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Lokales Pläne für Dresdner Marienbrücke: Einseitig zu Lasten der Autofahrer
Dresden Lokales Pläne für Dresdner Marienbrücke: Einseitig zu Lasten der Autofahrer
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08:50 08.01.2019
Der gefährliche Knoten Antonstraße/Kleine Marienbrücke soll entschärft werden. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Der Bereich Stadtentwicklung und Bau von Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen) hat jetzt dem Stadtrat die Machbarkeitsstudie für die Anbindung der Geh- und Radwege auf der Marienbrücke an die Elberad- und Elbewanderwege auf Altstädter und Neustädter Seite vorgelegt.

Studie ist knapp ein Jahr alt

Die Studie stammt vom März 2018 und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Alle vorgeschlagenen Änderungen, die mit Vorteilen für den Fuß- und Radverkehr verbunden sind, gehen einseitig zu Lasten des motorisierten Individualverkehrs.

Das mit den Untersuchungen beauftragte Ingenieurbüro hat einen Kostenrahmen von rund 6,8 Millionen Euro ermittelt. Ob und wann gebaut werden kann, ist noch ungewiss. Die Verwaltung muss umfangreiche verkehrstechnische und verkehrsplanerische Untersuchungen in Auftrag geben, Studien und Vorplanungen in Angriff nehmen und schließlich die Fach- und Objektplanungen für die Genehmigungsverfahren einleiten. Vorausgesetzt, der Stadtrat stimmt den Plänen zu.

„Bevorzugung einzelner Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen“

Thomas Blümel, Geschäftsführer der Bürgerfraktion, schüttelt mit dem Kopf. „Für uns kommt eine Realisierung dieser Pläne nicht in Frage. Eine Bevorzugung von einzelnen Verkehrsarten zu Lasten anderer ist mit uns nicht zu machen.“ Blümel zeigte sich verwundert über den Aufwand, der von der Verwaltung für die 80-seitige Studie betrieben wurde. „Die Untersuchungen sollen jetzt sogar noch umfassender fortgesetzt werden. Da ist es nicht verwunderlich, dass viele Straßenbauvorhaben über Jahre liegenbleiben.“

920 Meter ohne sichere Querung der Fahrbahn: Die Marienbrücke soll mit Ampeln gesteuerte Überwege erhalten. Quelle: Jürgen-M. Schulter

Das Ingenieurbüro hat intensiv verschiedene Varianten untersucht, mit denen die Marienbrücke an die Elberadwege auf Altstädter und Neustädter Seite angebunden werden könnten. Das Ergebnis: Die meisten Möglichkeiten lassen sich nicht realisieren, weil die Bauten im Hochwasserschutzgebiet errichtet werden müssten. Aber auch die Belange des Denkmalschutzes sind insbesondere auf der Neustädter Seite betroffen, wenn fahrradtaugliche Rampen zur Marienbrücke errichtet werden sollen.

Nur drei Maßnahmen

Lediglich drei Maßnahmen lassen sich der Studie zufolge umsetzen: Der Bau eines Zweirichtungsradweges an der Magdeburger Straße zwischen Könneritzstraße und Weißeritzstraße, der Einbau einer Rampe in die Dammböschung der Devrientstraße auf der Altstädter Seite und der Bau einer Verbindungsrampe vom Neustädter Elberadweg zwischen der Eisenbahnbrücke und der Marienbrücke zur Antonstraße.

Gleichzeitig soll der gefährliche Knoten Marienbrücke/Antonstraße/Kleine Marienbrücke neu gestaltet werden. Dort ist der Winkel für Rechtsabbieger so klein, dass sie die Geschwindigkeit nicht verringern müssen. Deshalb kommt es regelmäßig zu Konflikten mit Radfahrern und Fußgängern, die sich geradeaus in die Antonstraße bewegen und Vorfahrt oder Vorrang haben. Das Ingenieurbüro empfiehlt, die Fahrbahn „abzukröpfen“. Das heißt, die Fahrspuren für die Rechtsabbieger werden so verlegt, dass ein rechter Winkel entsteht und die Kraftfahrer ihre Geschwindigkeit drosseln müssen. Zumal an der Stelle eine Ampelanlage entstehen soll, die für Radfahrer und Fußgänger eine sichere Querungsmöglichkeit für die Antonstraße bietet.

Ampeln haben Auswirkungen auf Autoverkehr

Eine Ampelanlage empfehlen die Verfasser der Studie auch an der Einmündung der Devrientstraße, damit Radfahrer und Fußgänger eine weitere sichere Möglichkeit erhalten, die Fahrbahn zu überqueren. Problem: Die drei vorgeschlagenen neuen Ampelanlagen an der Magdeburger Straße, Devrientstraße und am Knoten Antonstraße/Kleine Marienbrücke haben Auswirkungen auf den Kfz-Verkehr und natürlich auch auf den Straßenbahnverkehr. Die Ampeln sollten so geschaltet werden, dass sich die Situation für den Öffentlichen Personennahverkehr nicht verschlechtert, schlägt das Ingenieurbüro vor.

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Für den Neubau der vorgeschlagenen Rampen müsste die Landeshauptstadt Planverfahren einleiten. Der Umbau der Magdeburger Straße könnte ohne Planrechtsverfahren in Angriff genommen werden, für die Umgestaltung des Knotens Antonstraße/Kleine Marienbrücke komme eine Planbefreiung in Betracht.

Maßnahmen könnten für Entspannung sorgen

Werden die vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt, könnte sich die Situation auf der Marienbrücke für den Fußgänger- und Fahrradverkehr deutlich entspannen. Gegenwärtig wird die Elbquerung von 6000 Radfahrern genutzt. Bei einer Erhebung hat das Ingenieurbüro einen Anteil von Falschfahrern in Höhe von 15 Prozent gezählt. Dadurch komme es immer wieder zu gefährlichen Konfliktsituationen. Ursache für den hohen Falschfahreranteil sei die Tatsache, dass es zwischen der Magdeburger Straße und der Leipziger Straße auf einer Wegstrecke von 920 Metern keine sichere Querungsmöglichkeit für Fahrradfahrer und Fußgänger gibt.

Unkomfortabel für Radfahrer: Der kürzeste Weg vom Elberadweg auf die Marienbrücke auf Neustädter Elbseite führt über eine Treppe. Quelle: Dietrich Flechtner

Dass eine Verbesserung dieser Situation zu einseitigen Nachteilen für den motorisierten Verkehr führt, könne durchaus ein Ziel von städtischer Verkehrspolitik sein, bemerken die Verfasser der Studie und verweisen auf das Radverkehrskonzept, in dem die Marienbrücke mehrfach erwähnt wird.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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