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Lokales Bei Anruf Betrug: Wie das LKA Sachsen Callcenter-Kriminalität bekämpfen will
Dresden Lokales Bei Anruf Betrug: Wie das LKA Sachsen Callcenter-Kriminalität bekämpfen will
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20:34 23.11.2019
Nur mit internationaler Zusammenarbeit, sagt LKA-Präsident Petric Kleine, lässt sich der Callcenter-Betrug bekämpfen. Quelle: Foto: Dietrich Flechtner

Beim so genannten Enkeltrick sind die Menschen ja bereits recht wachsam geworden, Sie haben aber auch von „falschen Polizeibeamten“ berichtet, wie sieht es da aus?

Normalerweise scheut man beim Callcenter-Betrug ja den direkten Kontakt. Es schließen sich aber Formen an, wo Leute nicht nur anrufen und sich als Polizeibeamte ausgeben, sondern sogar vor der Haustür auftauchen. Die sagen dann: „Hier wurde eingebrochen, zeigen sie uns mal ihre Wertsachen“ – völlig unlogisch, aber die Leute machen es. Oder: „Haben Sie Bargeld im Haus, zeigen Sie uns mal, wo sie das gesichert haben.“ Dann zeigt die alte Dame das, wird abgelenkt und um ihre Ersparnisse gebracht. Hier beobachten wir eine deutliche Zunahme an Fällen.

Könnten nicht auch die Banken noch stärker darauf achten, ob ältere Menschen, die einen größeren Betrag abheben wollen, vielleicht auf irgendeinen Trick hereingefallen sind?

Wir haben vor allem mit der Sparkasse entsprechende Kooperationsvereinbarungen. Mitarbeiter werden regelmäßig geschult, fragen zum Beispiel „Wofür benötigen Sie denn so viel Bargeld?“ Die Leute müssen das nicht sagen, erzählen es aber meistens. Schon oft hat die Sparkasse dann die Polizei informiert, so dass die Tat im Versuchsstadium steckengeblieben ist.

Gerade ältere Menschen sind ja aber mit solchen Anrufen oft überfordert, können nur schwer einschätzen, wie sie damit umgehen sollen.

Wir müssen die Leute – anders geht es nicht – entsprechend sensibilisieren. Gerade auch Kinder und Enkel, die dann mit den vielleicht nicht mehr so geistig aktiven Menschen reden und Verhaltensabsprachen treffen: „Wenn es sowas gibt, ruf mich an, frag nach.“ Wenn die Kinder woanders wohnen oder man vereinsamt ist, dann ist man natürlich anfälliger.

Sie haben kürzlich darauf hingewiesen, dass sich die Täter immer perfidere Methoden einfallen lassen. Können Sie da ein paar Beispiele nennen?

Die Masche, dass angebliche Support-Mitarbeiter von Microsoft unter dem Vorwand, helfen zu wollen, darum bitten, die SoftwareTeamviewer“ zu installieren, und dann Zugriff auf den PC bekommen, finde ich sehr perfide. Im Grunde genommen dringt man dort wirklich ins Innerste vor. Oder die Täter geben sich als Rechtspfleger oder Gerichtsvollzieher aus. Sie lassen sich immer etwas Neues einfallen, was sich natürlich auch ein bisschen danach richtet, was wir als Präventionsaktivitäten machen. Wenn wir den Menschen raten: „Rufen Sie beim Amtsgericht zurück, dann haben die sich durch das Spoofing (siehe Infokasten, d. Red.) so eingerichtet, dass ich, wenn ich einfach die Rückruftaste drücke, dann wieder bei ihnen und nicht wirklich beim Gericht lande. Und der Bürger denkt, ich habe doch beachtet, was mir die Polizei gesagt hat.

Das Gemeine ist, dass die alten Leute dort wirklich um ihr mühsam Erspartes gebracht werden. Die Täter sind ja so frech, die probieren das einmal, und wenn das klappt, wissen sie, das Opfer ist willig und vielleicht auch entsprechend liquid. Da wird dann gesagt: „Sie haben nicht nur 36 900 Euro gewonnen, das ist ein Zahlendreher, es sind sogar 93 600 Euro.“ Damit erhöht sich dann die Bearbeitungsgebühr. Und da kommt dann die Gier des Menschen ein bisschen zum Tragen: „Wenn ich das jetzt nicht bezahle und dann nicht gewinne, da wäre ich ja doof.“

Sie haben darauf hingewiesen, dass die internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Callcenter-Betruges enorm wichtig ist. Warum?

So wie die Täter ihre Taten begehen – nämlich international – muss ich es auch bearbeiten, ansonsten werde ich nicht erfolgreich sein. Dann kriege ich vielleicht mal einen. Dem nachzuweisen, dass das kein Einzelfall ist, damit das Strafmaß in der Verurteilung entsprechend höher wird, das ist ganz wichtig. Bei den Botschaften anderer Länder gibt es Verbindungsbeamte des Bundeskriminalamtes. Dadurch sind Wege kürzer geworden. Der Schwerpunkt der Taten liegt in der Türkei. Da gab es ja in der Vergangenheit auch Festnahmen durch die türkischen Behörden. Aber diese Tätergruppen wachsen schnell nach.

Wie gut klappt denn die Zusammenarbeit mit der Türkei?

Wenn es kein Rechtshilfeabkommen gibt, wird ein Rechtshilfeersuchen gestellt. Die Türkei entscheidet: Ist das eine Straftat, die bei uns auch verfolgenswert ist, haben wir Interesse daran? Und wenn sie das haben, starten sie ein eigenes Verfahren. Die Erkenntnisse, die bei uns gewonnen wurden, fließen dort ein und sind auch beweiserheblich. Das ist aber alles sehr formell geregelt. Einfach anrufen und sagen: „Mach mal ...“, das kriege ich vielleicht in einem EU-Mitgliedsstaat hin, wo es über Europol, und Eurojust (die europäischen Polizei- und Justizbehörden, d. Red.) Einrichtungen gibt, die so eine Zusammenarbeit zumindest erleichtern. Trotzdem hat jedes Land noch seine Souveränität, sein Rechtssystem, und das muss man achten.

Und wie sieht die Abstimmung bundesweit aus?

Das Land Schleswig-Holstein hat zum Beispiel eine Stimmdatenbank installiert, wo man zuordnen kann, ob solche Callcenter-Anrufe zusammengehören. Das können wir nutzen, aber da wird nicht jeder Einzelfall erfasst. Die Zusammenarbeit mit der Türkei hat das Polizeipräsidium München aufgebaut. Ohne ein Zusammenfassen unserer Erkenntnisse wären wir zum Beispiel gar nicht darauf gekommen, dass das Hauptgebiet der Täter derzeit in der Türkei ist.

Wenn mal jemand festgenommen wird, ist es ja oft nur der Geldabholer. Ist an die Hintermänner überhaupt heranzukommen?

Das ist wirklich schwierig. Entweder sie reden mit uns, dann ist es gut. Oder sie haben Telekommunikationsmittel dabei, die wir sicherstellen und auslesen können, wenn dafür eine rechtliche Grundlage gegeben ist. Es kommt auch immer darauf an, wie der Staatsanwalt das einordnet. Sieht er es als Einzelfall, ist es Betrug. Sieht er es aber als Bandendelikt, dann habe ich von der strafprozessualen Seite viel mehr Möglichkeiten. Dann kann ich eine Telekommunikationsüberwachung machen oder längerfristig observieren.

Wie hoch ist denn die Aufklärungsquote in diesem Bereich?

Hoch ist sie nicht, sie liegt vielleicht bei zehn Prozent. Wenn große Ermittlungsverfahren aufgeklärt werden, geht sie natürlich automatisch hoch. Wir haben aber auch Versuche dabei, und da sage ich Ihnen ehrlich – da haben wir keine Ermittlungsansätze. Das Raffinierte ist eben, dass es aus der Ferne passiert.

Hat es dann wirklich Sinn, immer Anzeige zu erstatten?

Wir brauchen die Anzeigen, um Erkenntnisse zu sammeln. Man hat festgestellt, dass Leute, die betrogen wurden, Angst haben sich zu blamieren, und das dann nicht anzeigen. Das ist aber falsch. Es wird niemand ausgelacht, niemandem ein Vorwurf gemacht. Wenn ein junger Mensch angerufen wird, der dann sagt „Du spinnst wohl?“ und einfach den Hörer auflegt, kommt der oft gar nicht darauf, das anzuzeigen. Deshalb können wir gar nicht sagen, ob da gezielt nur alte Leute angesprochen werden oder ob es eher so ist, dass von den Tätern komplette Listen – die sie zum Beispiel im Darknet kaufen – abgearbeitet werden, in der Hoffnung: „Aha, ich höre eine ältere Stimme und kann meinen Vers loswerden.“

Was ist Ihr persönlicher Tipp an die Leser, wenn Sie verdächtige Anrufe bekommen?

Reden Sie mit ihrer Familie oder mit Nachbarn darüber, bevor Sie etwas tun, wozu man Sie am Telefon auffordert. Der Nachbar sagt dann vielleicht: „So einen Anruf habe ich auch bekommen.“ Oder rufen Sie eine der Polizeidienststellen an. In aller Regel sind die Revierbeamten so sensibilisiert, dass sie wissen, da kommt’s auf schnelles Handeln an.

Von Holger Grigutsch

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