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Lokales Fünfköpfige Familie aus Dresden startet das Experiment „Autofrei“
Dresden Lokales Fünfköpfige Familie aus Dresden startet das Experiment „Autofrei“
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08:51 01.12.2019
Das letzte Mal in den eigenen vier Türen: Der Umwelt zuliebe und für einen minimalistischeren Lebensstil hat Familie Wachtel ihr Auto verkauft. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Deutschland ist Automobilland. Zwar gerät das Image des Statussymbols in Zeiten von Klimakrise und Abgasskandalen zunehmend ins Wanken. Dennoch zählt das Auto für die meisten nach wie vor zu den Dingen, die man eben besitzt, spätestens wenn die Kinder kommen. Denn wie wären Großeinkauf, Wochenendausflug und Notfallfahrt zum Kinderarzt ohne den eigenen Wagen zu schaffen? Familie Wachtel wollte es wissen und wagt das Projekt Autofrei.

Durchgetakteter Familienalltag

Ein gewöhnlicher Dienstagnachmittag bei den Wachtels zu Hause: Die Kinder Florian, Adrian und Alisia kamen gerade aus Kita und Schule zurück, ihre Mutter Michaela von der Arbeit. Vater Dirk wird auch bald zur Tür rein kommen. „Bei uns ist alles ziemlich durchgetaktet. Von Dienstag bis Freitag haben die Kinder verschiedene Hobbys im Anschluss an Kita und Schule“, erklärt Michaela Wachtel, während sie eilig ein paar Möhren schneidet und ein Brot schmiert.

Sie arbeitet in Freital, ihr Mann in Dresden. Zu ihren Jobs fahren beide mit dem Fahrrad. „Bei Wind und Wetter“, betont Michaela Wachtel. Und auch ihre Kinder sind fit auf dem Rad. Die siebenjährige Alisia und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Adrian mit dem Fahrrad, der dreijährige Florian mit dem Laufrad.

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Und dennoch waren die Wachtels bis vor wenigen Tagen Autobesitzer; den Carport auf der Einfahrt haben sie sich erst vor Kurzem zugelegt. „Uns fiel schon seit Jahren auf, dass das Auto viel rumsteht und wir es eigentlich nur am Wochenende brauchen. Oder wenn man schnell irgendwo hin muss“, erzählt Michaela Wachtel, „oder wenn man eben zu faul fürs Fahrrad ist.“ Der Entschluss, das Auto zu verkaufen, sei vor gut zwei Monaten gefallen.

Großeinkäufe macht die Familie selten. „Wir kaufen unter der Woche häufig in der Nähe unserer Arbeitsstellen frisch ein. Höchstens am Samstag besorgen wir dann noch ein paar Dinge. Und das meistens zu Fuß. Und wenn wir für Grillfeste Getränke brauchten, haben wir uns diese liefern lassen.“

Im Notfall mit dem Taxi

Was die Wege der Kinder angeht, können Wachtels ohne große Mühe aufs Auto verzichten, wie die Mutter der Familie erzählt: „Die Kita ist zwei Straßen weiter, die Schule, wo die Große hingeht, direkt nebenan. Und die Hobbys der Kinder haben wir so organisiert, dass alles in der Nähe liegt.“ Dass sie mit dem Verkauf ihres Autos dennoch ein kleines Stück Sicherheit abgeben, sei Michaela Wachtel bewusst. „Aber für Notfälle gibt es immer noch Taxis. Oder man fragt in der Nachbarschaft nach einem Auto.“

Carsharing und Zugfahren

Doch wie sieht es mit längeren Strecken aus? Michaela Wachtel kommt aus Hannover, ihr Mann aus Riesa. Wenn sie mit ihren drei Kindern die Großeltern besuchen wollen, steht von nun an Zugfahren oder Carsharing, auf deutsch das Mietauto, auf dem Programm. Mit letzterem soll es dieses Jahr zum Weihnachtsfest bei den Großeltern in Hannover gehen.

Ausschlaggebend für den Selbstversuch der fünfköpfigen Familie sei vor allem der Umweltaspekt gewesen, wie Michaela Wachtel erzählt: „Wir versuchen unseren CO2-Abdruck möglichst klein zu halten, kaufen bewusst ein,vermeiden Verpackungen so weit es geht. Und wir haben gemerkt, dass man eigentlich viel zu viel besitzt. Dinge, die man gar nicht oft braucht. Und dazu gehörte eben auch das Auto.“

Das Fahrrad hingegen nutzen Michaela und Dirk Wachtel aus Überzeugung. „Es ist gesünder, man ist an der frischen Luft und wo andere noch eine Stunde Training nach der Arbeit rein quetschen, haben wir den Sport schon gemacht.“

Doch auch der Kostenfaktor spielte für Familie Wachtel eine Rolle. „Wir haben mal ausgerechnet, was uns das Auto inklusive Anschaffungspreis, Instandhaltung, Versicherungen, Benzin, etc. kostet: 500 Euro im Monat“, sagt Michaela Wachtel. „Ich bin ziemlich sicher, dass wir da mit Rad, Carsharing und öffentlichen Verkehrsmitteln günstiger kommen.“ Um ganz sicher zu sein, wolle ihr Mann die Kosten über die kommenden Monate im Auge behalten.

Von wegen Statussymbol

Ein Statussymbol ist das Auto für die Wachtels schon lange nicht mehr. Seit den Abgasskandalen in der Automobilindustrie hat sich ihre Einstellung diesbezüglich geändert, wie Michaela Wachtel erzählt. Zumal sie sich heute über andere Dinge, vor allem ihre Kinder, definierten.

Ihre Tochter Alisia findet es nicht so toll, dass ihre Eltern das Auto verkauft haben. „Weil wir dann ja immer ein Auto ausleihen müssen wenn wir zu Oma und Opa fahren. Unser Auto war so schön groß und im Kindersitz war es so schön kuschelig“, erzählt die Siebenjährige. „Ach, ich denke, das klappt auch in anderen Autos“, entgegnet ihre Mutter.

Michaela Wachtel wirkt optimistisch, wenn sie von ihrem Projekt erzählt. Auch wenn der bevorstehende Winter ihr noch etwas Sorgen bereitet: „Wenn es schneit oder glatt ist, lassen wir das Rad stehen und müssen Bus und Bahn nehmen. Wenn das dann nicht reibungslos klappt und ich beispielsweise die Kinder nicht rechtzeitig abholen kann, könnten wir Probleme kriegen.“

Bleibt also abzuwarten, wie Familie Wachtel autofrei durch den Winter kommt. Fortsetzung folgt.

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Von Laura Catoni

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