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Lokales Ein letztes Mal Stöbern im Dresdner Kaufhaus Günther
Dresden Lokales Ein letztes Mal Stöbern im Dresdner Kaufhaus Günther
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10:04 09.02.2016
Das Kaufhaus Günther war eines der wenigen privaten Verkaufseinrichtungen der DDR und lockte Menschen aus ganz Dresden und dem Umland an. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Seit 2007, rund 100 Jahre nach der Eröffnung, steht das ehemalige legendäre Kaufhaus Günther an der Pirnaer Landstraße leer. Im Erdgeschoss stapeln sich inzwischen Kisten und Geröll. Die Hülle des einst traditionsreichen DDR-Einkaufstempels im Dresdner Osten ist über die Jahre zusehends verfallen. Von dem einstigen Glanz ist heute nicht mehr viel zu erahnen.

Bevor in einigen Wochen das Gebäude auf dem rund 1,3 Hektar großen Areal abgerissen wird, öffnet das Kaufhaus Günther heute zwischen 10 und 16 Uhr ein allerletztes Mal seine Türen. Jeder kann dort in den stehengelassenen Kisten zwischen alten Rechnungsblöcken, ausgedienten Haushaltsgeräten und Etiketten stöbern – wer fündig wird, kann mitnehmen, so viel er tragen kann. Organisiert hat diese Aktion Mario Koether, der im vogtländischen Falkenstein einen Antikhandel betreibt. „Jeder kann heute vorbeikommen und sich sein eigenes kostenfreies Andenken an das Kaufhaus mit nach Hause nehmen“, so Koether. „Punkt 16 Uhr schließen sich dann die Türen wieder.“ Der Antikhändler wird heute mit zwei seiner Mitarbeiter vor Ort sein.

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Das Kaufhaus Günther war eines der wenigen privaten Verkaufseinrichtungen der DDR und lockte Menschen aus ganz Dresden und dem Umland an. Zu kaufen gab es dort begehrte Waren wie Porzellan, Eisenwaren, Spielzeug und elektrische Geräte. Die Geschichte des Hauses reicht bis ins Jahr 1902 zurück, als Otto Günther sein Haushaltswarengeschäft im Stadtteil Großzschachwitz eröffnete. Bis 2007 wurde das dreigeschossige Kaufhausgebäude durchgehend als Familienbetrieb geführt.

Das Kaufhaus Günther war eines der wenigen privaten Verkaufseinrichtungen der DDR und lockte Menschen aus ganz Dresden und dem Umland an.

Bereits 2009 plante das Unternehmen Florana KG den Neubau eines Einkaufszentrums. Schon vor Jahren wollte der Heinz Nettekoven, Chef des Projektentwicklers „Florana“ mit dem Abriss und Neubau eines zweigeschossigen Geschäfts- und Parkhauses begonnen haben. 2010 sollte an dieser Stelle das „Forum Großzschachwitz“ errichtet werden. Mehrere Millionen Euro wollte Nettekoven investieren. Die Pläne scheiterten dann allerdings an der Insolvenz der Weimarer Firma. Die neuen Investoren Atlas-Bau GmbH haben nun grünes Licht vom Bauausschuss für den Neubau im Erdgeschoss bekommen. Künftig sollen dort unter anderem eine Rewe-Filiale und ein Drogeriemarkt einziehen.

Das „Zschachwitzer Ei“ – so haben die Bewohner des Dresdner Ostens das Kaufhaus genannt, das auf der Fläche des ehemaligen Kaufhauses Günther entstehen soll. Denn der Entwurf des Braunschweiger Büros hsv-Architekten hat eine elliptische Form.

Von Juliane Weigt