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Lokales Eleganz aus Hellerau für imperiale Ozeanriesen
Dresden Lokales Eleganz aus Hellerau für imperiale Ozeanriesen
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14:02 28.12.2018
Rauchsalon 1. Klasse auf der „Kaiser Wilhelm der Große“ um 1897. Der deutsche Ozeanriese stand noch in neobarocker Designtradition. Quelle: Library of Congress LC-DIG-ppmsca-02202
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Dresden

Sie waren der Stolz der imperialen Industrienationen: Mächtige Ozeanriesen durchpflügten Anfang des 20. Jahrhunderts die Weltmeere, gemacht aus Stahl, gefüllt mit Pomp und Technik. Seit die „Kaiser Wilhelm der Große“ im Jahr 1898 den Nordatlantik in fünf Tagen und 20 Stunden durchschifft hatte, befand sich die Siegertrophäe für die schnellste Atlantikquerung, das „Blaue Band“, fast eine Dekade lang in deutscher Hand – sehr zum Ärger der Briten. „Es stand mehr auf dem Spiel als ein Titel“, schätzt Anna Ferrari vom „Victoria & Albert“-Museum London ein. „Denn die großen Luxusliner waren Sinnbilder des Nationalstolzes und wurden als Repräsentanten des jeweiligen Landes wahrgenommen.“

Und so entspann sich ein Wettbewerb der Nationen um immer schnellere, mächtigere, schönere und prunkvollere Riesendampfer. Und einen Teil dieser Eleganz an Bord steuerten Dresdner Kunsthandwerker bei, wie im nun erschienenen Bildband „Eine Klasse für sich – Historischer Schiffsinnenausbau der Deutschen Werkstätten“ nachzulesen ist.

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Hellerauer Innendesign an Bord einstiger Riesendampfer

Dabei dominierten in der „Kaiser Wilhelm der Große“, ähnlich wie in deren britischen Pendants, damals noch der Neobarock und Historismus. Aber ab der „Kronprinzessin Cecilie“ bekamen mehr und mehr junge Architekten und Designer den Zuschlag für Innenausbauten, die einen neuen Weg einschlugen. Sie bevorzugten in den Kabinen und Gesellschaftsräumen ein schlichteres und florales Ambiente: Gestalter wie Richard Riemerschmid, Bruno Paul und Joseph Maria Olbrich, die zu den Gründern des Deutschen Werkbundes gehörten, standen für den aufkommenden Jugendstil und empfanden bereits einige Konzeptes des „Bauhauses“ vor.

Reinheit der Form, Schönheit der Linie

Ausführen ließen sie viele ihrer Entwürfe in den „Deutschen Werkstätten“ in Dresden-Hellerau. Diese Architekten und Kunsthandwerker standen für den Weg hin zu einer neuen Formsprache, über die der Werkbündler Fritz August Breuhaus de Groot später sagte: „Der überbordende Luxus früherer Zeiten, der den heutigen Menschen nicht mehr anspricht, wurde zugunsten einer Inneneinrichtung vermieden, die sich auf die Reinheit der Form, die Schönheit der Linie und die überlegene Qualität der Materialien stützt.“

Selbst in Hellerau war zuletzt vieles aus dieser glanzvollen Geschichte fast ganz in Vergessenheit geraten, als sich Geschäftsführer Fritz Straub und seine Kollegen ab 2016 daran machten, diese wichtige Nuance der Unternehmensgeschichte zu dokumentieren. „Wir wussten zwar, dass die Deutschen Werkstätten am Ausbau einiger Passagierschiffe beteiligt waren“, berichtet Straub über die Archivrecherchen. „Den Umfang und die außerordentliche Qualität der Projekte hatten wir aber unterschätzt.“ Wie sich herausstellte, hatten die Deutschen Werkstätten Hellerau und ihre Vorläufer mindestens 18 luxuriöse Ozeandampfer mit hochwertigen Inneneinrichtungen ausgestattet und auch etwa einem Dutzend Kriegsschiffen der kaiserlichen Marine innerlich ihre Handschrift verliehen. Hinzu kamen zahlreiche Projekte in der Binnenschifffahrt und später auch Reparationsumbauten – beispielsweise der „Popeda“ alias „Magdalena“ – für die Sowjetunion.

Deutsche Werkstätten (Hsg.): "Eine Klasse für sich - Historischer Schiffsinnenausbau der Deutschen Werkstätten", Sandstein-Verlag, Dresden 2018, ISBN 978-3-95498-421-3, 24 Euro Quelle: Sandstein-Verlag

Als sich Flugzeuge nach dem II. Weltkrieg zum Massenverkehrsmittel wandelten, machten sie dem Zeitalter der Ozeanriesen ein Ende. Der Protz der Oberschicht an Bord und die beengten Unterdecks für das gemeine Volk sind heute nur noch eine opernhafte Reminiszenz in Filmen wie „Titanic“. Aber bis heute gehören exquisite Schiffs-Innenausbauten zum Kernrepertoire der Deutschen Werkstätten in Hellerau – nur richten sie heute keine Gigantodampfer mehr ein, sondern die Luxusjachten der Reichen dieser Welt.

Von Heiko Weckbrodt