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Lokales Evangelisch-reformierte Gemeinde Dresden auf der Suche nach einem neuen Pfarrer
Dresden Lokales Evangelisch-reformierte Gemeinde Dresden auf der Suche nach einem neuen Pfarrer
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07:45 22.02.2020
Pfarrer Klaus Vesting von der Ev.-Reformierten Gemeinde im Kanonenhof. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Der evangelisch-reformierten Gemeinde Dresden steht eine wichtige Veränderung bevor. Klaus Vesting, seit 35 Jahren ihr Pfarrer, ist im Januar 65 geworden. Im Herbst soll er in den Ruhestand verabschiedet werden.

Mit seiner Theologie, seinen Predigten vor allem, die er lange und gründlich vorbereitet und ausformuliert, hat er die Gemeinde geprägt. Anfangs habe er sich noch ganz im Konsens evangelischer Dogmatik – der Glaubenslehre also – bewegt, erzählt der Mann mit grauem Lockenhaar und Frank-Zappa-Schnauzer. „In Dresden ist meine Theologie immer liberaler geworden. Die Gemeinde habe ich aber immer mitgenommen auf diesem Weg.“

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Die Heilige Schrift als Produkt eines Prozesses mit vielen Beteiligten.

Unter den Gottesdienstbesuchern im Kanonenhof unter der Brühlschen Terrasse sitzen gelegentlich Gäste. „Die sagen mir: Bei Ihnen hören wir, was wir denken, uns aber nicht zu sagen trauen.“

Was in der Bibel steht, ist für ihn nicht vom Himmel gefallen. „Es ist menschliches Wort, das Erfahrungen mit Gott formuliert, entstanden über mehr als tausend Jahre hinweg, mündlich überliefert, aufgeschrieben, umgeschrieben.“ Das macht er mit der historisch-kritischen Interpretation deutlich. In seiner Ausgabe der Zürcher Bibel von 2007 voller Gebrauchsspuren hat er mit rosa, gelbem, grünem Marker die Textbestandteile aus unterschiedlichen Zeiten gekennzeichnet. Die Heilige Schrift ist in seinen Augen Produkt eines Prozesses mit vielen Beteiligten.

Leben und Lehre Jesu sind ihm wichtiger als Opfertod am Kreuz und Dreifaltigkeit. „Da kann man die Bibeltexte auch mal quer zum üblichen Verständnis lesen.“ Eine Predigt solle kein erbauliches Gerede sein, er habe auch einen Bildungsauftrag. In den Predigten nimmt er seine Zuhörer auf abenteuerliche Entdeckungsreisen in unbekanntes Gebiet mit.

Überraschungen sind garantiert. Für Vielfalt sorgen auch Gastprediger, unter ihnen politisch engagierte Lutheraner oder eine katholische Theologin. Ein „Exegetischer Arbeitskreis“, also einer, der sich mit Bibelauslegung beschäftigt, verbindet Klaus Vesting seit Jahren mit einem evangelischen, einem katholischen Kollegen und dem Rabbi.

Einer wie er, für den der ehrliche Wille Glaubender das Entscheidende ist, weiß, dass Dogmen Hintertüren und Schleichwege haben. Im Kanonenhof gab es die ersten Andachten zum Christopher-Street-Day und die Segnung eines schwulen Paares, als in der lutherischen Kirche Pfarrer davon noch die Finger ließen. Ein christlicher Mann und eine jüdische Frau ließen sich hier religiös trauen – in einer Synagoge undenkbar.

Nachfolge-Bewerber auch aus dem Ausland

Dabei stammt Klaus Vesting, geborener Hallenser, aus pietistischem Hause. Ingenieur bei der Reichsbahn war sein Vater, Kindergärtnerin die Mutter. Schon mit sechs wollte er Archäologe werden. Die Lust am Tiefschürfen scheint geblieben. Als auch aus dem Studium der Chemie nichts wurde, entschied er sich für Theologie. „Daran reizte mich, dass ich mich weiter für Geschichte interessieren konnte.“ Nach dem Vikariat in Halberstadt ging er 1980 nach Bitterfeld, die Stadt der Schlote mit Kohlegruben, Brikettfabrik, Kraftwerk und Chemieindustrie. „Trug man einen Krug Milch in den Garten, waren schwarze Punkte drauf, wenn man am Tisch ankam.“ Seine drei Kinder litten an Bronchitis.

1985 wechselte er nach Dresden. Rund 480 Mitglieder gehören dieser Gemeinde an, etwa 80 von ihnen außerhalb Dresdens lebend. Seit ihrer Gründung 1689 ist die Gemeinde selbstständig geblieben. Mit der evangelisch-reformierten Kirche verbindet sie lediglich ein Kooperationsvertrag. Die Gemeinde finanziere sich zu weniger als zehn Prozent aus freiwilligen Abgaben der Mitglieder, dem „Kirchenbeitrag“, erläutert Pfarrer Vesting. Zum größten Teil durch Einnahmen aus dem Haus, dem ehemaligen Hofgärtnerhaus, mit seinen Gästezimmern und dem Restaurant „Brühlscher Garten“.

Sieben Theologen haben sich als Nachfolger Vestings beworben, nicht nur aus der Bundesrepublik, sondern auch deutsche Pfarrer von Auslandsstellen in der Schweiz, Niederlande, Südafrika, Belgien und Spanien, wie Achim Kreft sagt, stellvertretender Vorsitzender des Konsistoriums. Ausgewählt hat das zehnköpfige Konsistorium, erweitert um ehemalige Mitglieder, zwei Pfarrerinnen und zwei Pfarrer. Sie stellen sich vom 1. März an in den Gottesdiensten mit Predigten vor und lassen sich anschließend befragen.

Am 26. April wählt die Versammlung der etwa 70 berufenen Gemeindehäupter – die aktiven Mitglieder der Gemeinde – Nachfolgerin oder Nachfolger. Den Dienst soll sie oder er am 1. Oktober antreten. Einen Monat begleitet Klaus Vesting den neuen Pfarrer noch. Erst dann geht er in den Ruhestand, am 31. Oktober – dem Reformationstag.

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Reformierte, Bewerber, Abendmahl, Ordnungen, Geschichte

■ Bewerber: 1. März – Pfarrerin Antje du Plessis; 22. März – Pfarrerin Wiebke Heeren-Jöhlinger; 29. März – Pfarrer Holger Lübs; 5. April – Pfarrer Coll. Fabian Brüder; Beginn immer 10 Uhr, Kanonenhof unter der Brühlschen Terrasse (neben dem Bärenzwinger, Eingang Hasenberg)

■ Reformierte: Sie sind neben Luther der zweite Zweig der Reformation, der Anfang des 16. Jahrhunderts in der Schweiz mit Huldrych (Ulrich) Zwingli und Johannes Calvin entstand.

■ Raum: Heilig sind für Reformierte nur das biblische Wort und die unter ihm versammelte Gemeinde, nicht jedoch Räume oder Gegenstände; sie halten sich streng an das Bilderverbot der Bibel; statt eines Altars gibt es einen großen dunkelgrünen Abendmahlstisch; einzige Dekoration in einer Wandnische sind hohle Kanonenkugeln aus dem ersten Schlesischen Krieg 1741, umfunktioniert zu Öllampen.

■ Abendmahl: Reformierte verstehen das Abendmahl als sichtbares Zeichen des Wortes; Hostie und Wein „wandeln“ sich nicht zu Leib und Blut Christi wie nach Ansicht der Katholiken und werden auch nicht „in, mit und unter“ Brot und Wein von Gläubigen zu sich genommen wie nach Auffassung der Lutheraner; in der „Leuenberger Konkordie“ vereinbarten Lutheraner, Reformierte und Methodisten, Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft.

■ Ordnungen: Reformierte definieren alle von Menschen geschaffenen Ordnungen der Kirche als zeitlich bedingt und wandelbar; sie seien immer wieder neu am Wort der Heiligen Schrift auszurichten; daher haben Reformierte im Unterschied zu Lutheranern mehrere Bekenntnisschriften als Wegweiser in konkreter Zeit unter konkreten Bedingungen.

■ Geschichte: Hugenotten, Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, gründeten die Dresdner Gemeinde 1689, zunächst im Geheimen; 1894 bauten sie sich eine neugotische Kirche am heutigen Külzring, die 1945 zerstört, später abgerissen wurde; 1956/57 zogen sie um in das ehemalige Hofgärtnerhaus an der Brühlschen Terrasse; 1999 in den darunter befindlichen Kanonenhof.

Von Tomas Gärtner

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