR“ ist nix mehr übrig: Der neue Lift lahmt nur noch mit 1,3 Metern je Sekunde nach oben und nicht mehr mit sechs Sekundenmetern wie der alte Schellaufzug. Na okay – immer noch besser als 750 Stufen hochzukeuchen. „Als der Fernsehturm wegen Brandschutz entkernt wurde, ist der Aufzug ausgetauscht worden“, erzählt der Fahrstuhlführer. Zwei erhebende Minuten später öffnet er die Türen: „Aussteigen bitte: 142 Meter – Turmcafé“.

Doch Kaffee, Eierschecke und schwatzende Familien kann man nur noch mit viel gutem Willen und Erinnerungsvermögen in den beiden ehemaligen Café-Etagen erahnen: Seit das Lokal 1991 dicht gemacht hat, hat sich alles verändert. Normalerweise kommen nur noch Techniker hier hoch. Dem brandschützerischen Zerstörungswerk ist auch das ganze Café-Interieur zum Opfer gefallen.

Wo einst dunkelrote Teppiche und Holztäfelungen den Charme der 60er und 70er Jahre versprühten, dominieren nun kahle Wände und nüchterne Betonfußböden. Elektriker haben ein paar Leuchtröhren und Rauchmelder an die Decken gepappt. Die Panoramaverglasung ist dumpf geworden, der Wind spielt klappernd mit den Blechrahmen.

Besuchstag auf dem Dresdner Fernsehturm

Trotz dieser Ernüchterung ist das enthusiastisch-nostalgische Murmeln kaum zu überhören, das mit jeder Menschenladung, die der Fahrstuhl ausspuckt, lauter wird. „Toll“, zischelt einer, „Oje“, ein anderer. Das Gemurmel schwillt zu mittlerer Begeisterung an, als wir zwei weitere karge Treppen nach oben klettern – an der „Fluchtkammer“ mit ihren Rauchschutzmasken und „Sauerstoff-Selbstrettern“ vorbei zur Freiluft-Plattform. Wie konnte man diesen grandiosen Ausblick nur vergessen?

Die Stadt zu unseren Füßen hat sich eine riesige Decke aus roten, gelben und zartgrünen Laubtupfern übergestreift. Herbstlicht streichelt über die Baumkronen. Weit unten pflügt ein Spielzeugdampfschiffchen durch die Elbe, die sich in weiten Bögen durch Dresden schlängelt. „Guck mal, da wohne ich“, reißt ein Knirps den Zeigefinger hoch und visiert Reick an. Und das da hinten? Ist das die Chipfabrik von Globalfoundries? Eine Fingerbreite daneben Infineon? Eigentlich bin ich bisher nur als Ameise durch Dresden gekrabbelt, denke ich – so anders sieht alles von hier oben aus.

„Der Fernsehturm ist ein Sehnsuchtsort für viele Menschen“

Ich mustere den Mann neben mir genauer. Ein älterer Herr, Marke: Dresdner Urgestein. Seine Hände ruhen auf der Stahlbrüstung. Sein Kopf schwenkt hin und her, immer wieder. Glitzert da eine Träne in seinem Augenwinkel?

Ministerpräsident Kretschmer kennt diesen Effekt schon. „Der Fernsehturm ist ein Sehnsuchtsort für viele Menschen“, sagt er wenig später, zwei Stockwerke tiefer, kurz bevor er den Deal mit Hilbert, Jacobfeuerborn und Hahne abzeichnet. Er verspricht deshalb Hilfe beim kühnen Plan, diesen Ort der Sehnsüchte wieder Leben einzuhauchen. „Das sichern wir ab“, sagt er.

Bis aber der erste reguläre Gast wieder ins Turmcafé einfahren darf, brauchen die Beteiligten noch viel Geld, einen langen Atem, Glück und Geduld. Allerspätestens 2025 will OB Hilbert den Turm fertig haben. Je nach Ausbaustufe wird das 15 bis 61 Millionen Euro kosten, hat eine Machbarkeitsstudie erheben. Und: Die Protagonisten müssen zunächst mal einen privaten Betreiber finden.

Der soll mehr sein als „nur“ ein Café-Wirt. „Ich hoffe auf jemanden, der für Attraktionen auch am Fuß des Turmes sorgt, so dass die Dresdner und ihre Besucher immer wieder herkommen wollen“, sagt Hilbert. An Kulturangebote denke er da, aber auch an ein Hotel in den ehemaligen Telekom-Häusern neben dem Turm. Ende 2019 will die Funkturm-Gesellschaft für all dies eine Ausschreibung veröffentlichen.

Zudem weiß der Oberbürgermeister: Nicht jeder Dresdner ist restlos begeistert über die Wiedereröffnungspläne. Anrainer fürchten, dass es mit der ruhigen Wohnlage vorbei ist, wenn wieder die Massen gen Turm stürmen. Daher will Hilbert – wenn der Stadtrat dem zustimmt – nun eine Verkehrsstudie in Auftrag geben. Das soll Anfang 2020 fertig sein und Konzepte vorlegen, wie sich der Besucherautoverkehr vom Turmfuß fernhalten lässt. Lösbar sei dies beispielsweise durch veränderte Buslinien oder eine über Weißig bis Gönnsdorf verlängerte Straßenbahnlinie 11.

Auch in Elbnähe und an der B 6 gelegene „Park & Ride“-Parkplätze wären laut Hilbert eine Lösung. Seine Vision: Von dort aus bringt dann ein futuristischer Shuttle-Bus, der autonom und fahrerlos navigiert, die Besucher zum Fernsehturm. „Das wäre eine weitere Attraktion“, meint der Oberbürgermeister. „Dann würden bestimmt viele gerne das Auto weiter außerhalb parken, um mal mit so einem autonomen Shuttle mitzufahren.“

Von Heiko Weckbrodt

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