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Lokales Einbruch im Grünen Gewölbe sorgt für Fassungslosigkeit in Dresden
Dresden Lokales Einbruch im Grünen Gewölbe sorgt für Fassungslosigkeit in Dresden
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09:35 26.11.2019
In Dresdens Schatzkammer Grünes Gewölbe ist am frühen Morgen eingebrochen worden. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbil
Dresden

Margot und Jürgen Ernst aus Frankfurt am Main sind einigermaßen verwirrt. Das Ehepaar wartet am Montagmorgen weit vorn in der Schlange am Eingang zum Residenzschloss. Doch nun steht da dieses Schild: „Aus organisatorischen Gründen bleibt das Residenzschloss geschlossen. Wir bitten um Verständnis. Vielen Dank.“

Was ist da los?, fragen sich die Touristen aus Hessen, als ein Trupp Polizisten im benachbarten Stallhof einen Stromverteiler unter die Lupe nimmt. „Wer hat die Schalterlaubnis?“, wollen die Beamten von einem Bauarbeiter wissen. Es riecht verbrannt auf der Schloßstraße. Am frühen Morgen hat ein Stromverteiler unter der Augustusbrücke gebrannt.

Am Seiteneingang zum Schloss steht eine Mitarbeiterin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit Tränen in den Augen. „Ich arbeite jetzt 15 Jahre hier. Dass ich das erleben muss.“ Auf dem Schlosshof an der Marienstraße parken ein großer Kleintransporter der Spurensicherung und ein kleiner Polizeibus. Einbruch im sächsischen Nationalheiligtum, im Grünen Gewölbe. Aber noch ist nicht viel davon zu merken.

Polizisten ziehen wenig später Absperrbänder um den Eingang zur Schinkelwache und markieren Zigarettenkippen als Spuren. „Hoffentlich habe ich meine Kippe da nicht hingeworfen“, meint ein Journalistenkollege. „Da kommt bestimmt gleich ein Promi“, meint ein Rentner hämisch, als er den Auflauf sieht. Als er den Grund für die vielen Kameras und Reporter erfährt, meint er mit wegwerfender Geste: „Alles ist denen wichtiger als der Schutz unserer Schätze.“

In das Grüne Gewölbe in Dresden ist ein Einbruch verübt worden. In den Ausstellungen lagern mehr als 4000 zum Teil einzigartige Exponate.

Kunstministerium Eva-Maria Stange (SPD) wird von Mitarbeitern der Kunstsammlungen am Gebäude entlang geführt. Die Frau im roten Mantel blickt betroffen. Drei Garnituren mit wertvollen Schmuckgegenständen, besetzt mit Juwelen und Brillanten, haben unbekannte Einbrecher zu großen Teilen gestohlen, erfährt sie in den Räumen. „Es ist für uns, für den Freistaat ein großer kulturpolitischer Schaden, wenn es nicht gelingt, diese Kunstgegenstände zurückzubekommen“, sagt sie anschließend. Der neben ihr stehende Innenminister Roland Wöller (CDU) findet markigere Worte, spricht von einem „Anschlag auf die kulturelle Identität aller Sachsen“ und pflichtet damit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bei, der meinte: „Hier sind nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bestohlen worden, hier sind die Sachsen bestohlen worden.“ Worte, gesprochen in die Mikrofone und Kameras ungezählter Journalisten.

Davon unbeeindruckt macht sich eine 20-köpfige Sonderkommission „Epaulette“ an die Arbeit. Im Juwelenzimmer sichern die Ermittler bis in den Abend hinein weiter Spuren. Draußen nehmen sie das Fenster genau in Blick, durch das die zwei Täter eingedrungen sein sollen.

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Dass es bei der Absperrung vor der Schinkelwache um den Standort des Fluchtautos geht, will Kripochef Volker Lange bei einer eilig am Mittag einberufenen Pressekonferenz nicht bestätigen. Man habe Spuren, Schuhabdrücke genommen, sagt er. Er legt viel Hoffnung auf die Auswertung der Videobilder von der Tat, obwohl dort „wegen der Dunkelheit nicht allzu viel zu sehen“ sei.

SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann sitzt mit auf dem Podium. „Ich bin schockiert über die Brutalität dieser Tat“, sagt sie. Man sieht es ihr an. Dahinter steckt auch die quälende Frage, welche Lücken es im Sicherheitssystem gibt. Zwei unbewaffnete Sicherheitsleute haben in der Nacht Wacht gehalten – vor Bildschirmen. Als sie darauf die Täter mit einer Axt auf die Vitrinen mit den Kostbarkeiten einhämmern sahen, griffen sie nicht selbst ein, um sich nicht zu gefährden. „Der Mensch geht vor“, sagt Ackermann.

Von Thomas Baumann-Hartwig und Uwe Hofmann

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