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Lokales Ein zufällig entdeckter Bücherschatz ist zurück in Dresden
Dresden Lokales Ein zufällig entdeckter Bücherschatz ist zurück in Dresden
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10:04 05.12.2019
Die Übergabe: Sebastian Walther, Direktor des Museums in Weißenberg, Achim Bonte, Generaldirektor der SLUB, und Jana Kocourek (v.l.).
Dresden

. Der Platz für nicht präsentierte Gegenstände im Museum Alte Pfefferküchlerei in Weißenberg ist knapp. Dicht bei dicht lagern sie im Depot auf dem Dachboden des über 350 Jahre alten Fachwerkhauses. Als Sebastian Walther vor anderthalb Jahren – gerade hatte er das Museum als neuer Leiter übernommen – dort hinaufstieg, blieb sein Blick an einem der Regale haften. Aufgereiht standen dort mehrere sehr alte Folianten.

Als er einige aufschlug, sei ihm rasch klar geworden, dass die nicht zum Bestand seines Hauses gehören können, wie er erzählt. „Wir sind ein Museum für Stadt- und Handwerksgeschichte der Region.“

Der älteste Band stammt von 1525

Bei den Wälzern jedoch handelte es sich um theologische Bücher aus der Reformationszeit. Walther schwante etwas. Er schaute im Internet-Katalog über Kriegsverluste der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) nach – und wurde prompt fündig. „Dieser Katalog macht die Nachforschungen einfach.“ Umgehend informierte er die Bibliothek in Dresden.

Jana Kocourek, verantwortlich für Handschriften und alte Drucke, fuhr in die 3000-Einwohner-Stadt zwischen Bautzen und Görlitz, nahm die Bücher unter die Lupe und war erstaunt. Neun großformatige Bände standen da vor ihr, sieben davon aus dem 16. Jahrhundert, das älteste von 1525. Eine „Kirchen-Postilla“ aus dem Jahr 1554 beispielsweise, gedruckt in Wittenberg, dem Zentrum der Reformation, Auslegungen der neutestamentlichen Briefe (Episteln) durch Martin Luther, einige verziert mit Wappen, deren Farben noch heute mit unverminderter Kraft strahlen. Eins stammt vermutlich aus der Bibliothek von Georg Fabricius, des Rektors der Fürstenschule St. Afra in Meißen.

Aufschlussreiche handschriftliche Eintragungen

„Fünf der Bücher enthalten sehr interessante handschriftliche Eintragungen“, erklärt Kocourek. Zeilen von Johannes Bugenhagen (1485-1558) beispielsweise, einem der wichtigsten Weggefährten Luthers. Dazu die Unterschrift eines Ratsherren aus Hamburg, der in Wittenberg studierte und ein solch kostbares Buch wahrscheinlich als Geschenk erhielt. „Damit können uns diese Exemplare viel über das zeitgenössische Netzwerk der Reformation erzählen.“

Traurig ist Sebastian Walther, der ehrliche Finder, schon, dass er diese Schätze nun Dresden überlassen muss – aber nur ein bisschen. Denn hier gehörten sie schließlich her. „Heute ist der Tag ihrer Heimkehr“, sagte er gestern bei ihrer Präsentation vor Journalisten.

Hoch erfreut hingegen zeigte sich SLUB-Generaldirektor Achim Bonte, der Walther als „Held des Tages“ bezeichnete und ihm ausdrücklich dankte. „Die Bücher sind prachtvoller, als wir uns vorgestellt hatten“, konstatierte er.

Sie gehören zu jenen mehr als 200 000 Bänden, Handschriften und Karten, die entweder beim Bombenangriff auf Dresden verbrannten, oder zum größeren Teil kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges verschwanden. Zuvor waren sie im Japanischen Palais, wo sich die Landesbibliothek damals befand, seit 1943 in Kisten verpackt und an andere Orte gebracht worden.

Keller und Dachböden durchsuchen!

„Gegen Ende des Krieges immer hektischer“, wie Kocourek erfahren hat. 268 Kisten landeten zunächst in Schloß Gröditz nahe Weißenberg. „38 davon kehrten nicht in die Landesbibliothek zurück.“ Die meisten seien wohl nach Russland transportiert worden.

„Aber vieles ist gar nicht bis dorthin gelangt, sondern in den insgesamt 18 Einlagerungsorten verlorengegangen“, sagt Bonte. „Die Sachsen sollten gut auf ihren Dachböden oder in ihren Kellern nachschauen“, rät er. „Gut möglich, dass sich dort noch etwas aus unseren Beständen findet.“

Doch wie kamen die Bücher nach Weißenberg? Darüber lässt sich gegenwärtig nur spekulieren. Da sie sich in derart gutem Zustand befinden, mutmaßt Kocourek: „Es sieht eher nach Rettung als nach Plünderung aus.“

Bis 1937 besaß ein Pfefferküchler das Weißenberger Haus. Alt und gebrechlich, schenkte er es der Stadt. Der Bürgermeister ließ ein Museum darin einrichten, das 1945 schloss. „Danach war es Unterkunft für Ausgebombte und Flüchtlinge“, erzählt Sebastian Walther. Erst 1961 wurde das Haus wieder Museum.

Mit Vermutungen hält sich Kocourek zurück: „Uns fehlen zu viele Puzzleteile, um die ganze Geschichte zu rekonstruieren.“

Von Tomas Gärtner

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