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Lokales Dunja Hayali liest in Dresden aus ihrem Buch „Haymatland“
Dresden Lokales Dunja Hayali liest in Dresden aus ihrem Buch „Haymatland“
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18:27 28.05.2019
Dunja Hayali war am Montag zu Gast im Haus des Buches. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Dunja Hayali hat unter den Dresdnern gewiss nicht das höchste Standing. Dass unerschrockene Verfechter der europäischen Idee hier zwangsläufig auf Gegenwind stoßen, dürfte spätestens seit der jüngsten Wahl keinen mehr überraschen. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, gastierte die ZDF-Moderatorin am Montagabend im Haus des Buches. Dort stellte Hayali ihr aktuelles Buch „Haymatland“ vor und suchte auch die Debatte mit dem Publikum.

Angst vor Werteverlust

Ganz in Schwarz gekleidet erscheint Dunja Hayali auf der kleinen Bühne. Es sei nicht ihre Aufgabe, den rund 200 Zuschauern die aktuelle Bundespolitik zu erklären, stellt sie zu Beginn ihrer Lesung klar: „Ich bin nicht Angela Merkel. Ich will nur meine Sicht der Dinge aufzeigen.“

Aus ihrer Sicht hat Hayali im Geburtslotto gewonnen. Die Fernsehmoderatorin ist 1974 in Westfalen auf die Welt gekommen, als Tochter irakischer Christen aus Mossul. Sie lebt gern in Deutschland, denn hier herrschen Offenheit, Toleranz, Respekt und Empathie vor. Allerdings sieht Hayali diese Werte durch Populismus, dumpfe Parolen und Gewalt bedroht.

Seit 2015 hat sich auch im Leben von Dunja Hayali einiges geändert: Vermehrt wird sie von Rechtspopulisten attackiert. In Dresden liest sie aus einigen Hassbriefen vor, die gespickt sind mit schlimmsten Beleidigungen. „Ich hatte nie das Gefühl, nicht deutsch zu sein. Erst als ich im Fernsehen auftauchte, begann man, mir meine Heimat abzusprechen“, erklärt Hayali.

„Die Dresdner machen ihr Ding.“

Das Buch „Haymatland“ soll aufrütteln und denjenigen Mut machen, die bereits Opfer der erwachenden „Hasskultur“ geworden sind. Weiterhin geht die Autorin den Fragen nach, die Deutschland derzeit unter Spannung setzen: Wie wird „Heimat“ definiert? Was passiert, wenn der Begriff als Chiffre für Ausgrenzung missbraucht wird? Und wie lässt sich dem Hass der Nationalisten begegnen?

Hayali findet in diesem Zusammenhang deutliche Worte für Dresden: Die Stadt sei wunderschön, allerdings habe sie ebenso ihre verschlossene Seite. „Dresden gibt sich weltoffen. Menschen, die nicht hier geboren sind, finden aber kaum Anschluss in der geschlossenen Gesellschaft“, meint sie.

Die Stadtbevölkerung beschreibt Hayali indessen als zäh: „Die Dresdner machen ihr Ding und meinen, niemanden zu brauchen, der ihnen etwas vorschreibt.“ Dennoch habe sie der Landeshauptstadt viel zu verdanken: Anfang 2018 hielt die TV-Moderatorin eine Rede zum Thema Heimat im Staatsschauspiel Dresden, die Auslöser für vertiefende Gedanken in ihrem Buch war.

Differenziert betrachtet

Ihren Anhängern gibt sich Dunja Hayali betont volksnah, sie verleiht ihrer zweieinhalbstündigen Lesung einen familiären Touch. Die bodenständige Moderatorin spricht über Kevin Kühnerts Ideen zum demokratischen Sozialismus, den Umgang mit der AfD in Talkshows – und natürlich über Heimat. Was die 44-Jährige mit dem Wort verbindet? „Freiheit, Demokratie und ein Grundgesetz, das die Würde aller Menschen für unantastbar erklärt – nicht nur die der Deutschen.“

Im weiteren Verlauf zeichnet Hayali ein differenziertes Bild von der Flüchtlingspolitik. Auf der einen Seite verteidigt die Talkmasterin die Entscheidung Angela Merkels, Geflüchtete so zahlreich aufzunehmen. Andererseits wirft Hayali der Regierung Kurzsichtigkeit vor – man habe die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkannt.

Zum Abschluss muss sich die Buchautorin einige kritische Fragen gefallen lassen, stellvertretend für die deutsche Journalisten-Riege. „Es stimmt, die Medien sind nicht unschuldig an der aufgeheizten Stimmung im Land“, meint sie, doch müsse der Journalismus ebenfalls differenzierter betrachtet werden: Nur weil mal ein schwarzes Schaf auffliegt, seien ja nicht alle Journalisten automatisch Lügner.

Das falsche Publikum

Ja, Hayali weiß, wie der konstruktive Diskurs funktioniert. „Wir brauchen endlich wieder eine vernünftige Debattenkultur“, konstatiert sie. „Viele glauben, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Aber man muss auch zuhören können.“ Ein wichtiger Appell, der im Haus des Buches allerdings seine Zielgruppe verfehlt. Das Gros der Zuhörer muss nicht mehr von den Vorzügen der gelebten Demokratie überzeugt werden – das scheinen zumindest die lauten Beifallsbekundungen zu offenbaren.

Obwohl Hayali gelegentlich den roten Faden verliert, bisweilen etwas unstrukturiert und zerstreut wirkt, fallen am Montag einige Sätze, die lange nachhallen: „Demokratie heißt nicht, dass jeder bekommt, was er will.“ „Die AfD wird die nächste große Enttäuschung für den Osten.“ Und dann schließt Hayali mit einem beachtenswerten Zitat von Jean-Paul Sartre: „Vielleicht gibt es schönere Zeiten, aber diese ist die unsere.“

Von Junes Semmoudi

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