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Lokales Drewag baut einen begehbaren Elbtunnel
Dresden Lokales Drewag baut einen begehbaren Elbtunnel
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16:46 08.05.2019
Unterhalb vom Kongresszentrum laufen die Arbeiten an der Trasse. Die Leitung wird von der Semperoper bis zum Volksfestgelände verlegt. Quelle: Anja Schneider
Dresden

21 Meter unter der Oberfläche gräbt sich die Bohrmaschine durchs Erdreich. Hinter ihr werden Stahlrohre mit einem Außendurchmesser von 3,20 Metern in die frisch geschnittene Röhre gepresst – auf diese Weise entsteht ein 240 Meter langer Tunnel unter der Elbe. „Das ist unser Leuchtturmprojekt“, sagt Norbert Gassel über den Elbdüker, der vom Volksfestgelände bis zur Hafencity den ersten begehbaren Elbtunnel schafft. Der Ingenieur ist bei der Drewag Netz für die seit 2017 laufende Fernwärmeerschließung in Pieschen Projektleiter. Im 41-Millionen-Euro-Projekt ist der neun Millionen Euro teure Elbtunnel das Herzstück.

Auf der Bürgerstraße in Pieschen enden die Straßenbahngleise derzeit im nichts. Grund sind Fernwärmeleitungsarbeiten... Quelle: Anja Schneider

Darum geht es

Seit einigen Jahren bauen die Stadtwerke über ihre Tochter Drewag Netz das Fernwärmenetz im rechtselbischen Dresden aus. 2012/13 wurden große Teile von Klotzsche angeschlossen, danach kam das Hechtviertel an die Reihe. Seit zwei Jahren wird nun in Pieschen gearbeitet. „Das ist für die Anwohner sehr schwierig, weil wir sehr viele Baustellen auf engem Raum haben“, sagt Gassel. Auch technologisch ist es eine Herausforderung. Unter der Leipziger Straße wurde schon eine Tunnelröhre hindurchgedrückt, derzeit wird die neue Haupttrasse durch die Torgauer Straße gezogen, weshalb auch deren Kreuzung mit der Bürgerstraße voll gesperrt ist. Der Netzausbau soll einerseits neue Fernwärmekunden für die Drewag gewinnen – derzeit wird mit 125 neuen Abnehmern gerechnet. Das sind meist Mehrfamilienhäuser, aber auch Großkunden wie die Hafencity oder der Schulcampus Gehestraße. Weil dadurch alte Heizkessel verschwinden, können andererseits jährlich 3200 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden, rechnet Gassel vor. Dafür gibt es Fördergeld von der EU (7,1 Millionen Euro) und der Stadt (1,8 Millionen Euro). Das Projekt läuft bis 2020, Hauptaugenmerk in diesem Jahr liegt darauf, die neue Haupttrasse bis zum Heizkraftwerk Mickten am Sachsenbad zu ziehen, 2020 konzentriert man sich dann ganz auf den Düker.

...auf der Torgauer Straße, die die Bürgerstraße kreuzt. Dort wird die neue Haupttrasse verlegt. Quelle: Anja Schneider

Darum ist der Elbtunnel nötig

Derzeit werden die Kraftwerke Nossener Brücke und Reick, wo die Drewag die Fernwärme erzeugt, nur über einen Strang mit den Abnehmern auf der rechtselbischen Seite verbunden. Diese Trasse verläuft in der Carolabrücke und kommt mit dem fortschreitenden Ausbau des Fernwärmenetzes auf Neustädter Seite mehr und mehr an ihre Kapazitätsgrenze, wie Ulrich Fürst sagt. Der Ingenieur hat die Bauleitung für den neuen Elbdüker. Man habe geprüft, in andere Brücken eine Fernwärmeleitung zu legen, technologisch sei das jedoch nicht möglich. Deshalb wird der Elbtunnel gebaut. Die Arbeiten daran beginnen ab Juni auf dem Volksfestgelände. Gleichzeitig wird eine neue Trasse vom Probenhaus der Semperoper quer unter dem Terrassenufer hindurch und dann teils über den Elberadweg und die Elbwiesen zu dem etwa 50 bis 60 Meter großen Baugelände auf dem Volksfestgelände gezogen. Weihnachtscircus und Rummel können trotzdem stattfinden, müssen aber mit Einschränkungen leben.

So wird der Tunnel gebaut

Zunächst entsteht die Startgrube für die Bohrmaschine im sogenannten Senkkasten-Verfahren. Dabei wird zunächst Boden durch Bohrungen ausgetauscht, so dass verlässliche Bodenverhältnisse entstehen. Dann kommen 1,50 Meter hohe und mit Stahl verkleidete Stahlbetonschneiden auf den Grund, auf die 1,50 Meter dicke und neun Meter hohe Stahlbetonwände gesetzt werden. Anschließend wird im Inneren dieses Betonrechtecks der Boden ausgegraben – und der gesamte Kasten senkt sich ins Erdreich. Die ganzen 21,5 Meter Bodentiefe will man auf diese Weise erreichen. Anschließend wird mit Unterwasserbeton eine Bodenplatte gelegt und das Grundwasser herausgepumpt – fertig ist die Startgrube. Dann beginnen im Frühjahr 2020 die Bohrarbeiten. Dafür erhält die Startgrube mehr als vier Meter hohe Wände, die im Hochwasserfall ein Eindringen von Elbwasser verhindern sollen. Ist der Tunnel fertig sollen dann nur noch in Bänken versteckte Belüftungsanlagen und das Zugangsbauwerk für Wartungsarbeiten auf dem Volksfestgelände verraten, dass es dort in die Tiefe geht. Auf gleiche Weise wird mit der Zielgrube an der Hafencity verfahren. Ist die Bohrmaschine im November 2020 dort angekommen, wird sie zerlegt und abtransportiert. Im Tunnel werden zwei Fernwärmeleitungen für Vor- und Rücklauf sowie ein Wartungsgang angelegt.

Die Grafik zeigt, wie weit der Fernwärmeausbau in Pieschen schon vorangeschritten ist – und was noch geplant ist.. Quelle: Drewag

Das passiert in Pieschen

In Pieschen laufen die Arbeiten bis Sommer auf Hochtouren. Derzeit befindet man sich beim Ausbau so in etwa in der Halbzeit: 4,1 von 10,5 neuen Streckenkilometern sind fertig, weitere zwei Kilometer im Bau. Außerdem werden gleichzeitig 5,4 Kilometer neue Trinkwasser- sowie Stromleitungen verlegt. Einige Pflasterstrecken, etwa die Mohnstraße und die Riesaer Straße, erhalten zudem eine Asphaltdecke, sobald die Fernwärmeleitung liegt. Wie der Elbdüker soll die Erschließung Ende 2020 beendet sein. Bis 2025 entstehen dann noch kleinere Leitungen und Hausanschlüsse, die jedoch keine Vollsperrungen mehr bedingen, wie Projektleiter Gassel sagt.

Nachdem es große Beschwerden vor allem über entfallene Parkplätze gibt, müht sich die Drewag um Ersatz. So wurde ein Grundstück an der Riesaer/Heidestraße gesichert, das bis Mitte nächster Woche als Parkplatz hergerichtet sein soll. Zu drei weiteren Interimsparkplätzen laufen laut Drewag die Gespräche.

Nach 2020 ist es erklärtes Ziel, die neue Fernwärmehaupttrasse weiter in Richtung Flutrinne zu treiben, wo derzeit ein neues Stadtviertel entsteht. Dazu soll unter der Leipziger Straße auf Höhe der Wurzener/Lommatzscher Straße eine Leitung durchgedrückt werden – so wie bereits auf höhe Gothaer Straße geschehen. Noch ist unklar, ob das wie geplant 2020 geschehen kann, weil zur gleichen Zeit der Ausbau der Großenhainer Straße in zwei längeren Abschnitten beginnen soll. Man könne noch nicht sagen, ob gleichzeitige Sperrungen auf der Großenhainer und der Lommatzscher Straße verkehrlich machbar sind, meint Gassel.

Von Uwe Hofmann

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