Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Erik und Steffi Engelhardt: Drei Zimmer, Liebe, Kunst
Dresden Lokales Erik und Steffi Engelhardt: Drei Zimmer, Liebe, Kunst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:43 10.01.2018
Das Künstlerpaar Erik und Steffi Engelhardt besitzt viele besondere Möbel in seiner Wohnung. Den blau-weißen Uhrenschrank hat Steffi vom Dachboden der Mutter einer Freundin. Heute beherbergt er im Schlafzimmer des Ehepaares die Babysachen der gemeinsamen Tochter Mara.  Quelle: Anja Schneider
Dresden

 Noch gar nicht lange sind die 60 Quadratmeter in der Neustadt das Zuhause des Künstlerpaars Steffi und Erik Engelhardt – und doch steckt die Wohnung schon voller Geschichten. Das liegt zum einen am ereignisreichen Familienalltag einer Patchworkfamilie mit vier Kindern zwischen drei Monaten und 14 Jahren in ihren zwei Wohnungen in Dresden und Leipzig. Zum anderen haben auch die Möbelstücke der Malerin und des Fotografen eine Menge zu erzählen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir je neue Möbel gekauft hätten“, erzählt Erik, als er vor einer schweren, dunklen Holztruhe mit der Inschrift „Sch“ steht. „Die Überseekiste habe ich mal auf einem Dachboden gefunden – keiner wusste, wem sie gehörte.“

Heute sind wir zu Gast bei Erik und Steffi Engelhardt.

Der Schreibtisch ist vom Nachbarskind

Steffi arbeitet unter anderem als freischaffende Malerin und Illustratorin. Ihr liebster Platz zum Kreativwerden ist momentan ein heller Sekretär, den sie für fünf Euro von einem Nachbarskind erstanden hat. „Hier drin steckt eine ganze Welt“, sagt sie. In den Schubkästen und auf der Arbeitsplatte stapeln sich Entwürfe, Pinsel und Tuschekästen. Eigentlich geht die 33-Jährige zum Arbeiten in ihr großes Atelier in Trachenberge. Doch seit der Geburt des gemeinsamen Töchterchens Mara Anfang Oktober ist sie automatisch mehr zu Hause. „Mir tun Hintergrundgeräusche beim Arbeiten gut, zum Beispiel, wenn ich meine Familie aus der Küche höre.“ Gerade entstehen an dem Sekretär Illustrationen für ein Kinderbuch über Katzen in einem portugiesischen Hafen. Das möchte sie nächstes Jahr zur Illustratorenmesse in Bologna vorstellen.

 Erik Engelhardt ist als Fotograf auf Porträts mit dem Fokus auf Nähe und Intimität spezialisiert. Für Bücher porträtierte er auch die Schwangerschaft seiner Frau. Die jüngste Tochter Mara erblickte in dem neuen Zuhause in der Neustadt das Licht der Welt. Auch die Schere, mit der die Nabelschnur nach der Hausgeburt durchtrennt wurde, wird aufbewahrt.

Bekannt wurde das Paar durch das ZDF

In der Öffentlichkeit bekannt sind Steffi und Erik vor allem seit ihrer Arbeit für die ZDF-Sendung „Make Love“ vor zwei Jahren. Als Modellpaar wurden sie in der Aufklärungssendung bei intimen Momenten gefilmt. „Vor fünf Jahren haben wir begonnen, unser Liebeswissen an andere Menschen weiterzugeben“, erzählt Erik. „Die Anfrage des ZDF war so etwas wie eine Schnittmenge meiner künstlerischen Arbeit und unserer Arbeit als Seminarleiter und Coaches. Eigentlich hatte ich der Sexologin Ann-Marlene Henning ein Portfolio für ihr aktuelles Buch angeboten. Dieses gemeinsame Projekt wird 2018 bei Rowohlt erscheinen. Aber zuerst war der Regisseur von „Make Love“ an meinen Fotos und an uns als Modelle interessiert“, berichtet Erik über die Entstehung der Zusammenarbeit mit dem ZDF.

2016 haben sich die beiden das Ja-Wort gegeben und im „Roten Haus“ am Dippelsdorfer Teich gefeiert. „Es war so ein heißer Sommertag, da lautete der Dresscode Badekleidung“, erinnert sich Steffi. Nachdem sich das Paar 2011 in einer schamanischen Schwitzhütte kennengelernt hatte, überlebten Erik und Steffi ein halbes Jahr später nur knapp einen Scheunenbrand in der Nähe von Dresden. Bei der Zeugenaussage zur Brandstiftung durch Kinder gaben sie als Grund für die Übernachtung auf dem Stroh „romantische Motive“ an. „Viel bedeutender aber war die Erfahrung, die Fragilität des eigenen Lebens zu erkennen und die gemeinsame Entscheidung, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen“, sagt Steffi. „Diese Erkenntnis hat uns Klarheit für unsere Beziehung gegeben, die auch in unserer Arbeit spürbar ist.“ In der Pfingstwoche organisieren Steffi und Erik jedes Jahr in der Toskana das „Love Camp“, einen Seminarurlaub für Paare. Das Ehepaar gibt zudem Workshops zur bewussten Wahrnehmung und Gestaltung der Liebesenergie im Seminarzentrum Sinnesart. Durch die Umsetzung des „Prostituiertenschutzgesetzes“ in Dresden sehen sie die Arbeit der Tantramasseurinnen bedroht, an die sie unter anderem ihr wertvolles Wissen weitergeben. Das Gesetz sieht vor, Prostitution nur noch in den Dresdner Randgebieten zu erlauben. „Tantramassage ist Heilarbeit und keine Prostitution. Wir wollen, dass Sinnlichkeit im Zentrum der Gesellschaft und nicht am Stadtrand steht.“

Zu Hause bei…

Alle Artikel der DNN-Serie finden Sie im Special!

Bemalter Putz statt langweiliger Tapeten

Interessant ist auch die Wandgestaltung der Wohnung. Statt Tapeten blanke Wände. Steffi hat mit einem Gemisch aus Farbpigmenten und Kleister den Putz in der Küche rötlich gestrichen. Sie sitzt auf einem dunkelbraunen Hocker und trägt das Baby in einem Tragetuch vor der Brust. „Der Hocker gehörte einst meiner Ur-Großmutter“, erzählt sie über das Erinnerungsstück. Von Steffis Oma findet sich in der Wohnung ein massiver Kleiderschrank, der durch seine lindgrünen Elemente gleichzeitig zart wirkt. „Als meine Oma auszog, vermachte sie ihr mächtiges Buffet dem Nachbarn. Der wiederum hat mir diesen Schrank geschenkt“, freut sie sich.

Direkt daneben stehen eine ebenfalls lindgrüne Truhe und ein zotteliges Holzpferd. „Die Truhe stammt von meiner Tante Else.“ Streng genommen war sie keine richtige Tante, aber wie das früher so war, wurden viele Frauen aus der Verwandtschaft Tanten genannt. Zu DDR-Zeiten hatte die Frau ein Häuschen im Vogtland, das bei der Verwandtschaft für Urlaube sehr beliebt war. So kam es, dass eine Porzellanmalerin zu Gast war und auf Wunsch von Tante Else ihre Truhe mit filigranen Blumenmotiven bemalte. „Bei Tante Else roch es immer nach Wäscheseife. Die Truhe hat noch sehr lange nach genau dieser Seife gerochen“, erinnert sich Steffi. Heute steht das Erbstück gegenüber vom Hochbett der ältesten Tochter. „Das Holzpferd Blessy ist eines der praktischsten Möbel, die wir besitzen“, schmunzelt der Fotograf. „Die Kinder spielen damit, bauen Buden, wir sitzen darauf oder legen Kleidung auf dem Holzpferd ab“, ergänzt seine Frau.

Schlafen wie in Portugal

Im Schlafzimmer der Eltern dominieren die Farben weiß und hellblau, die dem Raum ein portugiesisches Flair verleihen. Neben dem Bett steht ein exotisch wirkender Schrank, ebenfalls in blau-weiß. „Das ist unser Urnenschrank“, stellt Steffi das Möbelstück vor. Der Name beruht aber auf einem Missverständnis, denn es handelt sich um einen Uhrenschrank. Die Mutter einer Freundin hatte das außergewöhnliche Stück im Keller. Nun beherbergt es im Schlafzimmer die Babysachen.Vor dem Umzug in die Neustadt wohnte die Familie am Schillerplatz. Doch der tägliche Schulweg zur „Natur und Umweltschule“ für die Tochter war einfach zu weit. Weil die Eltern hinter dem Konzept der freien Grundschule stehen, kam ein Schulwechsel nicht in Frage. „Für uns ist es unvorstellbar, dass so ein zukunftsweisendes Schulprojekt, für das 10 000 Menschen unterschrieben haben, nicht vom Freistaat unterstützt wird.“

Zwei Jahre hat die Familie gesucht, bis sie eine Wohnung in ruhiger Neustadtlage ohne Schimmel fand. Die gebürtige Dresdnerin freut sich nun, das erste Mal im Kiez ihrer Heimatstadt zu Hause zu sein, auch wenn die Mieten in der Landeshauptstadt kräftig gestiegen sind. Besonders gefallen Steffi in der Neustadt die vielen Kisten mit zu verschenkenden Kleinigkeiten vor den Haustüren. Ihr macht es Spaß, für das Zuhause Neues zu finden, wie erst kürzlich eine kleine Schüssel mit typischen DDR-Muster. Sie stellt auch gerne selbst Sachen vor die Tür. Die können ihre Geschichte dann in einem anderen Zuhause fortschreiben.

Steckbrief

Steffi Köhler wurde 1984 in Dresden geboren, Erik Engelhardt 1973 im damaligen Karl-Marx-Stadt.

Sie absolvierte von 2004 bis 2013 das Studium der Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Von 2013 bis 2015 war sie Meisterschülerin bei Professor Christian Macketanz. In ihren Bildern beschäftigt sich Steffi Köhler als freischaffende Künstlerin mit Licht. „Wenn meine Bilder aus sich selbst heraus zu leuchten beginnen, habe ich gut gearbeitet.“

Er war zwischen 1984 und 1989 Cellist im FDJ-Ensemble des Pionierhauses in Chemnitz und absolvierte anschließend eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger. Dann entdeckte er seine Leidenschaft für Fotografie und Film und realisierte zahlreiche Projekte, unter anderem in Portugal und Brasilien. Von 2001 bis 2004 lehrte Erik Engelhardt an der Hochschule Mittweida „Soziale Fotografie“. Seit 2000 ist er als freischaffender Künstler tätig.

Zusammen lebt das Paar, das sich 2011 kennenlernte und 2016 heiratete, in einer Patchworkfamilie mit vier Kindern in Dresden und Leipzig.

Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit geben Steffi und Erik gemeinsam Workshops in „Berührungskunst“ im Seminarzentrum Sinnesart und unterrichten Yoga. Einmal im Jahr veranstalten sie das „Love Camp“ in der Toskana, bei dem sie mit Paaren an der Beziehung und Sexualität arbeiten.

Öffentlich bekannt wurden sie durch ihren Auftritt in der ZDF-Show „Make Love“ 2015. Für die Arbeit als Modellpaar teilten sie intime Momente vor der Kamera.

Von Tomke Giedigkeit

Lokales Ehemaliges ibis-Hotel an der Prager Straße - Dresdens „Lilienstein“ wird zum Student Hotel

Ein niederländisches Unternehmen will aus dem einstigen Ibis-Hotel „Lilienstein“, das schon seit einem Jahr geschlossen ist, wieder ein Hotel machen. Allerdings vollkommen anders als bisher. Eröffnung soll schon im September 2018 sein.

04.01.2018
Lokales Teurer Besuch bei „Iron Mike“ - Ex-Boxer Mike Tyson kommt nach Dresden

Er galt als der beste Boxer seiner Zeit – und als der Skandalöseste. Mike Tyson ist am 29. April im Hotel Hilton an der Frauenkirche zu Gast. Im Rahmen seiner Europatour macht er Halt in der Landeshauptstadt und tritt exklusiv bei einem Gala Dinner auf. Für Besucher kein billiges Vergnügen. Rund 500 Euro kostet eine Karte.

04.01.2018

Im Unterlassungsprozess zwischen den Seenotrettern von Mission Liefeline und Pegida ist es am Donnerstag noch nicht zu einem Urteil gekommen. Vor dem Landgericht Dresden ging die Rettungsorganisation am Donnerstag juristisch gegen Pegida-Gründungsmitglied Siegfried Däbritz vor.

04.01.2018