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Lokales Dresdner Weihnachtsmärkte sollen nicht mehr mit Betonklötzen verschandelt werden
Dresden Lokales Dresdner Weihnachtsmärkte sollen nicht mehr mit Betonklötzen verschandelt werden
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17:01 06.12.2019
Zehn Tonnen schwere Blumenkübel, wie sie zurzeit neben der Kreuzkirche stehen, könnten nach dieser Visualisierung des Radeberger Unternehmens Vowisol künftig die unansehnlichen Absperrungen an der Wilsdruffer Straße ersetzen. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Die unansehnlichen Betonsperren rund um den Striezelmarkt und weitere Weihnachtsmärkte sollen künftig nicht mehr zum Stadtbild gehören. Um trotzdem eine angemessene Terrorprävention zu gewährleisten, sucht man im Rathaus nach Lösungen und will dabei regionale Partner einbinden.

Zwei Unternehmen präsentieren derzeit testweise ihre Produkte rund um den Striezelmarkt. Die Sicherheit auf den Dresdner Weihnachtsmärkten habe oberste Priorität, sagte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Trotzdem sollten die Dresdner und ihre Gäste möglichst ohne Einschränkungen in einem ansprechenden Ambiente die Angebote genießen können.

Pilotprojekt mit zwei regionalen Anbietern

Wie so etwas ansatzweise aussehen könnte, demonstriert das Radeberger Unternehmen Vowisol. Die Firma, die eigentlich Wintergärten und Pavillons produziert, hat die großen Pflanzkübel mit Weihnachtsschmuck an der Kreuzkirche aufgestellt. Was man den Quadern nicht ansieht: Sie haben unter ihrer Aluminiumhaut einen zehn Tonnen schweren Stahlkern, der es ermöglicht, sie als wirksame Fahrzeugsperre einzusetzen.

Eine Alternative zu den hässlichen Absperrungen, die bislang die Weihnachtsmärkte schützen? Tonnenschwere Blumenkübel. Quelle: E-Mail-LVD

Die klobigen, wie Puzzleteile ineinandergesteckten Betonklötze an der Schloßstraße, die bis zu sechs Tonnen auf die Waage bringen, stammen von der Dresdner Firma General Atomics. Sie sind eigentlich für die Absicherung von Atom-Endlagern gedacht, entsprechen deshalb höchsten Sicherheitsanforderungen. „Wenn hier ein 40-Tonner mit 40 km/h dagegen fährt, bewegt sich die Sperre höchstens einen Meter“, sagt Geschäftsführer Harald Robl. Auch er will solche Sperren künftig in verschiedenen Varianten als Stadtmöbel anbieten, die sich – zum Beispiel durch eine Begrünung – harmonischer als das Demonstrationsobjekt ins Stadtbild integrieren lassen.

Beide Unternehmen, die ihre Sicherheitsprodukte nach höchsten Standards zertifizieren ließen und sie in diesem Jahr kostenlos zur Verfügung stellen, hoffen auf den Werbeeffekt des Piloteinsatzes. Die Nutzung der Sperrelemente von Vowisol und General Atomics sei jedoch keine Vorentscheidung für das künftige Konzept der Stadt, betonte Rathaussprecher Kai Schulz.

Betonbarrikaden zur Terrorprävention sollen in Dresden Lösungen weichen, die besser ins Stadtbild passen. Die Stadt testet mit zwei regionalen Anbietern und bereitet eine europaweite Ausschreibung vor.

Stadt will neue Sicherheitselemente europaweit ausschreiben

In den Gremien des Stadtrates wird derzeit eine Vorlage zur europaweiten Ausschreibung von neuen Sperrelementen für den Striezelmarkt vorbereitet. Bis zu 550.000 Euro sind darin für die Anschaffung von mobilen Fahrzeugrückhaltesystemen vorgesehen. Höchste Sicherheitsstandards, Nachhaltigkeit und eine ansprechende Optik sind dabei Kriterien.

Solche stadteigenen Systeme könnten perspektivisch auch bei anderen Veranstaltungen zum Einsatz kommen, betonen OB Hilbert und Robert Franke, der Chef des Amtes für Wirtschaftsförderung, das maßgeblich an der Erarbeitung der Sicherheitskonzepte beteiligt ist. Ausgewiesene Areale mit geschlossenem Zufahrtsschutz wie in diesem Jahr rund um Altmarkt und Neumarkt würden auch künftig eine Rolle spielen, kündigte Franke an. Besondere Herausforderung sei hier, trotzdem den Zugang für Anwohner und Lieferanten zu garantieren.

Kosten für Sicherheit stark gestiegen

Im Jahr 2015 hat die Stadt für das Sicherheitskonzept zum Striezelmarkt noch rund 75 .000 Euro ausgegeben. Bis 2018 haben sich diese Kosten für Bewachung, Miete, Lagerung, Instandhaltung und Transport von Sicherheitselementen sowie Maßnahmen zur Verkehrssicherheit auf rund 150.000 Euro verdoppelt. Mit dieser Summe rechnet man im Rathaus auch für 2019. Mobile und modulare Fahrzeugsperren sowie mobile Schranken schlugen 2018 mit weiteren 216 .000 Euro zu Buche. Da die Stadt für die Lagerung der Sicherheitselemente nicht über eigene Kapazitäten verfügt, muss sie für deren externe Unterbringung jedes Jahr 9000 Euro berappen.

Betonsperren des Dresdner Unternehmens General Atomics werden eigentlich Atom-Endlager gegen Terrorangriffe gesichert. Quelle: Dietrich Flechtner

Aus mehreren Stadtratsfraktionen kam die Anregung, die Stadtverwaltung solle darüber nachdenken, Schutzsysteme zu mieten, statt sie zu kaufen. In diese Richtung gehen auch die Vorschläge der beiden Unternehmen, die ihre Lösungen in diesem Jahr am Striezelmarkt präsentieren dürfen. „Wir wollen der Stadt keine Steine verkaufen“, sagt Harald Robl, „sondern gemeinsam mit den Verantwortlichen ein flexibles Konzept erarbeiten“.

Und auch Vowisol-Chef Arian Vorwerk betont, er sehe Möglichkeiten für eine flexible Gestaltung seiner Blumenkübel-Sperren, die man als Dienstleistung im Auftrag der Stadt je nach Bedarf gestalten, auf- und wieder abbauen könne.

Polizei: Keine akute Gefährdungslage

Die generelle Sicherheitslage sei unverändert, sagte Polizeipräsident Jörg Kubiessa. Weihnachtsmärkte seien im besonderen Fokus der Polizei. Erkenntnisse zu akuten Gefährdungen gebe es nicht. Die Dresdner sollten sich sicher fühlen und die Märkte besuchen. Auf dem Striezelmarkt ist eine Polizeiwache vor Ort. Außerdem, so Kubiessa, halte man Kräfte für eventuell notwendige Maßnahmen in Bereitschaft und setze in Zusammenarbeit mit der Stadt auf technische Lösungen.

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