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Lokales Deshalb wird ein unscheinbares Wohnhaus im Preußischen Viertel wieder zum Denkmal
Dresden Lokales Deshalb wird ein unscheinbares Wohnhaus im Preußischen Viertel wieder zum Denkmal
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12:10 14.12.2018
Das 1862 errichtete Haus im Schweizer Landhausstil an der Stolpener Straße erhält seine Originalfassade mit den Sgraffiti zurück. Auch die Veranda wird restauriert und moderat modernisiert. Quelle: Genia Bleier
Dresden

Ist das Preußische Viertel in der Radeberger Vorstadt nun nach dem vorherrschenden „preußischen“, also klassizistisch anmutenden Baustil benannt? Oder doch eher nach den preußischen Beamten, die sich hier niederließen? Wie dem auch sei, die preußische Geradlinigkeit geht nicht so weit, dass jedes Haus in dem erst ab etwa 1860 bebauten Gebiet gleich aussieht. Neben noblen, mehrgeschossigen Villen wurden auch Landhäuser im Schweizer Stil errichtet, die etwas Freundlich-Verspieltes an sich haben. Das bekannteste Haus dieser Art dürfte das Kraszewski-Museum sein. Seit kurzem bekommt es nun in gewisser Weise Konkurrenz.

Originalputze sind etwas sehr Besonderes

War das „Schweizer Haus“ in der Stolpener Straße bisher fast unscheinbar zwischen seinen Nachbarn, bröckelig und mit einem verwaschenen Anstrich versehen, schält sich jetzt ein wahrer Blickfang hervor, der allgemeine Aufmerksamkeit erregt. Die privaten Bauherren Jörg Schmid und Michele Williams-Schmid leben mit ihren vier Kindern in dem um 1862 errichteten Gebäude. Diese Jahreszahl tragen die noch vorhandenen Planunterlagen der damaligen Architekten. Schon das ist nach mehrmaligen Besitzerwechseln selten und kann als Besonderheit gelten. Sie sollte noch getoppt werden.

Eine Detailaufnahme der neu angefertigten Sgraffiti. Quelle: Genia Bleier

Vor einigen Jahren hatte sich die Familie mit Hilfe des Architekten Holger Stetzler zunächst die Innensanierung vorgenommen. Jetzt seien fast alle Räume wieder auf den originalen Grundriss zurückgeführt, sagt Michele Williams-Schmid. Auch die alte Holzdielung konnte unter diversen Fußbodenschichten hervorgeholt werden. In diesem Jahr nun sollte die Fassade an die Reihe kommen. Die aber barg eine große Überraschung – für die Bauherren wie für den betreuenden Architekten.

Bei einer Putzuntersuchung wurden an mehreren Stellen Sgraffiti entdeckt. Reste eines ornamentalen Rankenwerks, ausgeführt in der im 16. Jahrhundert zur Blüte gebrachten Putzkratztechnik. Stetzler sieht diesen Fund als kleine Sensation an. In Dresden kennt man Sgraffiti speziell vom Großen Schlosshof, wo der Bild-Zierrat aufwendig neu entstanden ist, denn Originale aus der Zeit der Renaissance waren nicht vorhanden. Die Sgraffiti im Preußischen Viertel – übrigens ist es seit 1999 Denkmalschutzgebiet - haben zumindest mehr als 150 Jahre überdauert. In der Regel werde Putz nach 50 bis 80 Jahren erneuert, erklärt Stetzler. „Originalputze sind etwas sehr Besonderes, weil vieles auch aus Unkenntnis vernichtet wurde“, betont er.

Zugeständnisse vom Denkmalschutzamt

Die Bauherren jedoch fürchteten: Jetzt wird es teuer. Altes erhalten ist nicht nur ein mühseliges, sondern auch ein kostenintensives Geschäft. Umso glücklicher sind sie nun über die Bewilligung von Denkmal-Fördermitteln. Sowohl Untere als auch Obere Denkmalschutzbehörde wurden eingebunden. Diese haben eine besondere Schutzwürdigkeit attestiert. Im Familienalltag muss ein Wohnobjekt aber auch praktikabel sein und so wurden zugleich Kompromisse eingegangen.

An einem Giebel konnte der originale Putz zu 80 Prozent erhalten werden. Auch Gesimsbänder und anderer Fassadenzierrat wurden bewahrt oder wieder vervollständigt. Die Holzveranda wird derzeit noch aufgearbeitet und ergänzt. Zugleich erhält sie auf Wunsch der Bewohner eine Verglasung plus ein speziell bedrucktes Glasdach. Hierbei hat die Denkmalpflege nach Meinung von Williams-Schmid das größte Zugeständnis gemacht. Andererseits haben die Bauherren architektonische Veränderungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts, etwa den Einbau einer Hausmeisterwohnung, korrigieren lassen.

Restaurator Henry Lehmann fertigt in mühevoller Arbeit die dem Original nachempfundenen Sgraffiti an. Quelle: Stetzler Architektur

Unter mehreren Farbschichten kam auch die originale Farbgebung der Fassade zum Vorschein – ein kräftiger Ockerton. „Das war ein Schock“, gesteht Williams-Schmid. Die Hausherrin hat sich erst langsam an die auffällige Farbe gewöhnt, die ihr Heim nun wieder trägt. Aber das Markanteste sind die Sgraffiti. Die Muster aus dunklem Putz haben die Restauratoren Martin Lehmann und Henry Ewert (Freie Restauratoren Meißen) aus darüber befindlichen hellen Putzschichten herausgekratzt. Leider sei es nicht möglich gewesen, die originalen Reste freizulegen, so Lehmann. Sie sind jetzt gesichert. Für die Nachempfindung der Ornamente hat er historische Musterbücher studiert und die Planunterlagen genau gesichtet. Jetzt trägt das Landhaus im Schweizer Stil ein schickes Tattoo.

Von Genia Bleier

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