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Lokales Eine Party im ecuadorianischen Dschungel
Dresden Lokales Eine Party im ecuadorianischen Dschungel
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10:56 12.10.2015
Lisa verbringt ein Jahr in tierischer Gesellschaft in einer Tierauffangstation in Ecuador. Quelle: Lisa Höntzsch
Dresden

Die Kanus haben Extraladungen verschiedener Früchte und typischer alkoholischer Getränke an unsere Anlegestelle gebracht, die wir bereits die vielen Stufen hoch auf das kleine begrünte Schulgelände neben unserer Tierauffangstation getragen haben. Der Hof ist bereits mit bunten Girlanden und Luftballons geschmückt und die neonfarbenen Kuchen stehen auf den abgenutzten Schultischen. Langsam hört man die brummenden Motorengeräusche der Kanus, die die Mitglieder der Kichwa-Gemeinde von der anderen Seite des Flusses zu uns bringen. Mit ihnen feiern wir heute eine Party.

Es ist erst vier am Nachmittag, als unsere Feierlichkeiten schon voll im Gange sind. Wir spielen Spiele wie Sackhüpfen, das man normalerweise von alljährlichen Kindergeburtstags-Feiern in Deutschland kennt. Doch sind es hier vielmehr unsere erwachsenen Gäste, die wir am schnellsten begeistern können und die kichernd und gackernd über den Schulrasen hüpfen während wir jungen Volontäre uns eher wie das Äquivalent zu den Eltern auf einem deutschen Kindergeburtstag verhalten. Es scheint als bräuchte es weitaus mehr als solch kleine Spielereien, um uns zu gleich großer Freude zu bewegen und als hätten die belustigten Kichwa-Eltern die Fähigkeit, sich bereits über simple Dinge zu freuen.

Doch genauso ist das Leben hier, es ist simpel. Jeden Morgen beginnen wir um sieben Uhr mit der Arbeit. Wir schneiden Früchte, versorgen die Tiere damit auf verschiedenen Fütterungstouren, führen Touristen im AmaZoonico herum, machen Mittagspause und üben genau dieselben Tätigkeiten am Nachmittag wieder aus. Zwischendurch machen wir zahlreiche Säuberungs- und Reparaturarbeiten und und lösen andere Probleme, die auch in unserem einfachen Alltag anfallen, bevor wir dann 18 Uhr mit allem fertig, müde und zufrieden sind. Unsere Arbeit ist nie langweilig, doch im Unterschied zu den Tätigkeiten, die man typischerweise in den westlichen Industrienationen verrichtet, ist sie körperlich, greifbar und findet im Hier und Jetzt statt. In unserer Freizeit gehen wir nicht ins Theater oder ins Schwimmbad - wir unterhalten uns oder baden im Fluss. Wir spielen nicht mit der Playstation - wir lesen ein Buch. Wir planen nicht, was nächste Woche passiert - wir kümmern uns ums Jetzt. Der Samstag endet nicht sechs Uhr Sonntagmorgen, wenn wir aus dem Club kommen. Er endet neun Uhr abends. Unsere viel vorbereitete Party geht von vier bis sieben Uhr. Danach ist es dunkel im Regenwald.

Und so merke auch ich immer mehr, wie ich kontinuierlich zurückschalte und das allwöchentliche Lesen in der Hängematte an meinem freien Tag aufregenden Ereignissen immer mehr vorziehe. Es fühlt sich immer befremdlicher an, wenn ich darüber nachdenke, wie in Deutschland das ständige Denken an morgen meinen Alltag definiert haben. Noch nie war ich so sehr in der Lage, im Moment zu leben, wie hier. Und so findet man uns nun auch kichernd, wenn wir als wöchentliches Highlight einmal alle zusammen im Fluss baden. Über solche Momente freue ich mich noch genauso sehr am nächsten Morgen, wenn ich mit meinem Buch an unserer Anlegestelle sitze und das zirpende Dschungelkonzert genieße. Ich kann mir gerade nicht vorstellen, nicht im Dschungel zu leben.

lisa höntzsch

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