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Lokales Familienvater soll seine Tochter 214 mal missbraucht haben
Dresden Lokales Familienvater soll seine Tochter 214 mal missbraucht haben
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11:00 21.08.2018
Der 59-Jährige muss sich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 214 Fällen vor dem Landgericht verantworten Quelle: dpa/Deck
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Dresden

„Ich hatte es nicht vor, ich habe es nicht gemacht und werde es auch nie tun“, sagte Hans-Jürgen P. am Montag entschieden. Der 59-Jährige muss sich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 214 Fällen vor dem Landgericht verantworten. Ihm wird Abscheuliches vorgeworfen. Er soll sich zwischen September 1994 und Juni 2001 an seiner eigenen Tochter vergangen haben. Das Mädchen war damals zwischen sieben und 13 Jahren alt.

Laut Staatsanwaltschaft hat er das Mädchen zunächst drei Jahre lang wöchentlich, dann einmal im Monat anal missbraucht. Die Taten geschahen immer im Kinderzimmer des Mädchens, wenn die Mutter und die einige Jahre ältere Stiefschwester nicht im Hause waren. Erst als der Vater auszog, weil sich die Eltern scheiden ließen, hörte die Sache auf.

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Das Mädchen hat sich nie jemandem anvertraut, auch nicht ihrer Mutter. Raus kam die Sache viele Jahre später. Denn der Angeklagte hat offenbar nicht nur seine Tochter, sondern auch seine Stieftochter und deren Freundin missbraucht. Auch die haben über ein Jahrzehnt geschwiegen und mit niemandem, auch nicht untereinander, darüber gesprochen. Erst als die Freundin der Mädchen nach einem Klinikaufenthalt beschloss, ihr Leben neu zu ordnen, ging sie 2012 zur Polizei und zeigte Hans-Jürgen P. an. So kam die Sache ins Rollen. Die Taten zum Nachteil der Stieftochter und deren Freundin sind inzwischen verjährt, so sind nur die Taten gegenüber der leiblichen, jüngeren Tochter angeklagt.

„Ich bestreite das rigoros, das ist ein verspäteter Racheakt, um mir eine reinzuwürgen“, erklärte der 59-Jährige. Da steht Aussage gegen Aussage. Seine Stieftochter und deren Freundin bestätigten, dass sie von dem Mann missbraucht wurden. Die jungen Frauen leiden noch heute unter den Folgen und sind nervlich am Ende. Beide haben versucht, die Taten zu verdrängen und sich sogar dafür geschämt. Wegen der Anzeige und einer früheren Verhandlung, die wegen Krankheit des Angeklagten abgebrochen werden musste, zerbrach die Freundschaft.

Die Mutter hatte angegeben, von den Vorfällen nichts gewusst zu haben. Die Freundin der Schwestern behauptet allerdings, dass die Frau einmal dazukam. Zudem, so die Freundin, habe sie der Angeklagte einmal gemeinsam mit der jüngeren Schwester missbraucht. Diese soll am nächsten Verhandlungstag aussagen.

Von Monika Löffler