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Lokales „Mich rauslassen du musst.“ – DVB werben mit Kampagne für mehr Respekt
Dresden Lokales „Mich rauslassen du musst.“ – DVB werben mit Kampagne für mehr Respekt
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15:28 06.03.2020
Torsten Jacob ist Teamleiter und Busfahrer bei den Verkehrsbetrieben. Oder, um bei der Respekt-Kampagne zu bleiben: „Fahrer, Busfahrer.“ Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Später Nachmittag auf der Stauffenbergallee. Kurz vor der Kreuzung mit der Königsbrücker Straße setzt der Busfahrer den Blinker. Er will raus aus der Haltestelle, muss sich irgendwie auf eine der linken Fahrspuren einordnen, um seinen Bus der Linie 64 über die Kreuzung und in Richtung Hechtviertel zu bringen. Keiner lässt ihn, der Stau, unwillige Autofahrer, es wird gehupt und gedrängelt. Die Minuten verstreichen, das Fahrplanziel rückt in weite Ferne.

„Für unsere Busfahrer bedeutet das Stress“, sagt Lars Seiffert. Der Vorstand bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) hat von der AOK Sachsen untersuchen lassen, in welchen Momenten Dresdner Busfahrer vor allem ins Schwitzen kommen. „Und dabei kam immer wieder die Rede auf das Verlassen der Haltestelle und das Einordnen in den Verkehr“, sagt er.

Kein erhobener Zeigefinger

Das ist eigentlich in der Straßenverkehrsordnung geregelt. Setzt ein Busfahrer links den Blinker, muss ihn der nachfolgende Verkehr fahren lassen. Die Praxis sieht aber tagtäglich anders aus. „Wir wollten deshalb aber nicht dem Individualverkehr mit erhobenem Zeigefinger begegnen“, sagt Lars Seiffert. Stattdessen haben sich die Verkehrsbetriebe eine Kampagne ausgedacht, die das Thema augenzwinkernd aufgreift und für mehr Respekt sorgen soll.

Mit ein bisschen Spaß kann man auch mit ernsten Themen gut ankommen, findet DVB-Vorstand Lars Seiffert. Quelle: Anja Schneider

„Ich bin ein Bus, lass mich hier raus!“, steht nun in Anlehnung an eine trashige Fernsehsendung auf dem Heck von zwei Bussen, die auch „gut durch den Verkehrsdschungel kommen“ wollen. Zwei weitere sprechen das aus der Filmreihe „Stars Wars“ bekannte Yoda-Deutsch und verlangen: „Mich rauslassen du musst.“ Das dritte Motiv, das derzeit auf zwei weiteren Bushecks zu sehen ist, stellt den Buslenker als „Fahrer, Busfahrer“ vor, der die „Lizenz zur Personenbeförderung“ habe.

Witzige Sprüche, ernster Hintergrund

Man wolle mit den witzigen Sprüchen zum Nachdenken über ein ernstes Thema anregen, sagt Lars Seiffert. „Es geht ja eigentlich um eine kleine Sache, aber wenn ein Busfahrer an jeder Haltestelle Probleme beim Einordnen hat, fährt er sich schnell zwei, drei Minuten Verspätung ein“, sagt der DVB-Vorstand. „Mit Respekt und Rücksichtnahme geht das auch anders.“

Es gibt auch andere Lösungen für das Problem. So wird bei Neubauten inzwischen auf Bustaschen verzichtet, weshalb der Bus bei neuen Anlagen auf der Fahrbahn hält. „Oder die Haltestelle wird so signalisiert, dass der Bus herausfahren kann, bevor der übrige Verkehr anfährt“, sagt Seiffert. Bei bestehenden Haltestellen geht es aber nicht ohne die Mitwirkung der übrigen Verkehrsteilnehmer.

Weitere Sprüche gesucht

Zunächst sechs Busse fahren auf täglich wechselnden Linien durch die Stadt. „Wir wollen sehen, wie die Kampagne ankommt“, sagt der DVB-Vorstand. Weitere Motive sind denkbar und es sei auch gut möglich, dass ein Gutteil der 160 Busse umfassenden Flotte einmal einen Spruch auf dem Heck zeigt. „Wir sehen jetzt erst einmal, wie unsere Busfahrer reagieren und auch Autofahrer, die die Sprüche lesen sind gefragt, uns Vorschläge für weitere zuzusenden“, sagt Lars Seiffert.

Vorschläge für weitere Sprüche an: marketing@dvbag.de

Er denkt derweil über weitere Aktionen für einen respektvolleren Umgang im Straßenverkehr nach. So könnten Feedbacksysteme hilfreich sein, „über die Fahrgäste auch schnell mal ein Lob an den Busfahrer geben können“, sagt der DVB-Vorstand. „Die Kritik kommt ja sowieso an.“ Das könnte vielleicht über einen QR-Code geschehen. „Busfahrer müssen einfach merken, dass sie als Mensch wahrgenommen werden und nicht nur als Teil einer Maschine“, sagt Lars Seiffert.

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Von Uwe Hofmann

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