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Lokales FDP-Chef Holger Zastrow: Eine dreispurige Albertstraße ist nicht zu machen
Dresden Lokales FDP-Chef Holger Zastrow: Eine dreispurige Albertstraße ist nicht zu machen
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16:27 21.01.2019
Holger Zastrow und die Dresdner FDP wollen mit Plakaten ihre Position zum Umbauvorhaben Albertstraße deutlich machen. 30 bis 40 der Plakate sollen an der Albertstraße und umliegenden Straßen verteilt werden. Quelle: Uwe Hofmann
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Dresden

Das Thema Radwegebau an der Albertstraße ist nun endgültig im – verfrühten – Wahlkampf im sogenannten Superwahljahr 2019 angekommen. Mit einer Plakataktion an der Albertstraße und an umliegenden Straßen will die FDP vor der Stadtratsentscheidung am Donnerstag ihre Position klar machen. Sie ist relativ eindeutig: „Rückbau verhindern!“ und „Vierspurigkeit erhalten!“ steht auf den Plakaten, die etwa eine Woche lang hängen bleiben sollen.

Auch die Grünen beschäftigen sich verstärkt mit dem Thema

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Darum geht es

Die Verwaltung plant, eine von zwei Fahrspuren für Autos in Richtung Albertplatz einzuziehen und dafür Radlerspuren in beiden Richtungen auf der Fahrbahn abzumarkieren. Anlass ist eine vom zuständigen Ausschuss 2011 positiv beschiedene Petition des Fahrradfahrerclubs ADFC. Der Ausbau soll nun im März beginnen, steht aber vor dem Aus. Die Baukosten von rund 530 000 Euro sollen zu etwa 90 Prozent durch Fördermittel bestritten werden. Laut einer Verkehrsuntersuchung entsteht Autofahrern durch die Umgestaltung der Fahrbahn am Carolaplatz ein Nachteil: Sie müssten morgens im Schnitt 24 statt 23 und nachmittags 21 statt 20 Sekunden im Hauptverkehr länger warten – also eine Sekunde. Dafür könnten Radler auf der Wegstrecke knapp zweieinhalb Minuten gewinnen, wie der ADFC im Selbsttest herausgefunden hat.

Das ist die Kritik der FDP

Die Albertstraße müsse als Teil der Hauptverkehrsachse Königsbrücker Straße, Carolabrücke und St. Petersbrücker Straße unbedingt leistungsfähig bleiben, sagt Zastrow. „Deswegen wird es mit uns keinen Rückbau geben.“ Überhaupt sei eine Wegnahme von Verkehrsfläche für Autofahrer mit der FDP nicht zu machen, sagt Zastrow mit Verweis auf steigende Kfz-Anmeldungen in Dresden. Sonst, befürchtet er, werde der Verkehr ins Nebenstraßennetz gedrückt; an der Albertstraße etwa ins Gebiet rings um die Glacisstraße. „Das müssen wir vermeiden, denn dort leben viele Menschen.“ Zudem vermutet Zastrow, dass die Dreispurigkeit zwischen Carola- und Albertplatz nur der Anfang sei. „Es ist Taktik, dass jetzt ein Teilstück herausgenommen wird, um dann Stück für Stück die ganze Strecke einspurig zu machen“, sagt Zastrow. Das wolle man verhindern.

Das sagt die Stadtverwaltung

Sie hat im Bauausschuss vor knapp zwei Wochen ihre Pläne vorgestellt. Dabei verwies sie auf die seit 2005 um 40 Prozent gesunkene Verkehrsbelastung auf der Albertstraße, die derzeit bei 19 700 Autos am Tag liege – ein Wert, der sogar nur eine Fahrspur in jede Richtung rechtfertige. Zastrow bestreitet das nicht. „Da wirkt sich die Waldschlößchenbrücke aus“, sagt er. Aber es sei auf der Achse wieder mit einer steigenden Verkehrsbelastung zu rechnen, deshalb brauche man die vier Spuren der Albertstraße. „Außerdem sind auf der Bautzner Straße und der Carolabrücke demnächst große Baumaßnahmen geplant, von denen wir nicht wissen, wie sie sich auswirken“, sagt Zastrow. Deswegen dürfe jetzt nichts an der Albertstraße geschehen.

Das ist der Gegenvorschlag

Irgendwie muss der Radverkehr an der Albertstraße geleitet werden. „Es gibt dort breite Gehwege, die kaum ein Fußgänger nutzt“, sagt Zastrow dazu. Die müssten nur instandgesetzt und für den Radverkehr hergerichtet werden. Die Stadt argumentiert, dass sich Radwege an den sogenannten Seitenräumen nicht so einfach einordnen lassen, weil die Gehwegbreiten zu gering seien. Das bedeute zwangsläufig ein umfangreiches mehrjähriges Planungsverfahren mit hohen Kosten, heißt es. Alternativ schlägt Zastrow vor, dass Radfahrer die Hauptstraße nutzen. „Prinzipiell ist es für Radfahrer im Nebenstraßennetz sicherer, dort stelle ich mir kreative Lösungen vor, anstatt einfach Fahrspuren für Autos zurückzubauen“, sagt der Faktionschef. Diese Haltung sei die Weiterentwicklung der noch im 2014 im Kommunalwahlprogramm von der FDP vertretenen Position, dass Radler auf der Nord-Süd-Achse am besten auf der Fahrbahn geführt werden sollen.

Das steckt hinter dem Streit

„Ich traue der Stadtverwaltung keinen Meter“, sagt Zastrow. Da liegt offenbar einiges im Argen zwischen ihm und dem Geschäftsbereich von Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Insofern wird auch die im September 2018 erstellte Verkehrstechnische Untersuchung, aus dem die eine Sekunde zusätzlicher Wartezeit hervorgeht, angezweifelt. Zudem habe der Stadtrat das Vorhaben weder beschlossen noch sei er darüber informiert worden. Die Präsentation im Stadtrat sei schlicht zu spät gekommen, so Zastrow. Und der nichtöffentliche einstimmige Entscheid des Petitionsausschusses könne nicht als Votum der Stadträte gewertet werden, zumal dort noch von einem Verkehrsversuch die Rede ist. Den habe man sich aufgrund der vorliegenden Untersuchungen und des hohen Zeitaufwandes gespart, sagt Straßen- und Tiefbauamtsleiter Reinhard Koettnitz auf diese Kritik angesprochen. Neue Erkenntnisse werden davon nicht erwartet. Für die FPD geht es im Streit auch um eine Symbol „für eine vollkommen verfehlte Verkehrspolitik“, wie es in einem am Sonnabend verschickten Schreiben hieß. „Wir wollen die neuen Mehrheiten im Stadtrat nutzen, um das jetzt zur Abstimmung zu stellen“, sagt Zastrow.

Von Uwe Hofmann