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Lokales Einst weltbekannte Dresdner Bobbauerin beginnt Meisterausbildung mit 60
Dresden Lokales Einst weltbekannte Dresdner Bobbauerin beginnt Meisterausbildung mit 60
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18:46 22.11.2019
Die einstige Bobbauerin Karola Bräuer hat mit Ende 50 nochmal eine ganz neue Karriere begonnen. Und sattelt nun – mit 60 – den Meister drauf. Die Federmappe hat sie von ihrem Chef geschenkt bekommen. Der 36-Jährige sitzt in der Ausbildung neben ihr. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

In ihrer Klasse sprengt sie mit 60 den Altersdurchschnitt, doch das nimmt Karola Bräuer locker. „Auch ich bin noch eine Investition in die Zukunft“, sagt die diplomierte Betriebswirtin vergnügt, wenn sie von ihrer frisch begonnenen Meisterausbildung im Gebäudereiniger-Handwerk erzählt.

Dabei lernt sie inmitten von 22- und 36-Jährigen, wie man ein Objekt kalkuliert, welche Maschinen und Anlagen die Reinigung optimieren, wie man mit Teppichen, Parkett und Fliesen umgeht, welche Tücken bei Fenstern und Heizkörpern lauern und wann welche Chemikalien sinnvoll sind.

Warum tut sie sich das an?

Warum, fragt man sich, tut sich das jemand an, der seine berufliche Karriere fast hinter sich hat? Der schon angestellt war, selbstständig, arbeitslos und auch öffentlich bedienstet – also alle Lebenslagen kennt?

Schon wegen des – im Vergleich zur Schuleinführung – enorm veränderten Zuckertüten-Inhalts habe sich die Erfahrung gelohnt, witzelt Karola Bräuer. Und fährt ernster fort: „Ich mag jede Stunde, in der ich mich weiterentwickeln kann“.

Karola Bräuer: „Der Inhalt der Zuckertüten hat sich gegenüber 1964 doch erfreulich geändert“. Quelle: privat

Das nun klingt ganz und gar nach der Frau, in deren besten Zeiten die Weltelite des Bobsports zu 70 Prozent Kufengeschosse aus ihrer Werkstatt im Dresdner Norden fuhr. Karola Bräuers gut 600 Kilo schwere Boliden haben Weltmeister und Olympiasieger weltweit über die Ziellinie der Eiskanäle gebracht.

Arbeiten „mindestens bis 100“

Doch als sie ihre Manufaktur 2013 aufgeben musste, war das keineswegs das Ende. Karola Bräuer wickelte ihr Unternehmen sauber ab, meldete sich arbeitslos und enterte nach 135 Stellen-Absagen im Juli 2015 das Jobcenter Dresden. Als sie beim Gebäudebewirtschafter „Hago Facility Management“ Langzeitarbeitslose unterbringen wollte, traf sie auf ihren jetzigen Arbeitgeber. Das war im Frühjahr 2016. Im Sommer 2017 wurde ihr unbefristeter Vertrag als Serviceleiterin eingetütet. Da war sie Ende 50 und antwortete auf die Frage ihres Chefs, wie lange sie so zu arbeiten gedenke: „Mindestens bis 100“.

Sie stürzte sich mit all ihren Fasern in den neuen Job, machte als Quereinsteigerin 2018 ihren Fachwirt für Reinigungs- und Hygienemanagement – alles getreu dem alten Motto „ganz oder gar nicht“. Für rund 50 Kunden ist sie als eine von vier Serviceleiterinnen der Dresdner Hago-Niederlassung zuständig. Die bietet Hausmeister- und Reinigungsdienste für Behörden, Firmen und kleinere Objekte an – allein in und um Dresden bis Kamenz und Riesa für insgesamt 200 Kunden.

Gebäudedienstleister Hago

Die Hago Facility Management GmbH ist 1943 in den Niederlanden gegründet worden.

Heute gehört die Firma zur deutschen Servico Holding. Die wiederum gehört zur niederländischen Vebego mit weltweit gut 35 .500 Mitarbeitern.

Servico bündelt die Kapazitäten von sechs Tochtergesellschaften, die sich auf Dienstleistungen im Gebäude- und Hotelmanagement spezialisiert haben.

In Deutschland beschäftigt Hagoinsgesamt rund 3000 Mitarbeiter.

Die Dresdner Niederlassung hat 150 Kunden in und um Dresden – bis Kamenz und Riesa. Sie beschäftigt rund 250 Mitarbeiter – überwiegend in Teilzeit.

Stillstand? Geht gar nicht

Karola Bräuer ist dafür gemacht, Dinge in die Hand zu nehmen, selber etwas möglichst zum Guten zu verändern. „Ich bin kein Theoretiker“ begründet sie ihr Interesse an Menschen, Strukturen, Objekten. Wo sie nicht gleich durchsieht, probiert sie die Abläufe selber aus, checkt Optimierungschancen, ändert, was nötig ist, wenn es den Kollegen hilft.

Die frühere Bobbauerin hat nicht gescherzt, als sie sagte, sie wolle bis 100 arbeiten. Jemanden, der mit 130 Sachen die Altenberger Bobbahnruntergesaust ist, erschreckt am Leben nichts – außer eben Stillstand. Den kann und mag sie sich nicht vorstellen.

Weil sie immer gern gelernt hat, stand sie im Frühjahr 2019 bei ihrem Chef auf der Matte und überredete ihn, sie noch einmal zur Schule zu schicken. Robert Johannes Krause, seit ihrem Kennenlernen 2016 zum Hago-Geschäftsführer für den Standort Deutschland aufgestiegen, zog klare Grenzen: „Geht – aber nur im Interesse des Unternehmens“. Die Idee mit der Ausbildung zum Meister lag nahe – die Dresdner Niederlassung braucht einen, um ausbilden zu können.

Mit dem Chef auf der Schulbank

Als es ans Ausfüllen der diversen Anträge ging – so erzählt es die einstige Unternehmerin schmunzelnd – fragte der Hago-Chef beiläufig: „Haben sie die Dokumente nochmal leer?“

Seit Mitte Oktober nun sitzt Karola Bräuer (60) neben ihrem Chef Robert Johannes Krause (36) jeden Donnerstag und Freitag von 13 bis 18 Uhr in der Schulbank bei der Gebäudereinigerinnung auf der Werdauer Straße und büffelt Theorie. Danach geht sie oft zurück ins Büro – die Arbeit muss ja weiterlaufen.

Die volkswirtschaftlichen Grundlagen dürfen die zwei übrigens schwänzen – sie sind schließlich beide studierte Betriebswirte. Ihren Meisterbrief werden sie – wenn alles gut geht – 2021 bei der Feier in der Messe entgegennehmen. Zweifel daran hält Karola Bräuer für unbegründet. Denn, um den Eingangssatz zu zitieren, sie ist schließlich eine „Investition in die Zukunft“. Und die soll sich lohnen.

Meisterfeier des Dresdner Handwerks am 23. November 2019

Das Dresdner Handwerk feiert auch in diesem Jahr die neuen Meister mit einer großen Party in der Messe. Unter dem Motto „Meister 2019. Von Grundsteinen, Meilensteinen, Edelsteinen“ erhalten am Sonnabend 275 Handwerker ihre Meisterbriefe. Die 33 Frauen und 234 Männer vertreten 26 Handwerksberufe vom Augenoptiker bis zum Zimmerer. Die Absolventen sind zwischen 20 (Bäckerin) und 56 (Gebäudereinigerin) Jahre alt.

Als Festredner wird sich Kabarettist und Schauspieler Tom Pauls der Veränderung in Gesellschaft und Sprache widmen.

Meisterfeier der Handwerkskammer Dresden am Samstag, 23. November, 10.30 - 12.30 Uhr (Einlass ab 9 Uhr) in der Messe Dresden Messering 6, 01067 Dresden

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