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Lokales Dresdner Unternehmer Grass: „Windkraft und Photovoltaik sind nicht das Problem“
Dresden Lokales Dresdner Unternehmer Grass: „Windkraft und Photovoltaik sind nicht das Problem“
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16:28 19.10.2019
Negative Strompreise seien keine Schwachstelle der Energiepolitik, so Hubertus Grass. Quelle: Archiv /Erasmus Wolff
Dresden

Man solle die Energiewende nicht schlechter reden als sie ist, fordert der Unternehmensberater Hubertus Grass. Er reagiert damit auf die Kritik des Dresdner Physikers Prof. Sigismund Kobe im Zusammenhang mit dem neuen Heißwasserspeicher, mit dem die Drewag negative Preise an der Strombörse nutzt, um kostengünstig Fernwärme bereitzustellen. Kobe hatte im DNN-Interviewdie negativen Preise als Schwachstelle der Energiepolitik bezeichnet und unter anderem die Reaktivierung des Pumpspeicherwerkes in Niederwar­tha gefordert.

Das Management der Energiewende werde von Industrie, Wissenschaft und Verbänden seit Jahren heftig kritisiert, so Grass, und tatsächlich laufe vieles nicht rund. Andere Kritiker hätten die Funktionsweise der neuen Energiewelt nicht verstanden. Ihre Kritik ziele deshalb an der Sache vorbei. Die Aussagen von Kobe fielen in diese Kategorie.

Preisschwankungen von Strom – keine Schwachstelle der Energiepolitik

Dass die Preise für den Bezug von Strom stark schwanken und gelegentlich sogar ins Minus rutschen, so Grass, sei keine Schwachstelle der Energiepolitik, wie Prof. em. Kobe glaube. Weil die Erzeugung von Wind- und Solarstrom wetterabhängig sei, werde das Energiesystem der Zukunft, das zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien bestehen werde, flexibel auf das Angebot reagieren müssen. Der gegenwärtige Kraftwerkspark mit Atom- und Kohlemeilern sei dazu nur bedingt in der Lage. Es gelte daher, die Gelegenheit niedriger Strompreise wirtschaftlich beim Schopfe zu greifen – zum Beispiel im Verbrauch.

Drewag-„Tauchsieder“ sei die richtige Option

Die Drewag mache es genau richtig, die sich bietende Option zu nutzen und Energie in Form von Wärme zu speichern, erklärt Grass. Andere Geschäftsmodelle wie die Herstellung von Wasserstoff durch Elektrolyse, der flexible Einsatz von Großverbrauchern oder die Speicherung von Strom, um ihn in anderen Zeiten höchstbietend (als Regelenergie) wieder zu veräußern, seien bereits auf dem Markt. Auch einige junge Hightech-Firmen in Dresden nutzten die neuen Möglichkeiten auf dem Energiemarkt und vermarkteten ihr Know-how.

Wie fast alle Maßnahmen im Ausbau der Infrastruktur in komme der Ausbau der Stromnetze in Deutschland nur äußerst schleppend voran, so Grass. Weil der Anteil erneuerbarer Energien steige, seien zwar häufige Eingriffe ins Netzmanagement (Redispatch) erforderlich. Dennoch sei die Stromversorgung sicherer geworden. Mit dem SAID-Index (System Average Interruption Duration Index) messe man die durchschnittliche Netzausfallzeit pro Konsument. Im Jahr 2006 habe es demnach 21,5 Minuten lang keinen Strom gegeben. Dieser Wert sei auf 15,2 Minuten im Jahr 2017 gefallen. „Deutschland gehört trotz – richtiger wäre zu sagen wegen – des steigenden Anteils der Erneuerbaren Energien weltweit zu den Ländern mit dem sichersten Stromnetz“, betont Grass.

Wenn die Netzfrequenz von 50 Hertz einmal schwanke, dann stünden immer schnell die erneuerbaren Energien im Verdacht, diese Störungen im System zu verursachen, kritisiert der Unternehmensberater. Die Analyse von kritischen Situationen, wie sie im Europäischen Stromnetz zum Beispiel Ende 2019 mehrfach aufgetreten seien, hätten aber gezeigt, dass die Störungen andere Ursachen hätten. Häufig sei es der Ausfall großer Erzeuger. Auch bestimmte Regelungen im Strommarktdesign wie der Preis für das Vorhalten von Regelenergie oder die jeweils auf die volle Stunde laufenden Kontrakte an der europäischen Strombörse kämen als Ursache in Frage.

Reaktivierung des Pumpspeicherwerks Niederwarta?

Zu Kobes Vorschlag, das stillgelegte Pumpspeicherwerk Niederwarta zu reaktivieren, erwidert Grass, Pumpspeicherwerke hätten im einstmals von wenigen Unternehmen beherrschten und großen Kraftwerken geprägten Strommarkt die täglich auftretende Preisspanne zwischen billigem Nachtstrom und dem hohen Preis zur Mittagszeit ausgenutzt: „Nachts wurde der Speicher gefüllt und zur Mittagszeit der Strom verkauft. Pumpspeicherwerke waren hoch rentable Anlagen.“ Die Zeiten seien jetzt jedoch andere. Derzeit brauche es im Strommarkt keine großen Speicherkapazitäten, denn es gäbe quasi 24 Stunden am Tag ein Überangebot an Strom. Geld verdiene mit Speichern nur, wer innerhalb von Millisekunden bis zu wenigen Minuten, Regelenergie zur Stabilisierung des Netzes bereitstellen könne. Dafür sei das Pumpspeicherwerk in Niederwartha nicht konzipiert. Das mache die Entscheidung für den Eigentümer und mögliche Investoren so schwierig.

Die Reaktivierung des Pumpspeicherwerks Niedrwartha sei aufgrund des Überangebots von Strom nicht sinnvoll, so Hubertus Grass. Quelle: Jürgen-M. Schulter

Die Entwicklung der Energiewende sei im Detail häufig zu kritisieren, sagt Grass. Einen schnellen Ausstieg aus der Nutzung von fossiler Energie hält er dennoch für nötiger denn je. Die Umstellung des gesamten Energiemarktes auf erneuerbare Energien, räumt er ein, sei aufwendig, teuer und kompliziert. Trotzdem ist Grass sicher: „Die technische Herausforderung werden wir, den deutschen Ingenieuren und Forschern sei Dank, meistern.“

Aktuell drängten große Teile der Wirtschaft darauf, den Wandel in eine CO2-freie Welt schneller voranzutreiben. Die Unternehmen forderten von der Bundesregierung Planungssicherheit über den Fortgang. Nicht nur die Autohersteller in Deutschland, so Grass, hätten begriffen: „Nur wer heute den Klimaschutz mit Innovationen vorantreibt, findet morgen auf dem Weltmarkt noch Abnehmer.“

Von Holger Grigutsch

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