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Lokales Dresdner Studenten lassen Stühle auf Plantagen wachsen
Dresden Lokales Dresdner Studenten lassen Stühle auf Plantagen wachsen
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08:48 04.09.2019
Der englische Gärtner Gavin Munro und sein Unternehmen Full Grown lassen bereits seit über zehn Jahren Stühle und andere Möbelstücke auf ihren Plantagen wachsen. Dresdner HTW-Studenten haben das gärtnerische Verfahren weiterentwickelt und verpflanzen es nun auch nach Sachsen. Quelle: Full Grown
Dresden

In Sachsen bekommt das Konzept „nachwachsender“ Rohstoffe und Produkte eine wörtliche Bedeutung: Die Dresdner Jungunternehmer Markus Stopfer und Daniel Wetzler wollen künftig Stühle, Spiegelhalter, Lampen und andere Möbelstücke aus Bäumen wachsen lassen, statt sie aus Kanthölzern und Brettern zu sägen, hobeln und verzapfen.

Nach fünf Jahren ist ein Stuhl erntereif

Arboreal heißt das Unternehmen, das die Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Anfang 2020 in Dresden gründen wollen, um fortan Möbel auf Plantagen zu ernten. Der Firmenname bedeutet soviel wie „baumartig“ – und das ist Programm.

Markus Stopfer, einer der Gründer von Arboreal Quelle: privat

Möbel aus Pappeln, Erlen und Ahorn

„Wir pflanzen junge Bäume, die noch flexibel sind“, skizziert Markus Stopfer den Ablauf. „Die Triebe und Äste binden wir an Metallgestelle. An diesen Formen entlang wachsen dann die Bäume weiter. Wenn sie fertig sind, ernten wir sie, trocknen sie und schleifen noch die Sitzflächen zurecht.“

Anfangs setzten die Gründer dafür auf die biegsamen, aber eben sehr weichen Weiden. Inzwischen pflanzen sie auch Möbel aus Pappeln, Erlen, Ahorn und Platanen. „Wir sind noch am Experimentieren.“ Etwa fünf Jahre dauere es, bis ein Stuhl erntereif sei, schätzt der 26-jährige Gartenbauexperte. Eine Lampe brauche etwa drei Jahre weniger, bis sie ausgewachsen ist.

10.000 Euro für einen Stuhl

Man ahnt es schon: Diese naturnahe Produktionsmethode ist arbeitsaufwendig. Gewachsene Möbel sind daher nicht ganz billig. Rund 10.000 Euro, so kalkulieren die Gründer, wird fürs Erste ein ausgewachsener Stuhl kosten. „Aber dafür bekommt der Käufer nicht irgendein industrielles Möbelstück, sondern ein Individuum“, betont Stopfer. „Jedes Stück ist ganz einzigartig und exklusiv.“ Zudem hoffen die Gründer, die Kosten senken zu können, wenn sie später größere Möbelplantagen bewirtschaften.

Der englische Gärtner Gavin Munro und sein Unternehmen Full Grown lassen bereits seit über zehn Jahren Stühle und andere Möbelstücke auf ihren Plantagen wachsen. Quelle: Full Grown

Trotz Preise: Bestellungen bis 2028

Dass das Konzept funktionieren kann, haben die Dresdner in England gesehen: Dort pflanzt der visionäre Gärtner Gavin Munro seit über zehn Jahren Möbel und verkauft sie über sein Unternehmen Full Grown. Trotz der exorbitanten Preise ist die gesamte „Produktion“ gewachsener Lehnstühle bis 2028 ausgebucht.

Die Warteliste ist lang. Um das Konzept zu verinnerlichen, absolvierten Stopfer und Wetzler ein Praktikum beim englischen Gärtner und gingen mit ihm eine Partnerschaft ein. Für ihre Firma Arboreal haben sie nun Munros Methoden weiterentwickelt. Unter anderem pflanzen sie zwei oder mehrere Bäume pro Unikat statt nur einen. Dadurch sollen die Dresdner Möbel schneller auswachsen.

Ein Stuhl mit guter Ökobilanz

Als Zielgruppe für ihre Unternehmung haben sie sich fürs Erste gut betuchte Fans von Lifestyle-Möbeln ausgesucht, denen auch der Umweltschutz wichtig ist. „Die Ökobilanz unserer nutzbaren Kunst wird deutlich besser sein als die normaler Möbel“, ist Stopfer überzeugt. „Da müssen keine Stämme gefällt, zersägt, hin- und hertransportiert und weiterverarbeitet werden. Gegenüber klassischen Produktionsmethoden lässt sich viel Kohlendioxid einsparen.

Außerdem verwenden wir Permakultur-Prinzipien: Wir verzichten auf Pflanzenschutzmittel und synthetischen Dünger. Und wir pflanzen um unsere Plantagen auch Hecken, damit sich dort Insekten ansiedeln und Biotope bilden können.“ Einen Testgarten hat das Duo inzwischen in Tschechien gepachtet und die ersten Stühle gepflanzt. Für eine größere Möbel-Plantage suchen die Gründer noch Land – etwa einen Hektar.

Wirtschaftsministerium hat Geld zugesagt

Die Wirtschaftsförderer haben die beiden mit ihrer Idee schon mal überzeugen können: Das sächsische Wirtschaftsministerium und dessen Gründerplattform Futuresax haben den HTW-Absolventen 1000 Euro pro Kopf und Monat als Starthilfe zugesagt.

Dieser „Inno-Start-Bonus“ sichert jungen Gründern bis zu ein Jahr lang einen Zuschuss zum Lebensunterhalt. Damit will der Freistaat auch ungewöhnlichen Unternehmenskonzepten eine Chance geben, bei denen es eine Weile dauern kann, bis die ersten Gewinne fließen – wie eben bei nachwachsenden Möbeln.

Von Heiko Weckbrodt

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