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Dresden Lokales Ein Leben auf der Elbe – Ein Fährmann erzählt
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07:38 28.06.2019
Ralf May schippert die „Elbflorenz“ gekonnt von der Kleinzschachwitzer Elbseite nach Pillnitz. Quelle: Foto: Anja Schneider
Dresden

Braun gebrannt steht Ralf May an einem sonnigen Morgen im Polohemd auf der „Elbflorenz“ in Kleinzschachwitz. Das Radio läuft leise im Hintergrund, während der 56-Jährige mit einer Hand am Gashebel und der anderen Hand am Steuerrad die Fähre lässig von einem Elbufer zum anderen bugsiert. Die Routine ist dem groß gewachsenen Schiffsführer anzumerken.

Der Fluss ist das Zuhause des Fährmanns: Seit 13 Jahren bringt Ralf May Menschen, Fahrräder und Autos im Dresdner Stadtgebiet täglich über die Elbe. Eine Fahrstrecke ist je nach Wasserstand rund 100 Meter lang. Wird das auf Dauer nicht langweilig? „Eigentlich nicht. Man hat ja jeden Tag mit neuen Leuten zu tun“, erklärt Fährmann May. Fahrgäste von außerhalb holen sich gerne Tipps und Wissenswertes zu Sehenswürdigkeiten im Fährmannshäuschen ab.

Die 16 Fährleute der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) wechseln sich an den drei Fährstellen aus der Johannstadt in die Neustadt, aus Niederpoyritz nach Laubegast und aus Kleinzschachwitz bis nach Pillnitz ab. „Immer nur die gleiche Fähre – das wäre langweilig“, sagt May.

Keine Langeweile in Sicht

Aufgewachsen ist May am Ufer der Elbe in Bad Schandau, kennt den Fluss von Kindesbeinen an. In einer kurzen Phase der Arbeitslosigkeit sah der ehemalige Elektriker 2006 ein Stellenausschreibung an einer Fähre hängen. Er bewarb sich spontan, wurde genommen und absolvierte die zwei Jahre Ausbildung plus ein Jahr im praktischen Betrieb.

Längs der Elbe darf Ralf May trotz seines Patents nicht schippern. Dazu bedarf es einer weiteren Ausbildung. Deshalb bleibt es für May bei der maximal zweiminütigen Fahrt von der Fährstelle zum gegenüberliegenden Haltepunkt. „Für ein Date kann man sich hier nicht verabreden“, schmunzelt May, der dennoch verrät, dass der ein oder andere Fährmann bereits romantische Begegnungen mit Fahrgästen hatte. Aber nicht alle Passagiere sind freundlich: „Manche Leute wollen sich nichts sagen lassen und sind von vornerein auf Stunk aus“, berichtet May. Oft passiere das zum Glück nicht.

Unschöne Entdeckungen

Neben den Passagieren begegnen dem Fährmann in seinem Berufsalltag Gänse, Reiher und Biber. Doch nicht alles, was frühmorgens in der Elbe treibt, zaubert Ralf May ein Lächeln ins Gesicht: Fährmänner sind nicht selten die ersten, die den leblosen Körper eines Vermissten auf der Wasseroberfläche entdecken. Die Arbeit auf der Elbe gegen einen anderen Beruf tauschen, möchte der Fährmann trotz solcher unschönen Momente auf dem Wasser nicht: „Die Tauschsaison beginnt dann im November bei drei Grad und Nieselregen“, lacht May. Noch ungemütlicher ist das Fährmannsleben bei Hochwasser: 2013, erinnert sich der Schiffsführer zurück, hatten er und seine Kollegen alle Hände voll damit zu tun, Fähren und Anleger vor den Wassermassen in Sicherheit zu bringen.

Auf die Frage, ob er sich trotzdem vorstellen kann, bis zu seiner Pensionierung Fähre zu fahren, schweift Mays Blick über den von Sonnenstrahlen bedeckten Fluss: „Den Beruf will ich mit Sicherheit nicht mehr wechseln.“

Fehlende Fährleute

Von den 16 Fährleuten der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) sind aktuell noch zwei in der Ausbildung zum Schiffsführer. Ebenfalls zwei besitzen das Patent für die sogenannte Längsfahrt, die eine anspruchsvolle Zusatzausbildung voraussetzt. Die Ausbildung zur Fährfrau oder zum Fährmann dauert etwa zwei Jahre. Ein Schiffsführer in spe muss technische, nautische und juristische Fertigkeiten nachweisen und eine Funkprüfung ablegen. Aktuell suchen die DVB mindestens fünf Fährleute, weil in den kommenden Jahren altersbedingte Abgänge kompensiert werden müssen.

Von Aaron Wörz

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