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Lokales Englischer Autor widmet sich dem Bombenangriff auf Dresden
Dresden Lokales Englischer Autor widmet sich dem Bombenangriff auf Dresden
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12:02 06.02.2020
So sah Dresden nach der Bombardierung aus.
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Dresden

„Die Bevölkerung vermutet, daß man sie auf den Arm nimmt. Sie hat sich damit abgefunden, daß es Tag und Nacht Bomben regnet, ohne jede Gegenwehr und daß die fremden Geschwader, auch tagsüber bei blauem Himmel, in Paradeformationen daherkommen. Man reißt blutige Witze. Roosevelt und Hitler, sagt man, hätten für den Rest des Krieges verbindliche Übereinkunft getroffen, daß jener die Flugzeuge und dieser den Luftraum zur Verfügung stelle“, heißt es in dem 1961 erschienenen literarischen Tagebuch „Notabene 45“, in dem Erich Kästner seine Erlebnisse im zusammenbrechenden Dritten Reich am Ende des Zweiten Weltkriegs beschreibt. Der auf Tagebuchnotizen beruhende Bericht beginnt am 7. Februar 1945 kurz vor dem verheerenden Bombenangriff auf Kästners Geburtsstadt.

Dresden war am 13. Februar nicht das einzige Bombenziel

In dem Buch „Die Nacht, als das Feuer kam“ widmet sich nun der britische Journalist und Autor Sinclair McKay ausgiebig dem Angriff auf Dresden. Im Vorwort erklärt er: „Die Stadt ist zu einer Art Totem für die Obszönität des Totalen Krieges geworden: Wie Hiroshima und Nagasaki wird ihr Name mit totaler Vernichtung in Verbindung gebracht.“ Dass die Stadt tief im Herzen des Dritten Reichs lag „und sich tatsächlich schon früh und enthusiastisch für die menschenverachtende Nazipolitik begeisterte, macht den Gordischen Knoten dieses außergewöhnlichen moralischen Dilemmas noch vertrackter“.

Adolf Hitler mit Gefolge vor dem Zwinger 1934, als er die Reichstheaterwoche in Dresden eröffnete. Hier macht er sich auf den Weg zur Aufführung der Wagner-Oper „Tristan und Isolde“. Quelle: aus „Die Nacht, als das Feuer kam“

Am Ende seines Buches greift McKay nicht zuletzt die Debatte darüber auf, ob die Bombardierung Dresdens ein Kriegsverbrechen war, während er im Vorwort wiederum u.a. fragt: „Indem wir tiefer in einzelne Schicksale eintauchen, setzen wir uns damit dem Risiko aus, einen besonders schönen Ort herauszupicken und zu idealisieren, während viele andere Dörfer und Städte in ganz Europa noch viel barbarischer traktiert wurden?“

In Archiven Dresdens zahlreiche persönliche Aufzeichnungen

Auch wenn sein Werk „teilweise eine Geschichte über die Macht des Militärs“ sei, könne man das Thema nicht rein mit Begriffen aus militärhistorischer Sicht abhandeln“. In den Archiven Dresdens stieß McKay auf zahlreiche persönliche Aufzeichnungen, die es ihm ermöglichten, die Geschehnisse der verhängnisvollen Tage und Nächte rund um den 13./14. Februar 1945 aus der Perspektive der Bewohner der Stadt zu erzählen: von Schülern, Mitgliedern der Hitlerjugend, des Dresdner Kreuzchors, Künstlern wie Otto Griebel und Wilhelm Rudolph, Musikern, aber auch des Kriegsgefangenen Kurt Vonnegut und nicht zuletzt des sich lange als Deutschen und eben nicht als Juden definierenden Dresdners Victor Klemperer. Das Ausmaß dieses Luftangriffs für die Zivilbevölkerung der Stadt wurde selten so vielstimmig, emotional und zutiefst menschlich geschildert, wie von dem Briten McKay.

Zudem zitiert er aber auch zahlreiche Piloten und Besatzungsmitglieder der britischen und amerikanischen Verbände wie Leslie Hay, der sich erinnert, dass die kriegswichtige Industrie beim Briefing „kaum der Erwähnung wert“ war, obwohl auf den Karten der Aufklärungsflugzeuge die verschiedenen Produktionsstätten rund um die Altstadt farblich markiert waren.

An Bahnhöfen zahlreiche Polizisten im Einsatz

Wie in dieser narrativen Geschichtsschreibung vermittelt wird, war Dresden in dieser Nacht nicht das einzige Ziel. Als Täuschungsmanöver wurden Angriffe auf Magdeburg, Nürnberg geflogen, um das Oberkommando der Luftwaffe zu verwirren. Auch war ein Bombardement auf ein Hydrierwerk nördlich von Leipzig geplant, an dem sich allein über 350 Bomber beteiligten. Insgesamt beorderte die Royal Air Force (RAF) in dieser Nacht laut McKay rund 1400 Flüge in den nächtlichen Himmel über Deutschland.

Es sind nicht zuletzt allerlei kleine, aber aparte Details, die das Besondere des Werks von McKay ausmachen. So erfährt man, dass es auf dem Dresdner Hauptbahnhof diverse Serviceeinrichtungen gab, darunter eine kleine Wäscherei, in der durchreisende Soldaten ihre Uniformen reinigen lassen konnten, während sie ein paar Stunden in der Stadt verbrachten. Und an den Bahnhöfen waren zahlreiche Polizisten im Einsatz, die die Verwirrung unter den unzähligen Flüchtlingen möglichst gering halten sollten.

„Eine große Stadt ist aus dem Antlitz Europas getilgt“

Auch weist der Autor darauf hin, dass die Piloten der Royal Air Force in ihren elektrisch beheizten Anzügen ein Stück Stoff mit sich führten, „dessen Mitnahme sorgfältig kalkuliert war“. Darauf war der Union Jack abgebildet, auf Russisch mit dem Satz bestickt: „I am an Englishman“. Denn falls sie abgeschossen wurden und überlebten, mussten sie ihre Identität angesichts der Sowjettruppen nachweisen können – es hatte sich herumgesprochen, dass diese, so McKay, „äußerst impulsiv und gewalttätig vorgingen“. So sehr die Sowjetunion später die Bombardierung Dresden instrumentalisieren sollte – McKay merkt an, dass Stalin, als er sich 1942 mit Churchill traf, forderte, dass britische Bomber nicht nur die deutsche Industrie, sondern auch Wohngebiete ins Visier nehmen sollten. Für die stalinistischen SED-Genossen um Sachsens Ministerpräsidenten Max Seydewitz waren mit dem Segen Moskaus später gleichwohl die Ruinen Dresdens Ansporn für den „Kampf gegen den imperialistischen Gangsterkrieg“.

Appell einer Gruppe von Mädchen, für die die Mitgliedschaft im Bund Deutscher Mädel vorgeschrieben war. Quelle: aus „Die Nacht, als das Feuer kam“

So wie Großadmiral Karl Dönitz auf deutscher Seite die U-Boot-Fahrer, so „verheizte“ Arthur „Bomber“ Harris vom britischen Bomberkommando seine Leute, weshalb er häufig auch als „Butcher“ (engl. für Metzger oder Schlächter) bezeichnet wurde. McKay vermittelt, dass nach dreißig Feindflügen die Überlebenschance für eine Crew bei gerade mal 25 Prozent lag. Und schon damals errechnete ein junger Mathematiker namens Freeman Dyson auf englischer Seite, dass eine Bomberbesatzung, die neunundzwanzig Einsätze tief in feindliches Territorium geflogen war, mit genauso hoher Wahrscheinlichkeit als orangefarbener Feuerball in der Luft enden konnte wie eine Crew, die nur aus Grünschnäbeln bestand. Einerseits flog die Angst stets mit, wie ein Überlebender notierte, andererseits gab es auch „Adrenalinjunkies“, die voller „Flakfreude“ auch noch weitermachten, wenn sie ihr Soll an Feindflügen erfüllt hatten.

Bombardierung deutscher Städte immer „widerlich“

Harris’ Ansatz, die Deutschen durch Flächenbombardements kapitulationsreif bomben zu wollen, war auf alliierter Seite sehr umstritten, aber jeder, der irgendwelche moralischen Gewissensbisse oder Zweifel über die Arbeit des Oberkommandos äußerte, gehörte für Harris zur „fünften Kolonne“, wie McKay schreibt. Die Amerikaner hatten da lange deutlich mehr Skrupel. Mit Begriffen wie „Moral Bombing“ und „Terror Bombing“ haderten sie, für sie war es lange wichtig, dass nicht zuletzt die eigene Öffentlichkeit in den USA verstand, dass die Amerikaner – wie barbarisch die Nationalsozialisten auch waren – niemals auf das moralische Niveau des Feindes herabsinken würden.

Harris musste dann überdies überaus verbittert zur Kenntnis nehmen, dass sogar Großbritanniens Premierminister Winston Churchill unterschwellig andeutete, dass die Bombardierung deutscher Städte immer als „widerlich“ anzusehen sei, selbst wenn sie in der Vergangenheit gerechtfertigt sein mochten. Auch in England, das anders als das Dritte Reich keine Diktatur war und kritische Stimmen zuließ, erhoben die Gegner von flächendeckenden Bombardements immer lauter Einspruch, angefangen vom Bischof von Chichester, George Bell, bis hin zu diversen Abgeordneten.

Im Kapitel „Die Wissenschaft vom Weltuntergang“ wird ausgiebig reflektiert, wie ab Anfang der 1920er-Jahre ethische Debatten über den Einsatz von Bomben geführt wurden. Bomben auf Zivilisten zu werfen, war lange geächtet. Selbst das NS-Regime versuchte, dem mörderischen Angriff auf die baskische Stadt Guernica 1937 im Zuge des spanischen Bürgerkriegs international einen quasilegalen Anstrich zu verpassen.

Die Realität war eine andere – und so war es auch im Fall Dresdens, zu dem der Daily Telegraph den Lesern vermittelte: „Die Katastrophe von Dresden ist ohne Beispiel... Eine große Stadt ist aus dem Antlitz Europas getilgt.“

Von Christian Ruf

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