Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Ein Takt für 25 Euro – Kapellsolisten im Konzert gegen Krebs
Dresden Lokales Ein Takt für 25 Euro – Kapellsolisten im Konzert gegen Krebs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:54 27.03.2019
Inge Häusler lauscht im Uniklinikum Dresden den klassischen Klängen. Quelle: Anja Schneider
Anzeige
Dresden

Aus dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT / UCC) am Dresdner Uniklinikum hallen am Freitagnachmittag barocke Klänge. Drei Musiker der Dresdner Kapellsolisten – Helmut und Susanne Branny sowie Jörg Kettmann – spielen auf der Station Auszüge aus dem Mozart-Trio. Besonders für die Patienten, die gerade ihre Chemotherapie erhalten, ist das eine willkommene Abwechslung. Doch plötzlich stoppen die Solisten mittendrin und erklären das Stück für beendet.

So könnte es auch bei dem ersten Benefizkonzert des Krebszentrums ablaufen. Dieses findet am 4. Mai in der Dresdner Annenkirche statt. Für den Abend werden aber keine Karten verkauft, sondern die 536 Takte des Frühlings und des Sommers aus den Vier Jahreszeiten von Vivaldi. Interessierte können einen Takt, und damit einen Sitzplatz, für 25 Euro erwerben. Werden nicht alle Takte verkauft, wird das Stück entsprechend lückenhaft gespielt. „Der mögliche Abbruch der Musik symbolisiert den Einschnitt einer Krebsdiagnose in den Alltag. Jeder gespielte Takt steht hingegen für Hoffnung und Lebensfreude“, erklärt Professor Martin Bornhäuser, Mitglied im Geschäftsführenden Direktorium des NCT / UCC. Das Prinzip wurde am zweiten Standort in Heidelberg entwickelt und mit dem Deutschen Fundraising-Preis ausgezeichnet.

Anzeige

Eine weitere Etage für die Forschung

Doch wozu muss das „einzige onkologische Spitzenzentrum der neuen Bundesländer“ (DNN berichteten) überhaupt Spenden sammeln? Derzeit wird ein neues Gebäude für das Krebszentrum gebaut, Richtfest wurde vor einem knappen Jahr gefeiert. Nachdem die Planungen abgeschlossen waren, kam jedoch noch der Wunsch einer weiteren Etage dazu. In dieser soll ein sogenanntes „Onco-Innovation-Lab“ entstehen, in dem Experten aus unterschiedlichen Disziplinen neue Strategien und Technologien gegen Krebs entwickeln sollen. In den restlichen Etagen des Neubaus kommen Laboratorien, ein hochmoderner Operationssaal sowie Bereiche für medikamentöse Behandlungen und Patientenstudien unter.

Der Freistaat investiert 22 Millionen Euro in den Neubau. Die zusätzliche Etage kostet weitere drei Millionen Euro und diese müssen nun noch aufgetrieben werden. Eine der drei Millionen ist schon finanziert. „Würden wir das nur mit den Takten stemmen wollen, wäre das ein sehr langes Konzert“, sagt Bornhäuser schmunzelnd. Das Benefizkonzert ist natürlich nur ein kleiner Teil, der am Ende 13 400 Euro einbringen könnte, sofern alle Takte verkauft werden. Darüber hinaus soll es am 2. Juli ein Benefizlauf im Waldpark stattfinden, bei dem Spendengelder mit Runden erlaufen werden können.

Eine Skulptur auf Zeit

Eine weitere Aktion ist bereits unterwegs, und zwar in Form einer Aphrodite-Skulptur von dem Künstler Thomas Reichstein. Spenden Einzelpersonen oder Unternehmen mindestens 300 Euro für die Forschungsetage, wird die Skulptur bei ihnen für eine bestimmte Zeit aufgestellt. Im Moment ist sie in einer onkologischen Gemeinschaftspraxis am Schillerplatz zu sehen, danach wandert sie weiter zur Sparkasse.

Nun steht aber erst einmal das Konzert im Fokus, für welches die Sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria-Stange die Schirmherrschaft inne hat. Gespielt werden an diesem 4. Mai ab 16 Uhr in der Annenkirche Werke von Georg Philipp Telemann, Kohann Sebastian Bach, Anton Reichenauer und Antonio Vivaldi. Die Takte können online erworben werden. Wer mehr Takte kaufen möchte, aber nur einen Sitzplatz benötigt, kann die gewünschte Taktzahl in der Überweisung angeben.

Überweisungsdaten und weitere Infos gibt es unter www.nct-dresden.de/takte

Von Lisa-Marie Leuteritz