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Lokales Drogenhöhle mit roter Laterne: Angeklagter verkaufte Stoff auch an Minderjährige
Dresden Lokales Drogenhöhle mit roter Laterne: Angeklagter verkaufte Stoff auch an Minderjährige
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09:24 16.01.2019
Symbolfoto Quelle: dpa
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Dresden

„Nachbarn hatten uns angerufen und gesagt, dass es ständig nach Cannabis riecht. Wir schauten uns in seinem Zimmer um, er war gut drauf und sicher, dass wir nichts finden“, sagte am Dienstag ein Polizeibeamter über Kambitz R. Der hatte sich allerdings zu früh gefreut, die Ermittler hatten ihn schon im Visier.

Seit Dienstag muss sich der Afghane wegen Drogenhandels vor dem Dresdner Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Cannabis, Crystal und Ecstasy-Pillen in Dresden gekauft und dann weiterverkauft zu haben. Der Angeklagte gab die Drogen auch an Minderjährige – zum Beispiel an 14- und 15-Jährige – ab, obwohl er wusste, wie alt die beiden waren.

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Der 22-Jährige verkaufte die Drogen im Stadtgebiet oder direkt in seiner Wohnung in Altreick. In seinem Fenster leuchtete stets eine rote Lampe, wenn er zu Hause und Drogen vorrätig waren. So wussten die Kunden Bescheid – Rotlichtmilieu mal anders. Die Geheimniskrämerei brachte aber nicht viel, denn seine Käufer waren weniger vorsichtig.

Käufer packen aus

Die Minderjährigen, die er ver­sorgte, rauchten „das Gras“ meist gleich. Einmal waren sie danach in einer Straßenbahn beim Schwarzgefahren erwischt worden, der Kontrolleur roch die Drogen und informierte die Polizei. Die Jungen erzählten, wer ihnen das Zeug verkauft hatte – Kambitz R. Übrigens hatten sie schon vor seiner Bekanntschaft Drogen konsumiert. Woher hatten sie das Geld dafür? Einer ist derzeit in Therapie. Der Junge ist gerade einmal 15 Jahre alt, aber schon ziemlich durch den Wind.

Ein anderer Käufer, ein junger Syrer, wurde bei einer Kontrolle an der Prager Straße erwischt, als er die gekauften Drogen weiterverticken wollte und ausgerechnet Polizisten in Zivil ansprach, ob sie nicht Marihuana kaufen wollen. Dumm gelaufen! Er wurde hochgenommen und auch er erzählte, von wem er die Dro­gen kauft. Nicht ganz geklärt werden konnte, wie oft und wann.

Kambitz R. selbst wollte sich zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft nicht äußern. Er nehme Drogen seit er in Deutschland ist und das sei seit 2015 gewesen. „Ich habe in Afghanistan als Schneider gearbeitet, bin mit meinem Bruder dann zuerst in die Türkei gegangen und dann mit der Flüchtlingswelle nach Deutschland.“ Hier lebte er in Asylunterkünften und dann in ei­genen Wohnungen in Prohlis und Altreick. Einen Integrationskurs hat er nie gemacht, einen Sprachkurs nur einen Monat besuchte. Der Prozess wird fortgesetzt.

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Von Monika Löffler