Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Dresdner „Schweinedom“ wird zum Erlweinturm
Dresden Lokales Dresdner „Schweinedom“ wird zum Erlweinturm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:30 26.10.2019
Der „Schweinedom“, das ehemalige Maschinenhaus des Schlachthofes. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

„Nur Chicagos Schlachthof war größer“, sagt Messechef Ulrich Finger bewundernd. Stadtbaurat Hans Erlwein hatte in den Jahren 1906 bis 1910 ein Ensemble ins Ostragehege gezaubert, das es in sich hatte. Zwei Jahre zuvor war – gewissermaßen als Fingerübung – sein Schlachthof in Bamberg fertig geworden. In Dresden plante er großzügig für eine Million Einwohner. Vor allem aber bewies Erlwein, dass auch Industriebauten schön sein können. Finger lobt ausdrücklich die Gesamtkomposition und die Bauqualität.

Künftiges i-Tüpfelchen der Messe

Ein letztes, noch unsaniertes Stück des historischen Ensembles ist der Erlweinsche „Schweinedom“, wie der Volksmund das einstige Kessel- und Maschinenhaus nennt. Es ist zugleich der markanteste Bau im Gelände und nicht zuletzt das letzte noch verfügbare Gebäude, mit dem die Messe Dresden ihr Portfolio erweitern könnte. Weitere Teile wie der Amtsschlachthof oder die Fettschmelze wurden inzwischen privat erworben und sollen unter anderem für Schulungszwecke genutzt werden. Der Schweinedom könnte das i-Tüpfelchen der Messe werden. „Wir sind richtig heiß darauf, dass hier etwas daraus wird“, gesteht Finger. Er denkt dabei an eine Uhren- und Schmuckmesse, an kleinere Konzerte und Theateraufführungen, Lesungen und weitere Veranstaltungen auch in Korrespondenz zu Kongressen. Sie sollen in der rund 800 Quadratmeter großen Maschinenhalle des Schweinedoms stattfinden.

Dachsanierung als erster Schritt

Der knapp 50 Meter hohe Turm war seinerzeit nichts anderes als ein umbauter Schornstein, weil Schornsteine laut Bauverordnung nicht ins Stadtbild passten. Hier befanden sich zur Energieerzeugung auf mehreren Geschossen Kondensatoren, Akkumulatoren, Wasserbehälter und weiteres technisches Equipment. Eine neue Nutzung des denkmalgeschützten, aber ruinösen Baus will gut durchdacht sein. Jetzt ist nach langer Wartezeit der Anfang gemacht und der Turm eingerüstet. Eigentümer DGI, die städtische Gesellschaft für Immobilienwirtschaft mbH Dresden, setzt für 350 000 Euro das Dach instand.

Carsten Kramer, Technischer Leiter der Messe Dresden, öffnet das ehemalige Maschinenhaus des Schlachthofes. Quelle: Dietrich Flechtner

Fördermittel und städtischer Zuschuss nötig

Die Gesamtsanierungskosten beziffert Finger mit 20 Millionen Euro. Mit der DWI und der Stadt sei man in Verhandlungen über einen Mietkauf, so der Messechef. Aber ohne städtischen Zuschuss und Fördermittel könne die Messe das Projekt nicht stemmen. Um Denkmalpflege-Fördermittel abzugreifen, müsste das Ostragehege Sanierungsgebiet werden, was bisher nicht im Interesse der Stadt lag. Doch Finger ist optimistisch und hat auch schon einen Fahrplan für sein großes Ziel: 2020 könnte die Planung eingereicht, 2021 Baubeginn und Ende 2022 Eröffnung des Schweinedoms sein. Im Haushalt 2021/22 sollen die Mittel dafür eingestellt werden.

Die Wendeltreppe im alten „Schweinedom“. Quelle: Dietrich Flechtner

„Romeo-und-Julia-Balkon“ im Schlachthof

Welch unerwartet großer Raum sich im Erdgeschoss des Turmes auftut, davon konnte sich jetzt der Presseclub Dresden überzeugen. Neben dem Saal (Platzkapazität bis zu 900 Personen) gibt es Räume für Garderoben und Sanitäreinrichtungen, darunter einen großen Keller, der hochwassertauglich hergerichtet werden müsste. Eine Treppe zum „Romeo-und-Julia-Balkon“, wie Finger diesen nennt, führt zur ehemaligen Eishalle. Die Betonelemente der Treppe sollen nach Möglichkeit ebenso erhalten werden wie die nostalgische Laufkatze quer über dem Raum. Auch an eine Verbindung zur Halle 1 ist gedacht. Die oberen Geschosse waren derzeit nicht zu betreten. Sie sind teilweise nur zwei Meter hoch und könnten zu Loftbüros umgestaltet werden. Für das Umfeld des Turms entwickeln Architekturstudenten der Technischen Universität Dresden in einer Diplomarbeit und in Semesterarbeiten Ideen.

Zahlen & Fakten zur Messe Dresden

gegründet 1994

seit September 1999 im Schlachthofgelände ansässig

derzeitige Konzeption: ein Drittel Messen, ein Drittel Kongresse und Firmenveranstaltungen, ein Drittel andere Veranstaltungen wie Konzerte und Shows

sieben eigene Messen

37 Mitarbeiter

Neuer Name: Erlweinturm

Pläne gab es schon zahlreiche für das imposante Bauwerk. Sie reichten von Gastronomie und Hotel, bis zu Therme und Kunstmuseum. Auch der Dresdner Architekt Prof. Helmut Trauzettel hatte sich intensiv mit dem Objekt beschäftigt. Doch erst jetzt könnte es mit dem Modell der Mietkauf-Finanzierung auf der Zielgeraden sein. Den Namen für ihr neues Aushängeschild hat die Messe Dresden schon: „Erlweinturm“.

Von Genia Bleier

Warum die Zeitumstellung besser Uhrenumstellung heißen müsste, was Kühe von ihr halten und warum ein Mann in Glashütte am Sonntag 31 Mal „an der Uhr dreht“, verrät dieser Artikel zum Thema Zeitumstellung.

26.10.2019

Die Nachfrage nach Hochspannungs-Chips aus Sachsen steigt rasant. Der Chiphersteller Infineon erwägt deshalb, seinen Standort Dresden um eine vierte Fabrik zu erweitern. Käme das so, würden hunderte Millionen Euro verbaut und rund 250 neue Jobs entstehen.

25.10.2019

Mehr Theater als Kino, eine eigene Bar und verstellbare Liegen: Im Dezember 2018 wollte das Team des Dresdner Rundkinos den neuen Premium-Saal in Betrieb nehmen – wäre da nicht der Brandschutz gewesen. Es wurde nachgebessert –und nun endlich eröffnet.

25.10.2019