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Dresden Lokales Die Weinkönigin und der Traum von der Besenwirtschaft
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11:17 09.03.2020
Weinkönigin Katja Böhme am Weinhang oberhalb des Zschonergrundes. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Diese Lage! Aus der Ferne grüßt der Fernsehturm. Frauenkirche, Kreuzkirche und Rathausturm lugen aus dem Elbkessel heraus. Fast meint man, das Plätschern des Zschonerbachs zu hören. Idylle und Natur. Und 2000 Weinstöcke direkt am Hang. „Alles Weißburgunder“, erklärt Winzer Mirko Böhme.

Die rechtselbischen Weinanbaugebiete Pillnitz, Radebeul oder Meißen sind bestens bekannt. Dass auch im linkselbischen Raum um Cossebaude und Merbitz Wein angebaut wird, weniger. 2011 hat Böhme mit seiner Frau Katja den kleinen Weinberg angelegt. Ein alteingesessener Winzer – Jürgen Merbitz vom Merbitzer Hof – hatte ihm die Rebrechte für einen halben Hektar übertragen. „Der Weinanbau hat ein großes Problem mit Überalterung“, sagt Böhme, „Herr Merbitz wollte frisches Blut unterstützen.“

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Lehmboden ist Fluch und Segen

44 Jahre alt ist Böhme, er hat das Durchschnittsalter in der Winzerschaft durchaus verringert. Weißburgunder hat er gepflanzt, weil die Sorte den Frost besser verträgt als andere. „Im ersten Winter habe ich mehr als zehn Prozent der Rebstöcke verloren“, erinnert er sich. Böhme ist Hobbywinzer, auch wenn das Sprichwort gilt: „Der Rebstock will seinen Winzer jeden Tag sehen.“

Der Lehmboden am Hang über dem Zschonergrund sei Fluch und Segen zugleich, sagt der Winzer. Segen, weil der Boden das Wasser speichert und Böhme selbst im extremen Sommer 2019 seine Stöcke nicht wässern musste. Fluch, weil die vielen Nährstoffe die Vegetation ankurbeln. Der Wein schießt stärker ins Kraut.

Katja Böhme ist die 32. Sächsische Weinkönigin Quelle: Dietrich Flechtner

„Wir haben einen großen Freundeskreis, der uns unterstützt“, sagt der Hobbywinzer, der wie seine Frau im Familienbetrieb seines Schwagers angestellt ist. Katja Böhme hat neben ihrer Arbeit eine andere große Verpflichtung: Sie ist die 32. Sächsische Weinkönigin. Im März ist die erste Hälfte der Amtszeit abgelaufen. „Intensiv, aber wunderschön“, sagt die 36-Jährige und schenkt ein Glas der von der Winzergenossenschaft gekelterten „Edition Zschonergrund“ aus – sehr fruchtig und fast schon lieblich.

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Guten Wein besser publik machen

Mehr als 70 Termine hat Katja Böhme seit ihrer Wahl absolviert. Und noch viel mehr liegen vor ihr, wenn sie erst zu den Jungweinproben im Frühjahr eingeladen wird. Vor wenigen Tagen erst waren die Deutschen Weinhoheiten in Sachsen zu Besuch. „Eine Königin und zwei Prinzessinnen konnten wir auf dem Weinberg begrüßen“, sagt die sächsische Weinkönigin, „wir haben uns auf Anhieb gut verstanden.“ Und die Attraktionen des sächsischen Weinanbaugebietes besucht. „Gar nicht so einfach, alles in anderthalb Tagen zu präsentieren.“

Ihre Regentschaft sieht die Weinkönigin als gute Möglichkeit, die linkselbischen Anbaugebiete stärker bekannt zu machen. Der Ortschaftsrat von Mobschütz unterstützt die junge Frau, die im Ortsteil Brabschütz wohnt, dabei tatkräftig. „Wir müssen mehr publik machen, dass bei uns guter Wein angebaut wird“, sagt Ortsvorsteher Maximilian Vörtler. Im vergangenen Jahr hat die Ortschaft eine Statue des Heiligen Urban – Schutzheiliger der Winzer und Weinreben – an den Merbitzer Bauernbergen aufstellen lassen. „Auf eigene Kosten“, wie der Ortsvorsteher betont.

Jetzt begrüßen Schilder mit dem Konterfei von Katja Böhme Fußgänger oder Autofahrer an den Ortseingängen von Brabschütz. „Heimat der 32. Sächsischen Weinkönigin“, heißt es darauf. „Wir haben allen Grund, auf unsere Weinkönigin stolz zu sein“, sagt Vörtler.

Um fünf Uhr morgens im Weinberg

Familie Böhme hat große Ziele. „Wir wollen diese wunderschöne Gegend perspektivisch mit einer Besenwirtschaft aufwerten und damit ein Ausflugsziel entwickeln“, verraten die Hobbywinzer. Es gehe auch darum, die Kulturlandschaft zu pflegen, Flächen sollten dafür nicht versiegelt werden. „Wir wollen den Leuten einen schönen Anlass bieten, aus dem Zschonergrund heraus zu wandern“, sagt Katja Böhme, „die Besenwirtschaft ist unser großer Traum.“

Bevor dieser in Erfüllung gehen kann, muss noch die eine oder andere Genehmigung beantragt werden. „Kein leichter Weg“, sagt der Ortsvorsteher, „wir stehen hinter Familie Böhme und hoffen auf die Unterstützung durch die Landeshauptstadt Dresden.“ Der Wein und die Landschaft hätten es verdient, öfter als zum Tag des offenen Weinguts präsentiert zu werden – in diesem Jahr am 27., 28. und 29. August an der Merbitzer Straße 103 (Gärtnerei Böhmes Erben).

„Man muss schon seinen inneren Schweinehund überwinden, wenn man 5 Uhr im Weinberg stehen will“, sagt Mirko Böhme, „aber wenn dann im Zschonergrund langsam die Natur erwacht und die Glocken der Briesnitzer Kirche läuten – das ist einfach nur Klasse!“

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