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Lokales Dresdner entwickeln rein pflanzlichen Biodünger für Hobby-Gärtner
Dresden Lokales Dresdner entwickeln rein pflanzlichen Biodünger für Hobby-Gärtner
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18:33 12.06.2019
Die Firmenchefs Torsten Mick (l.) und Simon Scheffler übernehmen das Abfüllen und Versenden persönlich. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Im November 2017 gründeten Simon Scheffler, Torsten Mick und Beate Wunderlich die Firma „Grünerdüngen“ – eineinhalb Jahre später treffen wir sie in ihrer kleinen Manufaktur im Dresdner Stadtteil Niedersedlitz, inmitten von Eimern, Säcken, Tüten und Kisten voll mit ihrem selbst entwickelten Kleedünger.

Auf den ersten Blick sehen die schmalen Stäbchen aus wie Tierfutter. Auch wenn der Dünger letztendlich nicht als solches gedacht ist, hat die Idee genau dort ihren Ursprung. „Klee steht im ökologischen Landbau in der Fruchtfolge. Früher haben die Tiere den Klee abgefressen und der Mist wurde später als Dünger wieder aufs Feld gebracht. Dieser Kreislauf findet so heute nicht mehr statt“, erklärt Scheffler. Heute wird Klee zwar nach wie vor angebaut, steht dann aber meist mehrere Jahre, um den Boden aufzubauen und wird nicht von Tieren gefressen.

Alles drin, was die Pflanze braucht

Scheffler und sein Forschungsteam haben sich deshalb auf die Suche nach einer Möglichkeit gemacht, wie der Klee sinnvoll verwendet werden kann. Der Vorteil von Klee ist, dass er molekularen Stickstoff und andere Nährstoffe mittels Knöllchenbakterien binden kann. Diese speziellen Bakterien sitzen an den Wurzeln der Pflanze. Vier Jahre lang führten die Firmengründer Versuche auf dem Feld und im Labor durch, um am Ende die optimale Zusammensetzung zu finden. Das Ziel war, einen Dünger zu entwickeln, der ohne Schlachtabfälle und Reststoffe aus der konventionellen Landwirtschaft auskommt. Dann darf er nämlich auch im Öko-Landbau verwendet werden.

Inzwischen sind die Forschungen abgeschlossen, das Unternehmen gegründet und der Kleedünger steht in den Regalen regionaler Biomärkte. Der Klee wird bei Landwirten aus Dresden und Oschatz eingekauft, anschließend getrocknet und pelletiert. Das Verpacken und Versenden übernehmen die Firmengründer persönlich. Bei der Verpackung wird darauf geachtet, so nachhaltig wie möglich zu sein. Der Dünger ist somit auch nicht in Plastik verpackt.

Kleedünger fast überall einsetzbar

Die Pellets setzen sich aus Stickstoff (3,5 Prozent N-Gesamtstickstoff), Kalium (3,4 Prozent K2O-Kaliumoxid) und Phosphor (0,8 Prozent P2O5-Gesamtphosphat) zusammen, sind zu 100 Prozent natürlich und ungiftig. Außerdem enthalten sie basisch wirksames Calciumoxid (1,7 Prozent), Magnesiumoxid (0,35 Prozent) und Schwefel (0,3 Prozent) sowie Spurenelemente. Hobbygärtner können ihre Tomaten, Zucchini, Erdbeeren und anderen Obst- und Gemüsesorten damit düngen. Nur bei Pflanzen, die selbst Stickstoff produzieren, wie die Bohne, sollte der Kleedünger nicht zum Einsatz kommen.

Bio, nachhaltig und einfach anzuwenden: Der Kleedünger wird einfach in die Erde gesteckt und in den Boden eingearbeitet. Quelle: Dietrich Flechtner

Die Pellets sollten bestenfalls drei bis vier Tage vor dem Aussäen in den Boden eingearbeitet werden. Dort quellen sie auf und entfalten ihre Wirkung. Wie Scheffler erklärt, sollte man lediglich bei Pflanzen, die einen sauren Boden bevorzugen, vorsichtig sein, denn der Kleedünger ist eher basisch. Ansonsten kann er bei Hochbeeten, Balkonkästen, Erdbeerampeln und auch bei Zimmerpflanzen eingesetzt werden. Wer Kompost hat, kann diesen auch verwenden. „Überdüngen kann man nicht. Nicht alle Stoffe werden direkt freigesetzt. Vieles bleibt im Boden und es baut sich sozusagen ein Kapital auf“, sagt Scheffler.

Der kleine Betrieb in Niedersedlitz soll in dieser Form vorerst weiter bestehen. Um ihre Qualitätsansprüche zu wahren, packen Agrarwirt Torsten Mick und Gartenbauer Simon Scheffler weiterhin jede Kiste und jeden Sack selbst ab, bevor der Kleedünger auf den Beeten der Hobbygärtner landet. Interessierte können sich den Dünger zur Langen Nacht der Wissenschaften genauer anschauen.

Grünes zur Langen Nacht der Wissenschaften

Technische Universität Dresden – Institut für Naturstofftechnik, Bergstraße 12018 bis 23 Uhr: Gläserne Algenmanufaktur, Technische Nutzung von Photosynthese, Einblicke in Bioreaktoren und Zellfabriken (Experiment)18 bis 23 Uhr: Die Wunderwelt der Pilze, Einblicke in traditionelle Nutzung der Pilze (Mitmachen und Selbermachen)

Technische Universität Dresden – Biologische Institute, Zellescher Weg 20b18 bis 19.30 Uhr. Das Immunsystem der Pflanzen – Pflanzenschutz in Zeiten von Genome Editing und Co. (Vortrag)18.30 bis 22 Uhr: Die Geschichte der Botanik in Dresden (Führung)

Technische Universität Dresden, Institut für Katholische Theologie, August-Böckstiegel-Straße 218 bis 20 Uhr: Die Pflanzen der Bibel entdecken, biblisch-vegetarische Reise (Führung)

Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, Hörsaalzentrum, Bergstraße 6419 bis 20 Uhr: meinGrün – Wo gehts ins Grüne?, mithilfe einer WebApp soll Stadtgrün neu entdeckt werden (Vortrag)21 bis 22 Uhr: Kleinbiotope in Prohlis – biologische Vielfalt in Dresden (Vortrag)

Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, Hochschulbibliothek, Andreas-Schubert-Straße 818-23 Uhr: Düngen ist richtig und wichtig! Der erste zertifizierte Bio-Dünger für Tomate und Co., HTW-Start-up „grünerdüngen GmbH“ stellt sich vor

Grünes Forum Pillnitz, Pillnitzer Platz 118 bis 23 Uhr: Blattläuse leben gefährlich (Präsentation)18 bis 23 Uhr: Happy Bee, Einblicke in Bienenhaltung und Bienenerkrankungen (Präsentation)18 bis 19 Uhr: Alten Flieder neu beleben, Geschichten rund um den Pillnitzer Flieder (Führung)20.30 Uhr: Partnersuche bei Kirschen – Wie werden Kirschen erfolgreich befruchtet? (Vortrag)

Von Lisa-Marie Leuteritz

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