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Lokales Ende August rollen Straßenbahnen und Autos wieder über die Bautzner Straße
Dresden Lokales Ende August rollen Straßenbahnen und Autos wieder über die Bautzner Straße
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15:30 20.07.2019
Die Bautzner Straße ist am Albertplatz eine riesige Baustelle. Weil hier ein Nadelöhr für Nah- und Individualverkehr ist, wird mit Hochdruck gebaut, um schnell fertig zu werden. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Mit lautem Rumoren wühlen sich die Baggerschaufeln in den Boden. Daneben laden Bauarbeiter Rohrelemente ab. Ein Laster bahnt sich seinen Weg. Die Bautzner Straße am Albertplatz ist Baustelle – eine, auf der mit Hochdruck gearbeitet wird.

Am 31. August sollen zwischen Rothenburger Straße und Albertplatz wieder Bahnen und Verkehr rollen können. „Das werden wir auch schaffen“, sagt Steffen Lohmann, der für die Dresdner Verkehrsbetriebe die Baustelle leitet. Trotz einiger Überraschungen liegen die Arbeiten im Plan.

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Das ist eine wichtige Nachricht. Die Bautzner Straße ist an dieser Stelle ein Nadelöhr. Jede Verzögerung trifft vor allem den Nahverkehr empfindlich. Straßenbahnen der Linie 8 und 11 fahren derzeit nicht, die Ersatzlinien 41 und 48 nehmen weite Umwege über Albert- und Marienbrücke. Bisher funktioniere das ohne größere Probleme, heißt es von den DVB.

Das schlechteste Gleisstück von Dresden

Bei den Verkehrsbetrieben sind mit Baubeginn wohl ganze Felsbrocken von den Herzen gefallen. Das Gleisstück am Albertplatz war das schlechteste im ganzen Dresdner Streckennetz. „Deswegen sind wir hier auch nur mit zehn Stundenkilometern gefahren“, sagt DVB-Vorstand Lars Seiffert. Zwei Minuten haben die Bahnen für das reichlich 200 Meter lange Stück gebraucht, künftig wird es eine halbe Minute sein.

Seit zehn Jahren drängen die Verkehrsbetriebe darauf, die Gleise in dem Abschnitt zu erneuern, 2017 gab es konkrete Pläne dazu, die jedoch Einwände vom Denkmalschutz durchkreuzt haben, wie Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) sagt. Das hat für zwei Jahre Verzögerung gesorgt. Die Verkehrsbetriebe haben damals die Gleise noch einmal geschliffen und dann gehofft, „dass Asphalt, Dreck und die blanke Gewohnheit die Gleise halten“, wie es Seiffert formuliert. Glück gehabt: Trotz rund 2,2 Millionen Überfahrten haben die 40 Jahre alten Stränge durchgehalten.

Auf einer Seite nur Geh- und Radweg

Die Gleissanierung ist allerdings nur ein Teil der Arbeiten. Derzeit werden einige Leitungen modernisiert, wobei eine Trinkwasserleitung wegen einer unvermutet dicken Fernwärmeleitung auch etwas verlegt werden muss.

Auf der Richtung Albertplatz gelegenen Straßenseite entsteht zwischen Platanen und Oberleitungsmasten ein Geh- und Radweg. Das ist ein Kompromiss mit dem Denkmalschutzamt, das Eingriffe in die seit wenigen Jahren unter Denkmalschutz stehenden Reste des Bouché-Parks von 1879 nicht zulassen wollte. Das sei eine Abkehr von der Philosophie, getrennte Radwege anzulegen, räumt Baubürgermeister Schmidt-Lamontain ein. „Aber an dieser Stelle können wir es vertreten, weil die Fußgänger meist auf der anderen Seite entlanggehen“, fügt er an. Der Geh- und Radweg erhält aus Denkmalschutzgründen auch wieder das alte Seifenpflaster. Für Radler besonders erfreulich: Zwischen Glacisstraße und Alaunstraße entsteht eine Radlerfurt mit Ampel, die das Queren der Bautzner auf dieser wichtigen Achse zwischen Albertbrücke und Alaunplatz erleichtern soll.

Großes Augenmerk wird auf den Schutz der Bäume gelegt. „Wir hatten hier jeden Tag Kontrollen der Bauökologie“, sagt Bauleiter Lohmann. Freigelegte Wurzeln wurden sofort wieder bedeckt, weshalb der Wegaufbau auch variiert. Außerdem werden die Pflanzen bewässert. Auf der gegenüberliegenden Seite werden zum Schutz der Bäume Wurzelbrücken verlegt, wo zwischen Masten und Bäumen ein Radweg mit 1,60 Metern Breite entsteht. Diese werden via Stahlfugen so mit dem Betonpflaster verbunden, dass die Oberfläche dennoch weitgehend plan bleibt.

14 Parkplätze fallen weg

Durch den Radweg verschmälert sich die Kleine Bautzner Straße, die derzeit als Umleitungsstrecke genutzt wird. Deswegen entfallen dort einige Parkplätze, weil Autos nicht mehr quer, sondern nur noch längs zur Fahrbahn parken können. Von 35 bleiben also noch 21 Stellplätze. „Wo früher die Motorhauben von Autos standen, rollen dann Fahrräder“, kommentiert das Schmidt-Lamontain.

Auch wenn die aufgewühlte Fahrbahn das derzeit nicht vermuten lässt: In zwei Wochen soll mit dem Verlegen der festen Fahrbahn für die Gleise begonnen werden. Diese werden gleich im breiteren Abstand voneinander gesetzt, so dass dort dann auch die neuen Stadtbahnwagen fahren können. Mit Verkehrsfreigabe Ende August rollen Autos und Bahnen dann wieder wie gewohnt über die Bautzner Straße.

Die Kleine Bautzner wird noch bis zum 19. Oktober umgestaltet. Das wird für die dort ansässigen Händler noch einmal eine Nervenprobe. „Am Anfang, als die Kleine Bautzner Straße für den Umleitungsverkehr vorbereitet wurde, hat das nicht so gut geplappt“, sagt Apotheker Rolf Leonhardt. Inzwischen habe man einen guten Draht zur Bauleitung gefunden.

Die Kosten für das Bauprojekt betragen 2,9 Millionen Euro. Zwei Millionen zahlen die Verkehrsbetriebe, haben dafür aber 700 000 Euro Fördermittel einwerben können. Die Stadt hat keine Fördermittel für ihren Anteil bekommen, zahlt also die 900 000 Euro komplett aus eigener Kasse.

Von Uwe Hofmann

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