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Dresden Lokales Eine Rückkehrerin gibt den Startschuss für ein neues Dresdner Gymnasium
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11:28 26.02.2019
Schulleiterin Manja Posselt bringt in Seidnitz ein neues Gymnasium an den Start. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Manja Posselt wusste bereits früh, was sie will. „Schon in der 5./6. Klasse war für mich klar, dass ich Lehrerin werde, Deutsch-Lehrerin.“ Dahinter steckte ihre Begeisterung für Literatur und das Gefühl, mit diesem Fach nah am Schüler dran zu sein.

Doch damit hatte sie schlechte Karten in Sachsen. Nach dem Abitur 1992 in Zittau begann sie ihr Lehrerstudium an der TU in Dresden. Schon in der Zeit zwischen Schule und Universität hatte sie einen Abstecher nach Finnland gemacht. Während des Studiums setzte sich das über den Erasmus-Austausch mit Oulu im Hohen Norden fort. Ihre „intensive Ausbildung“ im späteren Bildungswunderland, dem Pisa-Sieger aus dem Jahr 2000, nütze ihr aber zunächst gar nichts.

Keine Chance auf Job in Sachsen

„Ich gehörte zu der Generation, die in Sachsen keine Chance auf einen Job hatte“, erinnert sich Posselt an eine Situation, die bei den heutigen Verhältnissen paradox erscheinen muss. Doch damals gab es Personalüberhang und Schülermangel. Absolventen mit der Fächer-Kombination Deutsch-Geschichte konnten sich nur etwas anderes suchen.

Manja Posselt ging in die Ukraine. In Lutzk und Lemberg arbeitete sie für ein Lektorenprogramm der Robert-Bosch-Stiftung, lehrt Germanistik und Deutsch für Journalisten. Insgesamt war sie vier Jahre dort, obwohl es nur eins sein sollte. Sie kehrte 2003 nach Deutschland zurück, in Sachsen sah es für Lehrer noch nicht viel besser aus. So entschloss sie sich zum Wechsel nach Nordrhein-Westfalen, bekam zuerst in Bochum an einem Gymnasium einen Job, später in Duisburg. Parallel war sie in der Lehrerausbildung tätig. „Mich hat auch dort die Frage weiter beschäftigt, wie muss Schule und Unterricht gestaltet sein, damit Schüler gut lernen können, damit sie sich etwas zutrauen und soweit wie möglich angstbefreit sind.“ An der Ruhr-Universität in Bochum hatte sie einen Lehrauftrag.

Hier soll das neue Seidnitzer Gymnasium starten: Am Bertelsdorfer Weg 2. Quelle: Anja Schneider

Die vor allem bei der Lesekompetenz nicht wirklich erfreulichen Pisa-Ergebnisse lösten in NRW einen Schock aus. „Vielfalt fördern“ heißt ein Lehrerfortbildungsprojekt, mit dem gegengesteuert werden sollte. Die individuelle Förderung der Schüler rückte ganz stark in den Fokus. Auf die Aktivitäten ihrer NRW-Amtskollegin Sylvia Löhrmann von den Grünen wurde auch Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) aufmerksam, sie rief ein vergleichbares Projekt in Sachsen ins Leben und Manja Posselt kehrte mit ihrem Lebensgefährten zurück in die alte Heimat als Unterstützung für Mitarbeiter des sächsischen Bildungsinstituts, die dann sächsische Lehrer weiterbilden sollten. Dann machte sie den nächsten Schritt: Sie bewarb sich für die stellvertretende Schulleitung am Weißeritzgymnasium in Freital.

Verständnis für Unruhe in Klassenzimmern

Posselt war schon in NRW Beamte, als stellvertretende Schulleiterin konnte sie das bleiben, als sie 2017 wieder im Freistaat als Lehrerin anfängt. Seit Anfang dieses Jahres verbeamtet auch der Freistaat Sachsen erstmals in der Nachwendezeit nicht nur Führungspersonal an den Schulen, aber nur bis zu einem bestimmten Alter. „Eine Biografie wie meine zeigt die Vielschichtigkeit der Problematik. Ich kann aber die Unruhe in den Lehrerzimmern verstehen.“

Sie habe sich langsam an den hiesigen Schulbetrieb herangetastet, das Handwerkszeug für die Verwaltung und Planung einer Schule lernen wollen. Doch dann ergab sich die Möglichkeit, die sie heute ein „unfassbares Glück“ nennt – die Entwicklung einer neuen Schule als Leiterin. „Inkognito“ war sie schon 2018 beim ersten Informationselternabend für ein neues Gymnasium in Seidnitz dabei und saß unter einer Hand voll Eltern. Vor einem Jahr gab es jedoch noch keine Schulleitung und schließlich auch keine einzige Anmeldung. Die Schule, die derzeit noch LEO heißt, die Abkürzung für die Schulplanungsregion Linkselbisch-Ost, ging damals nicht an den Start.

Nun soll es im August wirklich losgehen. Der Elternabend, bei dem die 45-jährige Manja Posselt nun als Schulleiterin präsentiert werden konnte, war deutlich besser besucht. Mit drei 5. Klassen soll das Gymnasium am Berthelsdorfer Weg beginnen, mit Mobilen Raumeinheiten wird das alte DDR-Gebäude demnächst erweitert. Denn bis der endgültige Standort für das „LEO“ neben der Margon-Arena an der Bodenbacher Straße fertig ist, dürften noch mindestens fünf Jahre vergehen.

„Das Geschick der nächsten Monate“ werde es nun sein, das Konzept der neuen Schule zu entwickeln. Manja Posselt will dabei ganz stark die Eltern und die Schüler einbeziehen. „Da wäre es sehr schwierig, wenn ich mich jetzt hinstelle und sage, das ist das Konzept, da ist wirklich noch viel offen und denkbar.“ Wegen der Nähe zum Nexö-Gymnasium mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Profil soll es beim LEO ein anderer Schwerpunkt sein.

Das Thema Medienkompetenz treibt die Schulleiterin um. Zwei Bereiche hat sie dafür ausgemacht. Es geht um den Umgang mit Technik wie dem Tablet, die Fertigkeiten will sie vom ersten Tag an vermitteln. „Doch zu mindestens 50 Prozent geht es auch um Werte, wie gehe ich mit anderen um, wie schütze ich mich, wo überschreite ich Grenzen, welche Rolle spielen Medien in meiner Freizeit.“ Die Vermittlung von Werten sei ihr grundsätzlich wichtig, die Erziehung zu respektvollem Umgang miteinander, zu Empathie und vor allem zu Weltoffenheit. „Das wird für unsere Schule eine tragende Säule werden.“ Posselt denkt an Schüleraustausch und Kooperationen. Die Begegnung mit Fremdheit habe sie „nie anders als bereichernd“ empfunden, nicht zuletzt, weil es auch den Blick für das Eigene schärfe. Auch da will sie ihre Erfahrungen aus Finnland einfließen lassen.

Mythos Finnland

Doch mit dem Mythos des skandinavischen Landes räumt sie nebenbei gleich auf. Die Schulen in Deutschland und dem Land der tausend Seen seien nur schwer vergleichbar, weil die gesellschaftlichen Verhältnisse ganz andere seien. Posselt verdeutlicht das an einem simpel erscheinenden Beispiel: Die gute Lesekompetenz, die bei Pisa den finnischen Schülern stets attestiert wurde, hat viele Gründe und rührt neben der intensiven frühkindlichen Bildung auch daher, dass im finnischen Fernsehen nichts synchronisiert wird und jeder, der einen Film sieht, zum Mitlesen der Untertitel gezwungen ist. Doch es gebe auch Unterschiede im System Schule: „Wenn bemerkt wird, dass ein Schüler Defizite hat, dann springt sofort ein Fördersystem an, das ihm auf unterschiedliche Weise hilft, das grundlegende Lernziel zu erreichen.“ Dafür ist natürlich Personal nötig.

Wichtig sei in jedem Fall die Haltung. „Nehmen wir das Kind richtig wahr?“ Es gebe viele Gründe, warum Kinder nicht gut lernen und ihr Potenzial nicht entfalten könnten. Posselt: „Herauszufinden, woran es liegt, ist ganz wichtig. Gibt es Lernhürden, kann sich das Kind nicht richtig organisieren, weiß es nicht richtig, wie beispielsweise das Vokabeln lernen geht. Das herauszufinden und mit pädagogischem Sachverstand zu unterstützen, ist die Aufgabe von Schule.“

Fragen zum Gymnasium LEO können unter der E-Mail info@gymnasium-leo.de an Manja Posselt gerichtet werden. Die Anmeldung ist am 4. März von 8 bis 16 Uhr und am 5. März von 14 bis 18 Uhr am Berthelsdorfer Weg möglich.

Von Ingolf Pleil

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