Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Entlastung der A­ 4: Freistaat drückt bei der Rollenden Landstraße aufs Tempo
Dresden Lokales Entlastung der A­ 4: Freistaat drückt bei der Rollenden Landstraße aufs Tempo
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:03 17.01.2019
Schon einmal gab es in Sachsen eine Rollende Landstraße. Von 1994 bis 2004 wurden Laster auf Zügen zwischen Dresden und dem nordtschechischen Lovosice hin- und hergefahren. Nun drängt der Freistaat erneut auf eine solche Verbindung, um die A4 zu entlasten. Quelle: Archiv/dpa
Dresden

Bis zu 135 000 Fahrzeuge rollen tagtäglich über die A 4 bei Dresden, der Abschnitt gilt als einer der meistbefahrensten Ostdeutschlands. Vor allem die ra­san­ten Zu­wächse beim Lkw-Verkehr sorgen für eine pickepackevolle Autobahn. Ei­n Ausbau soll Abhilfe schaffen, doch allein da­rauf will der Freistaat nicht setzen – und geht nun auch bei der Verlagerung des Schwerlastverkehrs auf die Schiene in die Offensive. In ei­ner Machbarkeitsstudie sollen die konkreten Mö­glichkeiten ei­ner Rollenden Landstraße als Alternative ausgelotet werden.

Beinah täglich quält sich der Verkehr eher schlecht als recht über die Fahrspuren. Im September hatte das Verkehrsministerium deshalb beim Bund die Verbreiterung der A 4 im Bereich zwischen Nossen und Pulsnitz beantragt, fordert für die Autobahn ei­nen zusätzlichen Fahrstreifen je Richtung. Und mehr noch: Inzwischen arbeiten die Mitarbeiter des Ministeriums an einem An­­trag, auch den Bereich zwischen Pulsnitz und Bautzen von vier auf sechs Spuren verbreitern zu lassen.

Doch unabhängig davon, wie in Berlin über das Ansinnen entschieden wird: Angesichts der aufwendigen Planungen wird der Ausbau so schnell nicht kommen, nicht unter 20 Jahre rechnen Verkehrsfachleute. Und: Der Schwerlastverkehr zwischen Ost- und Westeuropa wird weiter massiv zunehmen, prognostizieren Experten. Auch deshalb hatte das Ministerium im Au­gust des vergangenen Jahres die Arbeitsgruppe „Rollende Landstraße“ ins Leben gerufen, die nun aufs Tempo drückt.

Dieses Bild zeigt, wie im Sommer 2000 Laster im Bahnhof Dresden-Friedrichstadt von den Zügen rollen. Diese hatten sie aus dem tschechischen Lovosice nach Dresden gebracht. Quelle: dpa

„Aktuell wird eine Aufgabenstellung ausgearbeitet, welche die Grundlage einer auszuschreibenden Machbarkeitsuntersuchung sein wird“, erklärt Kathleen Brühl, Sprecherin im sächsischen Verkehrsministerium. Finanziert wird die Studie vom Freistaat. Erste Er­gebnisse, so heißt es, könnten be­reits Mitte des Jahres vorliegen. Die Studie bildet praktisch die Grundlage für die Entscheidung, ob eine Rollende Landstraße eingerichtet wird.

Neben Vertretern aus dem Verkehrsministerium sind in der Ar­beitsgruppe auch Akteure von der Deutschen Bahn, der Verladewirtschaft und aus der Speditionsbranche beteiligt. Diese hätten bereits ihre Unterstützung zur Verlagerung von Transporten auf die Schiene signalisiert, erklärt Kathleen Brühl. Auch in Polen habe sich die Beteiligten „interessiert an einer Rollenden Landstraße“ gezeigt.

Erst der Zeitgewinn man die Rola attraktiv

Damit die Landstraße auf Schienen wirklich ins Rollen kommt, müssen allerdings auch die Bedingungen dafür stimmen. Schon von 1994 bis 2004 karrten Züge täglich Laster zwischen Dresden und dem tschechischen Lovosice hin und her, sollten so die Landstraßen entlasten. Doch die Verbindung kostete viel Geld, jedes Jahr mussten Millionen zugeschossen werden. Für viele Spe­ditionen war das Angebot nicht attraktiv genug – unter anderem, weil die auf Gleisen überbrückte Strecke schlicht zu kurz war.

Wohl auch deshalb plädiert die Ar­beitsgruppe „für ein die sächsischen Grenzen überschreitendes Modell mit überregionaler Bedeutung“, wie Kathleen Brühl erklärt. Wie das aussehen soll, hatten Experten be­reits vor einem Jahr bei einem Treffen auf Einladung des Dresdner Bundestagsabgeordneten Stephan Kühn (Grüne) in Bautzen erläutert.

Die Verladung auf Züge wird für Spediteure erst dann attraktiv, wenn am En­de ein Zeitgewinn steht. Und das ist der Fall, wenn der Zug lange genug unterwegs ist, der Lkw-Fahrer in der Zwischenzeit seiner Ruhezeit nachkommen kann und zu­gleich eine weite Entfernung überbrückt wird. Zwischen Görlitz und Leipzig ist das nicht zu schaffen, weshalb die Fachleute lieber gleich Relationen wie etwa von Wrocław nach Dortmund ins Auge fassen. Denn letztlich ist die A 4 in Ostsachsen auch nur Teil eines Verkehrskorridors zwischen Südpolen und den großen Nordseehäfen.

Immerhin sieht sich Sachsen bei der Infrastruktur für eine Rollende Landstraße schon gut aufgestellt. „Mit der Fertigstellung des von Sachsen mitfinanzierten zweigleisigen Ausbaus und der Elektrifizierung der niederschlesischen Ma­gistrale zwischen Knappenrode und Horka sind die infrastrukturellen Vor­aussetzungen geschaffen, um die Chancen für die Verlagerung des Transitgüterverkehrs auf die Schiene zu verbessern“, erklärt die Sprecherin des Verkehrsministeriums.

Wie viel Laster eine Rollende Landstraße tatsächlich vom sächsischen Asphalt auf die Schiene bringen und wie sehr die A 4 in Dresden und im Umland so entlastet werden kann, sei derzeit noch nicht ab­zuschätzen. „Erst nach Fertigstellung der Un­tersuchung kann eine be­lastbare Aussage darüber getroffen werden, welcher Anteil des be­stehenden Schwerverkehrs von der Straße auf die Schiene verlagert werden kann“, sagt Kathleen Brühl.

Von Sebastian Kositz

Künstler, Wissenschaftler, Sportler, Vertreter der Kirche, Aktive des World Wide Web und weitere Persönlichkeiten öffnen den DNN wieder die Türen ihres Zuhauses. Traditionell stellen wir am Ende des alten und zu Beginn des neuen Jahres interessante Menschen auch privat vor. Heute sind wir zu Gast bei Sjannie van der Loo, die in Dresden Medizin studiert.

17.01.2019

1893 – und zwar am 8. September – erschien in Dresden zum ersten Mal die Tageszeitung „Neueste Nachrichten“. Nur wenig später wurde sie in „Dresdner Neueste Nachrichten“ umbenannt. Anlässlich des Jubiläums blicken wir auf die Geschichte Dresdens, Deutschlands und der Welt zurück. Heute: das Jahr 1997.

17.01.2019

18 Millionen Euro Mehrkosten klingen nach einem Desaster. Im DNN-Interview erläutert Stesad-Geschäftsführer Axel Walther, warum der Schulcampus Pieschen so teuer wird. Das Dilemma begann schon beim Fundament.

17.01.2019