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Lokales Endet bald die Sperrstunde in Dresdner Clubs?
Dresden Lokales Endet bald die Sperrstunde in Dresdner Clubs?
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15:58 14.12.2018
„Dass bis in die Morgenstunden getanzt wird, gehört zur Techno-Subkultur dazu.“ Quelle: Sophia Kembowski/dpa
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Dresden

Wenn es nach Christoph Töpfer ginge, würden die Bässe durch das TBA dröhnen, bis die Sonne aufgeht. Doch morgens um 5 Uhr muss er seinen Club unterm Bahnhof Neustadt schließen. Grund dafür ist die stadtweite Sperrstunde – ein Relikt aus vergangenen Zeiten, meint der Clubinhaber. Damit soll jetzt aber Schluss sein: Der Tolerave e.V., in dem neben Töpfer weitere Veranstalter aktiv sind, hat am Donnerstag eine Online-Petition gestartet, um die Sperrstunde in Dresden abzuschaffen.

Christoph Töpfer Quelle: hh

„Dass bis in die Morgenstunden getanzt wird, gehört zur Techno-Subkultur dazu. In anderen Städten ist das ganz normal“, so Töpfer. In Dresden hingegen müssen Musikclubs ihren Betrieb zwischen 5 und 6 Uhr einstellen. So sieht es das Sächsische Gaststättengesetz von 2011 vor. „Die Sperrstunde soll zwar eigentlich zur Sicherung der Nachtruhe dienen, das fällt heute jedoch in den Bereich des Bundesimmissionsschutzgesetzes – und dafür gibt es spezielle Auflagen. Die Aufhebung der Sperrzeit ist also längst überfällig“, findet Tolerave-Vorstand Sascha Möckel. Drei Monate lang will sein Verein auf Stimmfang im Netz gehen, so wie es vor einigen Monaten Gleichgesinnte in Leipzig getan haben: Der Leipziger Stadtrat hat die Sperrstunde für Clubs im Sommer komplett aufgehoben, nachdem eine Online-Petition tausende Unterstützer fand.

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Auch der Verein Tolerave kann auf politische Unterstützung bauen: Die Grünen-Stadtratsfraktion hat sich die Abschaffung der Sperrstunde auf die Fahne geschrieben und will demnächst einen entsprechenden Antrag einreichen. „Derzeit profitiert nur die Stadtverwaltung von der Sperrzeit“, bemängelt Grünen-Stadtrat Torsten Schulze. „Clubbetreiber haben zwar die Möglichkeit, einen Freibrief zu beantragen. Dieser Verwaltungsakt ist aber mit einer nicht unerheblichen Gebühr verbunden.“ Nach Angaben der Stadt erhielten 2018 insgesamt 18 Gewerbe eine Sondererlaubnis, hierfür erhob die Stadt Gebühren in Höhe von über 38.000 Euro.

„Gerade im Hinblick auf die Bewerbung Dresdens als ’Kulturhauptstadt 2025’ besteht die Chance, sich durch die Abschaffung der Sperrzeit als gastfreundliche Stadt mit einem lebendigen Nachtleben zu präsentieren“, sagt Möckel. „Dresden ist mehr als nur Barock. Die Technokultur gehört zu einer modernen Großstadt dazu, leider findet sie immer noch zu wenig Beachtung.“

Zur Petition geht’s hier.

Von Junes Semmoudi