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Lokales Ex-Feuerwache an Louisenstraße wird bis Jahresende zur Rettungswache
Dresden Lokales Ex-Feuerwache an Louisenstraße wird bis Jahresende zur Rettungswache
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09:25 18.01.2019
Als die Leitwache in der damaligen Feuerwache an der Louisenstraße untergebracht war, wurde die Decke der historischen Turnhalle im Obergeschoss abgehängt um Platz für die vielen Leitungen zu schaffen. Nun kehrt das eigentliche Raumgefühl wieder zurück, wie Thomas Schöngarth zeigt. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Nackt. Mit einem anderen Adjektiv lässt sich nicht beschreiben, wie die Wände der ehemaligen Feuerwache Louisenstraße derzeit aussehen. So nackt wie jetzt hat sie wohl zuletzt Stadtbaurat Hans Erlwein gesehen, nach dessen Plänen das markante und heute denkmalgeschützte Gebäude in der Äußeren Neustadt 1913 bis 1916 errichtet wurde. Bis 2016 war die Wache im Dauerbetrieb, davon nach 1945 auch lange Jahre als Hauptwache, weil der Komplex an der Louisenstraße 14-16 anders als andere Feuerwehrgebäude im Zweiten Weltkrieg kaum Schaden genommen hatte.

Seit 2017 wird die ehemalige Hauptwache der Feuerwehr an der Louisenstraße saniert. Das Gebäude ist innerlich kaum wiederzuerkennen. Ein fotografischer Baustellenrundgang.

Das bedeutete auch, dass es über 100 Jahre für größere Sanierungen keine Gelegenheit gab. „Das verträgt sich nicht mit einem 24-Stunden-Betrieb als Wache“, sagt Thomas Schöngarth. Er ist im Brand- und Katastrophenschutzamt für die Dresdner Feuerwehrgebäude verantwortlich – und damit auch für die 2017 begonnene Sanierung der früheren Neustadtwache, die durch den Umzug der Feuerwehrleute in die 2016 in Betrieb genommene Albertwache möglich wurde.

Seither erleben Schöngarth und die beauftragten Bauleute reihenweise Überraschungen. Hinter Putz und Wandverkleidungen kamen verborgene Schächte und vor allem ein selten gesehenes Leitungswirrwarr ans Licht. Meist funktionslose Rohre und Kabel aus vergangenen Tagen, die einst in die Wände kamen. „Man öffnet eine Wand an einer Schadstelle und entdeckt drei Rohre aus unterschiedlichen Jahrzehnten, die nebeneinander verlaufen und heute keine Funktion mehr haben“, beschreibt das der Immobilienfachmann.

Leitungslabyrinth hinter Putz

Weil der Betrieb der Wache nicht gefährdet werden durfte, habe man damals zwar neue Leitungen verlegen, die alten aber nicht aus Wänden und Decken reißen können, sagt Schöngarth. So sei ein einzigartiges Leitungslabyrinth entstanden, das inzwischen aber größtenteils entwirrt und entsorgt ist. Dass die Leitstelle bis zu ihrem Umzug in die neue Zentrale in Übigau in der Wache Louisenstraße saß und immer mehr Raum für aufwendige Nachrichtentechnik in Beschlag nahm, habe das Problem noch verstärkt. Schöngarth spricht von Tausenden Kilometern Kabel, die man oft in dicken Bündeln herausgerissen und weggeschafft habe.

Doch das sind nicht die einzigen Überraschungen. So habe sich der ein oder andere Rutschschacht, in dem Feuerwehrleute bei der Alarmierung an Stangen hinabgleitend auf schnellstem Weg zu den Fahrzeugen im Erdgeschoss gelangten, überraschend angefunden. Im ehemaligen Waschraum gab es hinter den Fliesen eine dicke Schicht mit Teer, die offenbar Schutz vor eindringendem Wasser bieten sollte. In der Fahrzeughalle fehlte dieser dagegen. Wasser und im Winter von den Löschfahrzeugen tropfendes Tausalz haben über Jahre unheilvoll im Betonboden gewirkt. Dieser musste deshalb teils vollständig ersetzt werden, so sehr hatte der Rost die Stahlbewährung zerfressen.

Abgesägtes Treppenhaus

Die bis Ende 2019 geplanten Arbeiten, für die ein Budget von rund 3,2 Millionen Euro vorgesehen ist, sind keine denkmalgerechte Sanierung, betont Schöngarth. „Es ist eine funktionelle Instandsetzung und Modernisierung“, umschreibt Schöngarth das Tun der Bauleute. Wesentlichen Anforderungen des Denkmalschutzes habe man schon bei der Fassadensanierung vor 14 Jahren genüge getan. Außerdem werden die Treppenhäuser weitestgehend denkmalgerecht instandgesetzt, was zum einen die Rückkehr der wenig ansprechenden, braun gehaltenen Farbgestaltung bedeutet. Andererseits wird ein überraschend hinter einer Mauer entdecktes Fenster aufgearbeitet und die im Obergeschoss gekappte Treppe wieder aufgebaut. Sie musste in der Vergangenheit den wachsenden Platzbedürfnissen weichen – anstelle des Treppenhauses entstand ein kleines Kabuff.

„Hier gab es einen gewissen Bastelfaktor“, sagt Schöngarth zu solchen Umbauten. Den Zustand der Wache vor Sanierung nennt er „verbastelt“. Dass diese Zutaten vergangener Tage nun verschwinden, bedeutet in gewisser Hinsicht auch eine Rückkehr zu Erlweins Zeiten. Der Stadtbauherr habe die Wache mit großen Sälen und einer modernen Stahlbauoptik sehr funktionell geplant, sagt Schöngarth. Später wurden dann Rundbögen, Holzverkleidungen und kleine Zimmerchen eingebaut – so modern mochte es der Zeitgeschmack dann doch nicht. Diese Einbauten verschwinden nun größtenteils.

Mehr als 21 000 Einsätze

So entstehen in den oberen Etagen Büros und Besprechungsräume für Kriseninterventionsteams und die Medizinische Task Force, die im Katastrophenfall eine rasche medizinische Versorgung organisieren muss. Ebenso sind Schulungsräume vorgesehen. Und die Sammlung historischer Feuerwehrgerätschaften und Erinnerungsstücke bekommt endlich ein Zuhause. In der ehemaligen Turnhalle, die in den 1990er Jahren von der Leitstelle in Beschlag genommen wurde, und umliegenden Räumen werden künftig altes Gerät und andere Exponate bei besonderen Terminen zu besichtigen sein.

Die eigentliche Rettungswache nimmt nach der Sanierung im Erdgeschoss und erstem Obergeschoss den Betrieb auf. Zwei Rettungsdienstfahrzeuge und ein Notarztwagen werden in der Fahrzeughalle stationiert und 24 Stunden im Einsatz sein. Das Gros der Wache machen künftig aber 14 Krankentransportwagen mit zugehörigem Personal aus. Mit 4650 Einsätzen der Rettungswagen wird jährlich kalkuliert, dagegen sollen die an der Louisenstraße stationierten Krankentransportwagen 17 000 Einsätze im Jahr fahren, sobald die Arbeiten an der Wache beendet sind. Die Wände dort werden dann nicht mehr nackt sein, die Leitungen anders als vorher über Putz verlaufen. „Es ist ein Funktionsgebäude“, begründet Schöngarth diese Wahl. „Und praktischer ist es so auch.“ Für den Fall, dass man in den nächsten 100 Jahren mal einen Strang austauschen wird.

Von Uwe Hofmann

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