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Lokales Entdeckungstouren der etwas anderen Art durch Dresden
Dresden Lokales Entdeckungstouren der etwas anderen Art durch Dresden
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14:22 26.11.2019
In den Lahmannschen Bädern fanden die Kurgäste auf dem Weißen Hirsch Linderung. Quelle: Foto: Sammlung Böttger, aus „Dresden. Rundgänge durch die Stadtgeschichte“
Dresden

Es gibt solche und solche Stadtführungen. In Paris wird etwa eine angeboten, in der ehemalige Obdachlose die Besucher durch die französische Hauptstadt führen und ihren Blick auf die Metropole zeigen. In Stockholm wiederum ist es möglich, die Stadt bei einer Tour über die Dächer zu erkunden – schwindelfrei sollte man allerdings sein. Und in Duisburg kann man im Hafenstadtteil Ruhrort sehen, wo TV-Kommissar Schimanski seine erste Currywurst verputzte, wo er eine heiße Nacht mit der Kneipenwirtin Lilo verbrachte, und man läuft auch die Straße lang, in der Schimmi zum ersten Mal „Scheiße“ gesagt hat: damals ein mittelschwerer Skandal.

Auch bei Igeltour hat man die eine oder andere, okay, sogar ganz viele Stadtführungen der etwas anderen Art im Angebot. Anlässlich des 30. Jubiläums im Jahr 2020 gibt Igeltour nun das Buch „Dresden. Rundgänge durch die Stadtgeschichte“ heraus, wobei der Publikation drei vorangegangene Eigenpublikationen mit 15 Rundgängen zugrunde liegen. Es geht einmal mehr darum, Einheimischen wie Gästen die Stadt jenseits ausgetretener Pfade und nicht zuletzt in all ihren Widersprüchen, die eben nicht ausgespart werden, nahe zu bringen.

Eine Hochlied auf die Neustadt

Rundgang 1, verfasst von Renate Gerner, folgt den Spuren, die der Bildhauer Johannes Schilling hinterlassen hat. Was die Denkmäler angeht, hatte man irgendwie Glück. Sie blieben bei den Metallspenden in zwei Weltkriegen unangetastet und selbst die Luftangriffe 1945 machten ihnen nicht den Garaus.

So manches Detail ist recht interessant: Schillings erste Frau Louise starb früh – und er schuf eine bleibende Erinnerung, indem er der Figur des „Jungen Morgen“ in der „Vier Jahreszeiten“-Gruppe an der Brühlschen Terrasse die Züge Louises verlieh. 1888 heiratete Schilling erneut: Natalie, eine Freundin seiner Tochter Anna. Der Altersunterschied war beträchtlich, war aber nicht ungewöhnlich damals, und es wäre unangemessen, Schilling als „Sugar-Daddy“ zu bezeichnen.

Verfehlt ist es hingegen, zu schreiben, dass all die Künstler und Geistesgrößen, die ganz am Ende des Fürstenzuges abgebildet sind, schäbige Anzüge tragen würden. Das mag bei dem Schriftsteller Ludwig Renn so stehen, aber der verzapfte auch viel Unsinn. Pardon, aber Schilling, Ernst Julius Hähnel und Ludwig Richter tragen mehr oder minder jene Anzüge, wie sie damals in Mode waren und wie man sie in Künstler- und Bürgerkreisen durchaus eben so trug.

Interessant sind auch die Ausführungen Una Gieseckes über die Äußere Neustadt, gepriesen von den einen als „Dresdens heimliche Mitte“, bespöttelt von anderen als „Siff-Town“.

Manche Aussagen reizen hier und da aber auch zum Widerspruch. Beispiel: Man kann in dem Hohelied auf die alternative Szene natürlich mal eben locker schreiben, dass der Sohn und Erbe von Carl Eschebach „es vielleicht mit dem Feiern etwas übertrieben“ habe, weshalb die Villa Eschebach in den 1920er-Jahren verkauft wurde. Aber Fakt ist: Der Verkauf der Immobilie erfolgte 1924, also kurz nach der Zeit der Hyperinflation, die zuhauf Vermögen vernichtete, soweit sie die Niederlage im Ersten Weltkrieg überstanden hatten. Könnte es sein, dass Eschebach junior nicht pleite war, weil er zu viel gefeiert hatte? Die Frage steht zumindest im Raum.

Erich Kästner kämpfte gegen die „gefürchtete Hechtbande“

In Rundgang 3 geht es durchs Hechtviertel, wobei Matthias Stresow auffällig ausgiebig aus Erich Kästners Buch „Als ich ein kleiner Junge war“ zitiert. So erfährt der, der’s noch nicht wusste, dass Kästner die Königsbrücker Bande gegen die „gefürchtete Hechtbande“, „eine Horde kampflustiger Flegel aus der Hechtstraße“, unterstützte.

Wie die Äußere Neustadt war auch das Hechtviertel, benannt nach dem Revierförster August Hecht, der Anfang des 18. Jahrhunderts ganz in der Nähe einen Weinberg und zudem das Schankrecht besaß, eher ein Arbeiterviertel. Interessant Stresows Hinweis, dass es hier – anders als in Leipzig – keine hölzernen und bei entsprechendem Alter auch knarrenden Treppen in den Mietshäusern gab. In Dresden waren die Treppen aus Gründen des Brandschutzes aus Stein, ein strenges Baureglement schrieb dies auch in weniger wohlhabenden Stadtteilen vor.

In ein eher nobles Viertel führt dann Rundgang Nummer vier: Striesen. Dieses Kapitel basiert auf Ausführungen von Holger Lippert, der aber starb, so dass Alexander letzte Überarbeitungen vornahm. Die Bebauung in Striesen erfolgte gemäß einer ganzen Reihe von Bauverordnungen, die ab 1860 in Kraft traten. Sie regelten streng, dass an den Magistralen geschlossene und in allen weiteren Gebieten offene Bebauung zu errichten sei. Vorgeschrieben waren auch Zäune. Mauern, und zwar allenfalls kurze, durften lediglich an der Grenze zum Nachbargrundstück gebaut werden.

Und wer offenen Auges durch Striesen schlendert, dem wird bewusst, dass man sich vor 100 Jahren der Wirkung einer gut gestalteten Einfriedung sehr wohl bewusst war, während heute es bei Umzäunungen oft auf eine funktionale 0815-Billiglösung hinausläuft. Es ist überhaupt die Krux: In Striesen wurden viele der mit hohem Aufwand gestalteten Hausflure zerstört, weil man all die Malereien und Stuckarbeiten als altväterlichen Kitsch empfand. Heute ist man froh, dass das Dresdner Denkmalschutzamt Anfang der 1990er-Jahre die Weisung erließ, dass die noch im ursprünglichen Zustand befindlichen Striesener Hausflure zu erhalten seien.

In Striesens Gärten wurde ganz legal Stadtmüll entsorgt

Apart der Hinweis, dass beim Bauboom anno dazumal in Striesen unglaublich viel Sand verbraucht wurde. Und wie man erfährt, kamen, wenn nur noch ein Loch im Boden übrig war, die Müllkutscher und verfüllten die Grube mit Abfällen. Auch die Vertiefungen neuer Anwesen wurden, da oft kein Aushub mehr übrig war, mit Müll verfüllt. Darüber kam eine Schicht Mutterboden und aus die Maus. Bis heute bildet also ganz legal entsorgter Stadtmüll aus der Zeit ab 1880 den Untergrund vieler Striesener Vorgärten, was aber nicht ganz dramatisch ist, denn damals lebte man noch nicht im im Plaste-Zeitalter.

I Quelle: PR

Käufer bzw. Leser des ungemein informativen und reichlich mit Fotos (meist von heute, hier und da auch historischen) ausgestatteten Buches kommen noch in den Genuss von vier weiteren Stadtrundgängen, auf die hier allerdings schlichtweg aus Platzgründen nicht auch noch eingegangen werden kann. Es geht durch die Gartenstadt Hellerau, die Parks der drei Albrechtsschlösser, den Weißen Hirsch zwischen Lahmann-Park und Luisenhof sowie quer durch Loschwitz zu Ludwig Richters diversen Sommerasylen. Allen Rundgängen ist zu bescheinigen, dass nicht nur architektonische Kostbarkeiten vorgestellt werden, sondern es auch immer wieder um Menschen geht. Hier und da wird sogar die Pflanzenwelt gewürdigt, und auch kulinarische Tipps fehlen nicht.

Igeltour Dresden (Hg.): Dresden. Rundgänge durch die Stadtgeschichte. Sutton Verlag, 144 Seiten, ca. 80 Abbildungen, 19,99 Euro, ISBN: 978-3-96303-088-8

Von Christian Ruf

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