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Lokales Nach dem Juwelendiebstahl: Der Kollateralschaden in der Tiefgarage
Dresden Lokales Nach dem Juwelendiebstahl: Der Kollateralschaden in der Tiefgarage
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13:26 03.12.2019
Caterina Rockau vor ihrem zerstörten Auto. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Die Tiefgarage an der Kötzschenbroder Straße gleicht am Montagmorgen einem Geisterhaus. Das Licht brennt noch an vereinzelten Stellen, an anderen geht es nur noch mit Taschenlampe. Zu hören ist nichts außer der pfeifenden Lüftung, es liegt ein beißender Rußgeruch in der Luft. Beim genauen Hinsehen sind an den schwarzen Wänden noch einige Parkplatznummern zu erkennen.

Caterina und Martin Rockau haben die Nummern 81 und 82. Zu ihrem Twingo und ihrem Ford Kombi gelangen sie nur mit nassen Füßen. Denn auf den Gängen steht noch mehrere Zentimeter hoch das Löschwasser vom 25. November, als die Juwelendiebe vom Grünen Gewölbe ihr Fluchtauto in der Tiefgarage anzündeten. Während Sachsen und der Rest der Welt seitdem um die Brillanten und Juwelen trauert, steht Familie Rockau nun ohne Auto da.

Dutzende Autos in der Tiefgarage

„Ich wusste erst gar nicht, was los war. Wir haben nur die ganzen Einsatzkräfte gesehen. Und den Rauch“, berichtet Caterina Rockau vom Morgen des 25. November. Als sie erfuhr, dass die Tiefgarage unter ihrem Wohnhaus in Brand gesteckt wurde, konnte sie es kaum glauben. „Man dachte eigentlich immer, die Tiefgarage ist der sicherste Ort und dann passiert so was.“ Die Autos der Familie stehen seit dem Brand unberührt an ihren Plätzen, überzogen mit einer dicken Rußschicht – so wie Dutzende andere Autos in der Tiefgarage an der Kötzschenbroder Straße.

Um Spuren zu vertuschen, zündeten die Diebe vom Grünen Gewölbe ihr Fluchtauto in einer Tiefgarage an. Doch nicht nur sie hatten dort geparkt. Die DNN hat sich in der Tiefgarage umgesehen.

Noch sei unklar, ob die Versicherung zahlt

„Der Twingo ist ein Totalschaden, das wissen wir schon“, sagt Caterina Rockau. „Beim Ford muss der Lack wahrscheinlich komplett erneuert werden. Und der Ruß steckt in allen Ecken des Autos. Deshalb wäre auch eine Motorwäsche nötig. Aber ein Gutachter meinte schon, dass er seine Hand nicht dafür ins Feuer legen würde, dass das Auto danach wieder läuft.“ Was die Versicherung angeht, herrscht laut Caterina Rockau aktuell noch großes Rätselraten. Da der Fall in den Bereich Vandalismus falle, sei noch unklar, ob die Versicherung zahlt. Und was den Twingo angehe, müssten sie und ihr Mann sehen, wie die Entsorgung ablaufen und was diese kosten soll. „Das steht gerade noch alles in den Sternen. Selbst wenn die Versicherung zahlt, wissen wir nicht, ob sich das dann auch rechnet. Wir hoffen einfach, dass wir am Ende mit plus minus null rausgehen und uns ein neues Auto kaufen können.“

Es gehe um mehr, als nur um den Diebstahl

Ihre beiden Autos waren für die Rockaus Bestandteil des Familienalltags. Mit dem Kombi erledigten sie Großeinkäufe, brachten ihre ein- und dreijährigen Kinder von A nach B, machten Ausflüge und fuhren in den Urlaub. „Mein Mann hatte sich den Wagen vor einigen Jahren für 14 000 Euro gebraucht gekauft, von seinem ersten eigenen Geld nach dem Studium“, erzählt Caterina Rockau. Den Twingo wollte sie für den Weg zur Arbeit nutzen, wenn ihre Elternzeit Anfang nächsten Jahres vorbei ist. Stattdessen müsse sie nun ihr Fahrrad umbauen, sodass sie die beiden Kinder auf dem Weg zur Arbeit mitnehmen kann. Bis dahin heißt es zu Fuß gehen oder mit den Öffentlichen fahren.

Doch nicht nur was die Wege betrifft, musste Familie Rockau improvisieren. Da direkt über der Tiefgarage Gasleitungen verlaufen, hätte es für die Bewohner vergangene Woche mehrere Tage keine Heizung und somit auch kein Warmwasser gegeben. „Mit Katzenwäsche und Wasserkocher haben wir das schon hinbekommen, aber irgendwie macht sich da auch keiner eine Platte drüber, wie es uns mit der ganzen Geschichte geht“, sagt die zweifache Mutter.

Über den Diebstahl im Grünen Gewölbe sind Caterina Rockau und ihr Mann durchaus traurig. Mindestens genauso traurig mache es sie allerdings, dass es in der Berichterstattung seit dem Vorfall nur um die Juwelen gehe. Der Rest werde in einem Satz abgespeist. „Die ganze letzte Woche hatten wir nur Kopfkino. Unsere Tochter hat eine ganze Nacht lang geweint und meinte, unser Auto brennt.“ Ob und wann sie ihre Autos zurückbekommen, ist unklar. „Wir kriegen das schon irgendwie gebacken“, sagt Caterina Rockau. „Aber die Leute sollten erfahren, dass es bei der ganzen Sache um mehr geht als nur den Diebstahl.“

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