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Dresdner Volkssolidarität will „Herzenswünsche“ erfüllen

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17:38 25.09.2020
Durch die Unterstützung des Stadtbezirksbeirates Loschwitz konnte die Mitgliedergruppe 311 Dresden-Bühlau der Volkssolidarität im August 2020 eine Busfahrt nach Panschwitz-Kuckau organisieren – für Senioren, die auf den Rollstuhl angewiesen sind. Quelle: Volkssolidarität
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Dresden

Noch bis zum 30. September gehen Mitglieder der Volkssolidarität in Dresden wieder von Tür zu Tür, um Spenden einzuwerben für die 73. Listensammlung des Sozial- und Wohlfahrtsverbandes, der vor 75 Jahren in Dresden gegründet wurde. Motivation für die ehrenamtlichen Mitglieder, die in der Landeshauptstadt in 36 Ortsgruppen organisiert sind, ist unter anderem, dass sie einen Teil des eingeworbenen Geldes für die Vereinsarbeit in ihrem direkten Wohnumfeld verwenden dürfen – zum Beispiel für soziokulturelle Angebote, Krankenbesuche mit Blumensträußen und Glückwünsche zu Geburtstagen.

Der Plan: Eine Reise an die Ostsee

Die Volkssolidarität, die in Dresden auch zwei Pflegeheime betreibt, hat mit Mitgliederschwund, Überalterung und dem Mangel an Pflegekräften zu kämpfen. Für den Betrieb ihrer Seniorenberatungs- und Begegnungsstätten erhält sie, wie andere Träger auch, Fördermittel der Landeshauptstadt. Bei den jährlichen Spendenaktionen kommt längst nicht mehr soviel Geld zusammen wie früher.

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Wie aus einem Beitrag in der Vereinszeitschrift „Lebensbilder“ hervorgeht, sammelte die Volkssolidarität kurz nach ihrer Gründung bis Ende 1946 in ganz Sachsen rund 34 Millionen Reichsmark ein – im Schnitt spendeten die Sachsen damals 6 Mark pro Kopf. 2019 kamen bei der Listensammlung in Dresden ganze 12.000 Euro zusammen.

Die Volkssolidarität unterstützte mit den Spenden in den vergangenen Jahren zum Beispiel die Gorbitzer Tafel, Hospiz- und Demenzprojekte, die Organisation einer Ferienfreizeit für Familien mit geringem Einkommen und das Grunaer Brunnenfest für Senioren und Familien im Wohngebiet. Das war bei der Listensammlung aber oft nicht von vorn herein ersichtlich. Da die Spendenbereitschaft oft größer sei, wenn die Leute wissen, wofür das Geld verwendet wird, stehe die Listensammlung in diesem Jahr zum ersten Mal unter dem Motto „Herzenswunsch“, sagt Peter Baumann, Leiter der Stabsstelle Kommunikation bei der Volkssolidarität Dresden. Drei Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, soll mit dem Spendengeld eine Reise an die Ostsee ermöglicht werden.

„No-Go“, „Slow-Go“ oder „Go-Go“

Inspiriert wurde die Aktion „Herzenswunsch“ unter anderem von einem erfolgreichen Projekt der Volkssolidarität, das der Stadtbezirksbeirat Loschwitz aus seinem Budget gefördert hat: Im August dieses Jahres gab es sehr preiswerte Busreisen für insgesamt 130 Senioren nach Panschwitz-Kuckau, ins Leipziger Seenland, und nach Bad Muskau. Das Besondere daran: Sie waren unter dem Motto „No-Go“, „Slow-Go“ oder „Go-Go“ speziell zugeschnitten auf Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, nicht mehr so gut bzw. noch ganz manierlich zu Fuß unterwegs sind. Senioren, die nicht laufen können, wurden dabei mit dem Taxi zum Bus gebracht oder direkt von diesem zu Hause abgeholt.

Neben den Spendensummen sinkt auch die Mitgliederzahl. „Von 20 .000 Mitgliedern Anfang der 90er Jahre sind in Dresden gerade mal rund 3200 übrig“, berichtet Christoph Amberger, der die 36 Ortsgruppen der Volkssolidarität in Dresden koordiniert. Eigentlich gut, aber auch ein Problem sei, sagt er, dass heute viele Menschen im hohen Alter noch sehr rüstig seien. „Ich komme dann später zu euch“, höre er oft sogar von 70-Jährigen. Mit 80 seien sie als Mitglieder dann aber doch meist nicht mehr in der Lage die ehrenamtliche Vereinsarbeit zu stemmen.

Volkssolidarität Dresden in Zahlen

Volkssolidarität Dresden e. V:3200 Mitglieder, 629 ehrenamtlich Tätige

12 Begegnungsstätten in Dresden, die jährlich mehr als 10.000 Veranstaltungen mit über 100.000 Teilnehmern anbieten

Mehrere Wirtschaftsunternehmen als Träger verschiedener Angebote mit rund 700 hauptamtlich Beschäftigten, 30 Auszubildenden und 12 Freiwilligen im Freiwilligen Sozialen Jahr (Jahresumsatz insgesamt rund 30 Millionen Euro)

Stationäre Pflege:201 Plätze in Gorbitz, 78 in Leubnitz, 70 in Striesen und 41 in Neusalza-Spremberg

Kurzzeitpflege: 18 Plätze in Gorbitz

Tagespflege: vier Einrichtungen in Laubegast, Gruna, Löbtau und Trachenberge mit insgesamt 56 Plätzen

Seniorenwohnen: 573 Wohneinheiten in Dresden und Neusalza-Spremberg

Hauswirtschaftshilfein 1100 Haushalten (53.000 Stunden im Jahr)

Essen auf Rädern: über 24.300 Portionen warmes Essen und 3760 Zusatzartikel pro Monat für über 1000 Personen.

Anzahl der Sozialhilfeempfänger in Heimen steigt

In den kommenden Jahren will die Volkssolidarität Dresden die Aktion „Herzenswunsch“ fortsetzen – für soziale Zwecke und Betreute in ihren Einrichtungen, kündigt Peter Baumann an – insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Anzahl der Sozialhilfeempfänger unter den Heimbewohnern stetig ansteigt. So habe sich der Anteil derer, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, in den vergangenen drei Jahren von 13 Prozent auf 27 Prozent mehr als verdoppelt, bestätigt Rainer Gräf, Mitarbeiter Sozialdienst im Gorbitzer Pflegeheim.

Bei der Suche, nach neuen Möglichkeiten ist neben der Aktion „Herzenswunsch“ auch das Werben um die Unterstützung durch weitere Stadtbezirksbeiräte, so wie in Loschwitz, eine Option. Für Peter Baumann und seine Mitstreiter ist es deshalb ein Herzenswunsch, dass die Stadtbezirksbudgets nicht künftigen Sparmaßnahmen im Stadthaushalt zum Opfer fallen. Die jüngsten Signale, dass sie wohl nur leicht gekürzt werden sollen, stimmen sie da optimistisch.

Wer für die Aktion „Herzenswunsch“ spenden möchte, kann das auch per Überweisung auf das Spendenkonto bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden tun. IBAN: DE83 8505 0300 3200 0677 98, BIC: OSDDDE81XXX (Verwendungszweck: Listensammlung 2020).

Von Holger Grigutsch