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Lokales Dresdner Verkehrsbetriebe planen Haltestellenatlas in Brailleschrift
Dresden Lokales Dresdner Verkehrsbetriebe planen Haltestellenatlas in Brailleschrift
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06:11 25.01.2019
Bei den DVB ist Silke Dreßel die Beauftragt für besondre Personengruppen. Im Bild zeigt sie das Steuergerät für das Blindeninformationssystem Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Langsam rollt die Straßenbahn der Linie 11 in die Haltestelle Prager Straße ein. Plötzlich die laute Ansage: „Linie 11, Richtung Bühlau“. Achselzucken, fragende Blicke unter verdutzte Gesichter unter den Fahrgästen. Nur der ältere Herr mit den drei schwarzen Punkten am Revers zuckt nicht. Er tastet sich mit seinem Blindenstock durch den inzwischen geöffneten Einstieg der Straßenbahn und nimmt Platz. Auf die „11“ hatte er gewartet.

Das ist ein Beispiel von vielen, wie Menschen mit Behinderung mit Bus und Bahn in Dresden zurecht kommen. „Das ist ein weites Feld“, sagt Silke Dreßel. Als Beauftragte für besondere Personengruppen – so der offizielle Titel ihrer Arbeitsstelle – ist sie bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) für den Kontakt zu Behindertenverbänden verantwortlich. Wenn sich für Menschen mit Behinderung irgendwo im Nahverkehr Barrieren auftun, weiß es Dreßel als erste. Wenn sich bei Bus und Bahn irgendetwas verbessern oder komfortabler machen lässt, setzt sie sich dafür ein. „Das ist eine Arbeit, die jeden Tag anders ist und bei der man auch viel herumkommt“, sagt sie. Denn manchmal, das wissen die Dresdner, kann man sich in anderen Städten eine schlaue Lösung absehen.

Fahrtrichtung dank Blindenstock

Beispiel Blindeninformationssystem (Blis). Das hat der damalige DVB-Vorstand Frank Müller-Eberstein Mitte der 1990er in Prag entdeckt. Dort konnten sich Sehbehinderte über in ihrem Blindenstock integrierte Technik die Fahrtrichtung eines Busses oder einer Bahn ansagen lassen. „Das ist für Blinde an Haltestellen wichtig, an denen mehrere Bus- oder Bahnlinien halten. Sie hören zwar, dass ein neues Fahrzeug gehalten hat, können aber nicht erkennen, auf welcher Linie es unterwegs ist“, erläutert Dreßel das Problem. Müller-Eberstein hat das Prager Blis deswegen sofort eingeleuchtet. „Er kam wieder und sagte: Das brauchen wir hier auch.“

In Dresden ist das Blis in ein handliches Gerät integriert, weil das die Betroffenen so besser fanden. Ein Knopf startet die automatische Ansage der Linie und Fahrtrichtung, der zweite signalisiert dem Fahrer des entsprechenden Fahrzeugs, dass ein Sehbehinderter einsteigen will und der dritte löst die Haltestellenansage im Fahrzeug aus – für den rechtzeitigen Ausstieg. Blis in Verbindung mit Blindenleitsystem an den Haltestellen und einem besonderen Aufstellbereich für Behinderte am vorderen Teil einer Haltestelle habe Sehbehinderten die ÖPNV-Nutzung deutlich vereinfacht, sagt Dreßel.

Haltestellenatlas für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte

Was nicht heißt, dass man nicht einige Dinge besser machen könnte. So wird derzeit daran gearbeitet, das Informationssystem als App in gängige Smartphones zu integrieren. „Das wird aber noch einige Jahre dauern“, sagt Dreßel. Schneller dürfte es da mit einem speziellen Haltestellenatlas in Brailleschrift gehen, der ebenfalls in Arbeit ist.

Für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte gibt einen eigenen Haltestellenatlas schon. Er zeigt bei jeder Haltestelle, ob sie barrierefrei nutzbar ist, ob dort Ein- und Ausstieg mit einer Rampe möglich ist oder ob die Gegebenheiten selbst das nicht erlauben. „Viele der einheimischen Rollstuhlfahrer kennen ihre Haltestellen in- und auswendig“, sagt Dreßel. „Aber gerade für Fahrgäste aus anderen Städten ist diese Information wichtig“, fügt sie an.

Zumindest an Straßenbahnhalten ist es sehr selten, das Rollstuhlfahrer nicht ein- oder aussteigen können. Nur in Niedersedlitz und an der Stauffenbergallee ist das nicht möglich. „Dort ist die Haltestelle viel zu schmal, so dass die Rampe nicht eingesetzt werden kann“, begründet Dreßel. Zumindest an der Stauffenbergallee gibt es konkrete Pläne, das im Zuge eines Kreuzungsausbaus zu beheben. In Sachen barrierefreie Bussteige gibt es dagegen noch sehr viel mehr Handlungsbedarf.

Wo steige ich ein, wie stelle ich mich hin?

Auf Seh- und Gehbehinderte muss Dreßel den größten Teil ihrer Arbeitszeit konzentrieren. Dazu gehören auch mehrstündige Trainings, die zusammen mit Verbänden regelmäßig meist im Frühjahr und Herbst angeboten werden. Dabei geht es um Fragen wie: Wo steige ich ein, wie stelle ich mich hin, wie kann ich bei Problemen den Fahrer erreichen. „Wir wollen, dass alle bei uns mitfahren können. Rollstuhlfahrern und Gehbehinderten wollen wir durch Wissensvermittlung etwaige Ängste nehmen“, sagt Dreßel. Auf niedrigerer Schwelle gibt es seit fünf Jahren das Angebot auch für Rollatornutzer – mit reißender Nachfrage.

Andere Gruppen beschäftigen Dreßel dagegen weniger. „Taube etwa haben mit unserem Nahverkehrssystem gar keine Probleme“, sagt die Beauftragte. Sie nutzen wie alle anderen Sehenden die Anzeigen der dynamischen Fahrgastinformation zur Orientierung – mehr brauchen sie nicht. Dafür wird eine andere „besondere Gruppe“ wichtiger: aus dem Ausland kommende Neudresdner. Dreßel meint damit vor allem die vielen Akademiker, die in der Hochtechnologiebranche, an den wissenschaftlichen Instituten und den Fakultäten der Universitäten arbeiten. „In unseren Bussen und Bahnen fährt die ganze Stadtgesellschaft mit“, sagt Dreßel, die selbst bis 2011 im Fahrdienst gearbeitet hat. „Da sind manchmal auch Menschen darunter, die andere Fahrgäste aufgrund ihrer Hautfarbe belästigen, beleidigen oder gar angreifen“, sagt sie. „Leider.“

Ängste nehmen, Sicherheit geben

Ihre Aufgabe sei es deswegen, in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Einrichtungen Ängste zu nehmen und Sicherheit zu geben. Ein Flyer in englischer Sprache, der etwa darüber informiert, wie der Fahrer alarmiert werden kann, finde reißenden Absatz. Hinzu kommen Infotreffen. „Man lernt bei dieser Arbeit viel, sich in andere Menschen hineinzuversetzen“, sagt Dreßel über ihre Erfahrungen. „Ich sehe die Stadt nun mit anderen Augen.“

Von Uwe Hofmann

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