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Lokales Drewag und Enso bauen eine gemeinsame Leitstelle
Dresden Lokales Drewag und Enso bauen eine gemeinsame Leitstelle
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07:47 19.07.2019
Die bis 1994 aktive Schaltwarte im Kraftwerk Mitte ist Dresdens erste Schaltzentrale. In Reick entsteht nun bis 2021 eine neue Leitstelle nach modernsten Maßstäben. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Es riecht muffig im Treppenhaus. Die Stufen führen in einen Raum, dessen Interieur zum Großteil aus den 1930er Jahren stammt. Alte Bakelitschalter ragen aus den Wänden, in der Raummitte steht unter dem schmutzigen Glasdach ein breites Schaltpult mit rotem Telefon. Vor 80 Jahren wurde von hier, dem alten Schaltwerk am Kraftwerk Mitte, die Stromversorgung eines Großteils von Dresden geregelt. Heute hat Drewag- und Enso-Geschäftsführer Frank Brinkmann in diesen historischen Raum geladen, um einen wichtigen Baustein der Zukunftsstrategie des Unternehmens zu erläutern.

Herz der Energieversorgung

Hier steckten die Anfänge der Drewag, sagt Brinkmann. „Heutige Leitstellen haben nicht eine so ansprechende Optik. Dort gibt es Computer und viele Monitore, nicht diese vielen Schalter“, sagt Brinkmann. Sechs Leitstellen betreiben Stadtwerke Drewag und Konzernschwester Enso in Dresden und Heidenau aktuell. Sie regeln den Strom- und Gasfluss in Dresden und ganz Ostsachsen.

Künftig werde ihre Arbeit eine gemeinsame Leitstelle übernehmen, die bis 2021 für rund 24 Millionen Euro am Kraftwerk Reick entstehe. Dort schlage dann das Herz der Energieversorgung des halben Freistaats, so Brinkmann weiter.

So soll es in der neuen Leiststelle aussehen, die bis 2021 in Reick entsteht. Quelle: mauell

Die neue Leitstelle sei aus mehreren Gründen sinnvoll. Zum einen würden die bestehenden sechs alle aus unterschiedlichen Zeiten stammen und seien von unterschiedlichen Firmen ausgerüstet worden, begründet Torsten Schöley, der Herr über die neue Leitstelle. In der neuen werden nun sechs Betriebssysteme zu einem zusammengeführt. „Beim Personal werden wir Synergien haben“, sagt er. Statt 50 Mitarbeiter arbeiten künftig 40 im Schichtdienst. Es werde aber keine Entlassungen geben. „Bis 2025/26 verlassen uns 30 Prozent der Belegschaft aus Altersgründen“, sagt Wolfgang Jäger, Geschäftsführer von Drewag- und Enso-Netz. Es sei schwierig, derart qualifizierten Nachwuchs zu finden, da entspanne die Zusammenlegung die Lage.

Erneuerbare bringen Wandel

Weiterer Beweggrund für die neue Zentrale ist der technische Wandel. Man habe es durch die erneuerbaren Energien mit hunderten kleinen Erzeugern zu tun, die Wind- und Sonnenkraft nutzen. „Die müssen wir mit den Verbrauchern zusammenbringen und dazwischen genügend Puffer schaffen“, sagt Brinkmann. Es helfe dabei, große Versorgungsgebiete zu bilden. Außerdem wird die neue Leitstelle modernsten Sicherheitsstandards entsprechen, sowohl was die Cybersicherheit angeht als auch das Ausfallrisiko.

So wird der Standort in Reick von zwei unabhängigen Umspannwerken versorgt. Sollten beide ausfallen, besteht eine Notstromversorgung für wenigstens 24 Stunden. Am Kraftwerk Nossener Brücke wird außerdem in einem bestehenden Gebäude eine Ersatzleitstelle eingerichtet. Sie ist tagsüber besetzt, wird für die Aktualisierung der Netzpläne genutzt – Fachleute pflegen dort jede Baustelle mit der damit verbundenen Abschaltung ein. Sollte Reick ausfallen, übernimmt sie den 24-Stunden-Dienst. „Die Standorte wurden nach Sicherheitskriterien ausgesucht“, sagt Schöley. Es gebe weder typische Anschlagziele in der Nähe noch Schwerindustrie, die für Probleme sorgen könnte.

Neues Starter-Kraftwerk

Zur Sicherheitsstrategie gehört außerdem der Bau eines schwarzstartfähigen Kraftwerks in Reick, das nach einem großflächigen Stromausfall genutzt werden kann, die Kraftwerke wieder zum Laufen zu bringen. Bis dahin übernimmt das Pumpspeicherwerk Niederwartha als Anwerfer für das Kraftwerk Nossener Brücke diese Funktion.

2021 soll die neue Leitstelle zunächst die Verantwortung für das Stromnetz übernehmen. Es handele sich um einen sehr komplizierten Vorgang, die Funktionsweise Hunderttausender Prüfpunkte müsse zuvor kontrolliert werden, erklärt Schöley. Im selben Jahr soll dann das Gasleitungsnetz übernommen werden. Fernwärme und Trinkwasser werden 2022 folgen – jeweils nach komplizierten Prüfverfahren.

Netzstabilität als Aufgabe

In der neuen Leitstelle gibt es dann auch eine Dienstleistungsabteilung, die „im europäischen Maßstab wirkt“. Dabei geht es insbesondere um das Halten der richtigen Spannung in den Übertragungsnetzen aber auch die Betriebsführung aus der Ferne. Die Stromversorgung in ganz Europa steht vor einem Wandel, weil etwa durch starke Sonneneinstrahlung kurzfristig Überkapazitäten entstehen können, zu anderen Zeiten die Spannung zu fallen droht. Die Drewag nehmen deshalb derzeit einen Elektrodenkessel in Betrieb, der überschüssige Elektroenergie zur Fernwärmeerzeugung nutzen kann.

Bleibt die Frage, wie sich die neue, gemeinsame Leitstelle auf die geplante Fusion von Drewag und Enso auswirkt. „Wir leben in wilder Ehe, wenn beide Unternehmen fiskalisch zusammengeführt wären, wäre das der Trauschein“, sagt Brinkmann. Bedeutet: Operativ rückt man mit der neuen Leitstelle so eng zusammen wie es nur geht. Aber immer noch kauft jedes Unternehmen getrennt Strom ein, führt eigene Bücher. Die zusammenzuführen ist eine komplizierte Rechenaufgabe – und eine Steuerfrage.

Das macht eine Leitstelle

Sechs Leitstellen regeln derzeit die Versorgungsnetze in Dresden und Ostsachsen. In der größten in Heidenau wird die Stromversorgung des gesamten Enso-Gebietes geregelt. Im Jahr werden dort 80 000 Schaltungen vorgenommen. 80 bis 90 Prozent haben mit geplanten Bauarbeiten zu tun: Bestimmte Leitungen müssen außer Betrieb genommen werden, damit sie erneuert oder gewartet werden können beziehungsweise damit andere Auftraggeber freies Baufeld haben.

Der Rest sind Störungen. Störmeldungen gehen in der Leitstelle ein. Deren Behebung wird von hier aus gesteuert. Statistisch 16 Minuten ist jeder Enso-Kunde im Jahr ohne Netz, in Dresden soll der Wert ähnlich liegen.

Das Geschäft besteht schon jetzt zum Großteil daraus, viele Bildschirme im Blick zu haben und die häufig automatisierten Vorgänge zu überwachen. Mit der Inbetriebnahme der neuen Leitstelle in Reick gehen die bestehenden vom Netz. Für alle Standorte gebe es eine Nachnutzung, so die Drewag.

Von Uwe Hofmann

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