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Lokales Else Ulich-Beil – Ein Leben für die Frauenbewegung
Dresden Lokales Else Ulich-Beil – Ein Leben für die Frauenbewegung
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10:36 21.02.2019
Dr. phil. Else Ulich-Beil im Alter von 34 Jahren. Quelle: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
Dresden

Gerade mal sechs Jahre ist Else Beil alt, als sie ihren Vater verliert, der als Redakteur bei einem Elberfelder Verlag beschäftigt gewesen war. Sein Tod bringt der Familie neben der Trauer auch finanzielle Sorgen, die Witwe hat keine Pensionsansprüche, Ersparnisse gibt es nicht.

Die Mutter kümmert sich aufopferungsvoll um ihre beiden Töchter

„Doch die Mutter verharrt nicht in ihrer Trauer. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihre beiden Töchter und arbeitet hart, um ihnen eine gute Schulbildung zu ermöglichen“, schildert Susanne Salzmann, Leiterin des Frauenarchivs Dresden, die ich ausführlich mit Else Ulich-Beil beschäftigt hat.

Abschlussprüfung in allen Fächern mit Auszeichnung

Else dankt es der Mutter durch großen Fleiß. Sie wird eine sehr zielstrebige Schülerin an der höheren Mädchenschule und besteht die Abschlussprüfung in allen Fächern mit Auszeichnung.

Zulassung der Mädchen zum Studium eine Frage der Zeit

In den Jahren ihrer Ausbildung in Elberfeld wird Else auch klar, dass sie studieren will: „In der Stadtbibliothek fielen mir zum erstenmal die Schriften der Frauenbewegung in die Hand. Ich entnahm ihnen, daß die Zulassung der Mädchen zum Universitätsstudium nur eine Frage der Zeit sein könne. Ich war entschlossen zu studieren und fing an, auf eigene Faust Latein zu lernen“, schreibt sie in ihrer Biografie.

Ein halbes Jahr Paris als Belohnung

Mit 17 Jahren besteht sie Ostern 1903 das Lehrerexamen mit „sehr gut“. Zur Belohnung schickt die Mutter sie ein halbes Jahr nach Paris. Archivleiterin Susanne Salzmann erläutert: „Kaum wieder in Deutschland angekommen, stellt sie sich direkt der Schulverwaltung an ihrem Heimatort zur Verfügung und wird als Vertretungslehrerin beschäftigt.“

Lebensunterhalt durch Privatunterricht verdient

Ihr großes Ziel, einmal zu studieren, verliert sie bei all dem aber nicht aus den Augen: 1905 verlässt Else den Schuldienst und bereitet sich intensiv auf das Abitur vor. Ihren Lebensunterhalt verdient sie, indem sie Privatunterricht gibt.

„Bestärkt wurde sie vermutlich in ihrem Ansinnen, da dank des Einsatzes der Frauenbewegung die Universitäten Heidelberg und Freiburg bereits seit 1904 Frauen zum Studium zugelassen haben und vier Jahre später auch sämtliche preußischen“, berichtet Susanne Salzmann.

Antrag zur Zulassung zur Reifeprüfung

Im Juli 1909 beantragt Else beim Provinzial-Schulkollegium in Koblenz die Zulassung zur Reifeprüfung. Dies wird ihr gewährt, sie legt die Prüfung mit Erfolg ab. Anschließend bewirbt sie sich um ein Stipendium, kann schon bald ihr erstes Semester in München antreten.

Else reicht Doktorarbeit ein

Am 5. August 1914 reicht Else ihre Doktorarbeit ein, nach den Semesterferien legt sie Ende September auch die mündliche Prüfung mit „summa cum laude“ ab und macht zusätzlich noch das Examen „pro facultate docendi“.

Kontakt zur Frauenbewegung

Berufserfahrungen sammelt Else an der Hochschule für Frauen in Leipzig, wo sie noch intensiver mit der Frauenbewegung in Kontakt kommt. Ein „menschlich-persönlicher Funke springt“ aber erst über, als sie im Herbst 1915 anlässlich der Feier des 50. Gründungstags des „Allgemeinen Deutschen Frauenvereins“ die Vorsitzende des Bundes Deutscher Frauenvereine, Gertrud Bäumer, „den Dank der nachfolgenden Generation“ aussprechen hört.

Besonders dieser Satz hat es ihr angetan: „Es war der moralische Mut von Frauen wie Louise Otto-Peters und Helene Lange, der gegen eine heute unvorstellbare Welt von Widerständen und Vorurteilen die Entwicklung des weiblichen Geschlechts in neue Bahnen gelenkt hat.“

Erste weibliche Regierungsrätin im Innenministerium

Und dann kommt Else Ulich-Beil, inzwischen verheiratet mit Robert Ulich, im Jahr 1920 endlich nach Dresden, wohin sie als erste weibliche Regierungsrätin für Soziales ins Innenministerium berufen wird. „Unter ihrer Leitung entstanden das Landesamt für Wohlfahrtspflege, Mütterberatungsstellen, einheitliche Ausbildungspläne und Prüfungsordnungen für die drei staatlich anerkannten Wohlfahrtsschulen“, fasst Susanne Salzmann Elses Errungenschaften für Dresden und Sachsen zusammen.

Einsatz für Belange der Frauen auch in der DDP

Parallel zu ihrer Tätigkeit als Regierungsrätin wird sie Mitglied des Sächsischen Landtags für die Deutsche Demokratische Partei (DDP), auch hier setzt sie sich für die Belange der Frauen und deren Gleichberechtigung ein.

Zahlreiche Funktionen in der Frauenbewegung

Zusätzlich übernimmt sie den zweiten Vorsitz des Staatsbürgerinnen-Verbands, dem Nachfolger des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Else 1947 Leiterin des Staatsbürgerinnen-Verbandes und ist maßgeblich an dessen Aufbau beteiligt, ab 1951 wirkt sie auch am „Council of Women“ mit und übernimmt 1952 den Vorsitz im „Deutschen Frauenring“.

Die Leiterin des Frauenarchivs Dresden würdigt die Lebensleistung von Else Ulich-Beil: „Als sie 1965 stirbt, verliert die Frauenbewegung eine großartige Frau, die die Gleichberechtigung der Frauen immer als oberstes Ziel hatte und immer ein großes Herz und Mitgefühl für ihre Mitmenschen gezeigt hat.“

Von Melanie Kunze

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