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Lokales Dresdner Wahlhelfer kritisieren schlechte Organisation
Dresden Lokales Dresdner Wahlhelfer kritisieren schlechte Organisation
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11:29 04.06.2019
Die Kombination aus hoher Wahlbeteiligung, langen Stimmzetteln und drei Wahlen machte es den ehrenamtlichen Wahlhelfern schwer.
Die Kombination aus hoher Wahlbeteiligung, langen Stimmzetteln und drei Wahlen machte es den ehrenamtlichen Wahlhelfern schwer. Quelle: xcitepress/ce
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Dresden

„Eigentlich bin ich froh, dass trotz der schwierigen Umstände noch so viele Bürger gewählt haben“, fasst Kommunikationswissenschaftsstudentin Katharina Jakob ihren schier endlosen Sonntag als Wahlhelferin der Kommunal- und Europawahl am 26. Mai in der Neustädter Dreikönigschule zusammen. Schwierige Umstände ist dabei noch milde ausgedrückt: Schlangen bis weit nach 18 Uhr, zu wenige Urnen und Wahlkabinen sowie bis zu 15 Stunden dauernde Helferschichten sorgten für Unmut bei einigen der rund 4400 Wahlhelfer.

War der Andrang absehbar?

Vielerorts schienen die Wahllokale nicht auf die Überlastung aufgrund der höheren Wahlbeteiligung und den drei erstmals gleichzeitig stattfindenden Wahlen vorbereitet zu sein – trotz in vorigen Prognosen absehbarer, hoher Wahlbeteiligung. „Man hätte doch vorhersehen können, dass die drei Wahlen mit riesigen Stimmzetteln und der hohen Zahl an Kandidaten zu Verzögerungen führen“, fragt sich auch Politikwissenschaftsstudent Janik Fischer, der zum ersten Mal bei einer Wahl half. Von 7.30 Uhr bis zwei Uhr nachts nahm der angehende Akademiker Stimmen entgegen und zählte sie am Abend aus. „Am Ende waren wirklich alle komplett erschöpft und keiner konnte mehr wirklich klar denken“, berichtet der 24-Jährige.

Bereits am Mittag mussten vielerorts Urnen und Wahlkabinen angeliefert werden – besonders das Wahllokal in der Dreikönigschule lief vor Wählern über. Gegen drei Uhr nachts zählte Katharina Jakob mit rund zehn weiteren Helfern immer noch Stimmen aus, als plötzlich Unstimmigkeiten beim Abgleich der Wähler- und Stimmenzahl stutzig machten: Zu viele Stimmen für die Stadtrats- und Stadtbezirksratswahl und zu wenig Stimmzettel für die Europawahl verhießen nichts Gutes. Die Wahlaufsichtsbehörde wurde angefordert und gemeinsam entschieden, die Auszählung der verbliebenen Stimmen sowie die Nachzählung nicht mehr in der selben Nacht durchzuführen – der betroffene Neustädter Wahlbezirk 11100 sowie der Wahlbezirk 901110 des Wahlkreis 11 im Westen der sächsischen Landeshauptstadt werden deshalb erst am Dienstag, 4. Juni, öffentlich ausgezählt.

Fehleraufarbeitung gefordert

„Ich mache das schon lange, aber so etwas wie an diesem Sonntag habe ich noch nie erlebt“, blickt Maria Stier zurück, die bereits mehrere Wahlen begleitete und am 26. Mai in der Dreikönigsschule als Wahlvorsteherin fungierte. Die Stadt müsse sich grundsätzliche Gedanken machen, wie sie in Zukunft genug Wahlhelfer rekrutieren will und, ob eine Erhöhung des sogenannten „Erfrischungsgeldes“ mehr Bürger motiviere. Eine eigentlich eingeplante Pause für Wahlhelfer, die schon ab den frühen Morgenstunden halfen, fiel aufgrund des stetigen Andrangs aus. „Wir haben der Stadtverwaltung alle aufgetretenen Probleme genau geschildert und sind auf offene Ohren gestoßen“, erzählt Maria Stier. Vor dem 11. Juni möchte diese sich jedoch nicht öffentlich äußern. Für die erfahrene Wahlhelferin Maria Stier ist das Chaos am 26. Mai aber kein Grund, bei der nächsten Wahl auszusetzen: „Ich mache auf jeden Fall weiter, kann es nach diesem Sonntag aber auch niemanden verdenken, der in Zukunft keine Lust mehr hat.“

Von Aaron Wörz