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Lokales Dresdner Restaurant „Lila Soße“ wird auf chinesischer Touristeninsel nachgebaut
Dresden Lokales Dresdner Restaurant „Lila Soße“ wird auf chinesischer Touristeninsel nachgebaut
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14:27 25.01.2019
Boris Kögel hat sein Lokal „Lila Soße“ vor fast neun Jahren im Kunsthof eröffnet. Quelle: Anja Schneider
Dresden

„Höher, schneller, weiter“: In China funktioniert das mit einer Geschwindigkeit, die kaum verwundert, denn die Chinesen halten sich gar nicht erst unnötig damit auf, schon vorhandene Räder neu zu erfinden. Warum auch, wenn kopieren doch viel schneller geht?

So gibt es im Land der Mitte längst nicht mehr nur Plagiate von Smartphones, Tablets oder Designerstücken, sondern auch originalgetreue Nachbildungen von DM-Filialen. Monumentale Bauwerke wie der Eiffelturm oder ganze europäische Städte werden einfach per Copy & Paste generiert. Nun ist sogar ein Dresdner Restaurant in den Fokus der kopierfreudigen Chinesen geraten: Gastronom Boris Kögel glaubte zuerst an einen Scherz, als er im November eine Mail der Evergrande Group erhielt. Sein Lokal „Lila Soße“ in der Kunsthofpassage sei für das Großprojekt „Ocean Flower Island“ vorgesehen. Dabei handelt es sich um eine gigantische, künstlich aufgeschüttete Inselgruppe etwa 100 Kilometer von Hongkong entfernt, die nach ihrer Fertigstellung zum Jahresende unglaubliche 220.000 Menschen beheimaten und täglich 50.000 Gäste begrüßen will.

Boris Kögel hat sich auf die Reise gemacht, um sich vor Ort ein Bild von der Baustelle zu machen. Quelle: privat

Bei so viel Publikum braucht es natürlich auch eine Vielzahl gastronomischer Angebote, die die Baufirma in Form von „Länderstraßen“ umsetzen will. Auch eine deutsche Straße ist geplant, die authentische Landesküche auf die Teller zaubern soll. Und hier kommt Kögel ins Spiel: „Geplant sind vier deutsche Restaurants und eines davon soll nach Wunsch der Verantwortlichen die ‚Lila Soße‘ werden“. Aufmerksam geworden sind die Chinesen auf das kleine Lokal durch eine intensive Recherche nach einem modernen Konzept junger, deutscher Küche.

In der „Lila Soße“ gibt es neben wechselnden Tellergerichten vor allem eine große Vielfalt an kleinen Snacks und auch ganzen Hauptgerichten aus dem Weckglas. „In China steht man sehr auf ‚Family Eating‘ – auf diesen großen runden Drehtischen wird alles mögliche aufgefahren und jeder kann alles probieren. Da passt mein Weckglas-Konzept ganz gut mit rein“, sagt Kögel, in dessen Restaurant es sich schon Hollywood-Stars wie Edward Norton, William DaFoe, Wes Anderson und Jeff Goldblum schmecken ließen.

Sechstägige Entdeckungsreise

Nachdem ein anonymer Testesser das Restaurant besucht und offenkundig für gut befunden hatte, war die Mail der logische nächste Schritt der Chinesen, um mit dem Dresdner Gastronom ins Geschäft zu kommen. Und weil sich das aus der Ferne nur schlecht bereden lässt, wurde Kögel dann auch gleich nach China beordert. „Natürlich klang das alles erstmal sehr kurios. Nachdem ich dann das Projekt gegoogelt habe und die dahinterstehende Evergrande Group ja durchaus eine gigantische, seriöse Firma ist, war klar, dass die das tatsächlich ernst meinten. Und so habe ich gesagt ‚Okay, im Januar könnte ich vorbeikommen und mir das anschauen‘. So eine Chance bekommt man vermutlich nur einmal im Leben und das konnte ich mir unmöglich entgehen lassen“, grinst der Gastronom.

Inzwischen ist Kögel von seiner sechstägigen Entdeckungsreise in China zurückgekehrt und immer noch überwältigt von den vielfältigen Eindrücken: „Das ist einfach absurd gigantisch alles, das sind Dimensionen, die man sich hier gar nicht vorstellen kann“. Einen -buchstäblich- kleinen Eindruck gewinnt man aber doch, wenn er erzählt, was auf der Insel schon jetzt realisiert wurde. Von Hotels mit 5.000 Zimmern ist da die Rede, einem eigenen Stadion, Freizeitparks, Museen und der größten asiatischen Shoppingmall überhaupt. Für heiratswillige Paare steht ein Platz mit nicht weniger als elf Kirchen bereit. „Da arbeiten aktuell 30 bis 50.000 Menschen daran, das alles fertig zu bauen“, ist Kögel beeindruckt, lässt sich vom schönen Schein aber nicht blenden: „Das ist wie eine sehr absurde Mischung aus ‚Alice im Wunderland‘ und der ‚Truman Show‘“, lacht er und gibt zu, sich nicht nur einmal wie im falschen Film gefühlt zu haben.

Die künstlich aufgeschüttete Inselgruppe soll nach ihrer Fertigstellung Ende des Jahres 220 000 Menschen beheimaten. Quelle: privat

Das liegt auch an den astronomischen Preisen, die für das Luxusprojekt aufgerufen werden. Der Quadratmeter kostet unvorstellbare 8.700 Euro, wie Kögel bei seinem Besuch erfuhr. 80 Prozent sind bereits verkauft. Besonders absurd erscheinen diese Summen wenn man sich vor Augen hält, dass der Großteil der Bevölkerung zwischen 300 und 500 Euro monatlich verdient. Das Preisniveau für einen Restaurantbesuch sei mit Dresden in etwa vergleichbar, erzählt der Gastronom, „für den durchschnittlichen Chinesen bei diesen Gehältern aber jenseits von Gut und Böse. Die Kluft zwischen Armut und Reichtum ist, wie alles in China, ebenfalls riesig“. Aber die Vorreiterrolle kann durchaus auch mal eine andere Dimension annehmen: „Mir wurde gesagt, dass China in fünf Jahren komplett den Ausstieg aus den Verbrennungsmotoren geschafft haben will. Ob das stimmt, weiß ich natürlich nicht, aber ich habe tatsächlich nicht einen einzigen Motorroller gesehen, es gibt dort ausschließlich Elektroroller“.

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Konsequent alles kopiert

Besonders amüsiert habe ihn, wie konsequent zwar alles kopiert, vieles aber nicht zu Ende gedacht wird: „Man kommt da ins Hotel und ist als erstes mal völlig erschlagen von acht Meter hohen Decken und purem Marmor. Und dann kommt man ins Zimmer, das auf den ersten Blick eine exakte Kopie von Hotels wie etwa dem Marriot ist. Und dann stellt man fest, dass die Nachttische einfach mal 1,2 Meter neben dem Bett abgestellt sind und wenn man duscht, fließt das Wasser aus der Tür raus“. Hat er da gar keine Angst, dass es einer möglichen Kopie seiner „Lila Soße“ ähnlich ergehen könnte? „Nein, da dürfte ich schon mitreden, was ich wie haben möchte und Konstruktionspläne vorlegen, die entsprechend umgesetzt würden“, ist er sich nach den Gesprächen mit den Chinesen sicher.

„Riesige Ehre und eine unglaubliche Wertschätzung“

Dennoch ist der Konjunktiv kein Zufall: „Dass ich als eines von vier deutschen Restaurants in den Fokus dieses gigantischen Projekts gerückt bin, dass die tatsächlich mein Lokal wollen, ist eine riesige Ehre und eine unglaubliche Wertschätzung meiner Arbeit“, sagt der Wirt, der die „Lila Soße“ vor fast neun Jahren im Kunsthof eröffnet hat.

Mit einer chinesischen Version seines Restaurants die „Ocean Flower Island“ zu erobern, würde vor allem finanziell viele Vorteile bringen. Das aber ist dem zweifachen Familienvater nicht so wichtig: „Geld ist nicht so weit oben auf meiner Prioritätenliste, dass ich hier alles stehen und liegen lasse, meine Familie einpacke und nach China ziehe“, lacht der gebürtige Hamburger. Immerhin sei Dresden nach Jahren voller arbeitsbedingter Ortswechsel zu seiner Heimat geworden, die er so bald nicht zu verlassen gedenke.

Gestorben ist das Projekt „‘Lila Soße‘ goes China“ damit zwar noch nicht, sehr wahrscheinlich schätzt der Realist Kögel eine Umsetzung jedoch nicht ein: „Aus meinem Team kann sich niemand vorstellen, nach China zu gehen und eigentlich möchte ich hier auch auf niemanden verzichten. Ich kann da ja aber auch nicht einfach Irgendjemanden hinschicken, das muss schon Jemand sein, auf den ich mich zu 100 Prozent verlassen kann und der sich das auch vorstellen kann. Aktuell fällt mir da genau eine Person ein, auf die beides zutreffen könnte. Da werde ich auf jeden Fall mal ein Gespräch führen“.

Es bleibt also spannend und am Ende nur noch eine Frage offen: Wird es in der chinesischen „Lila Soße“ denn auch die berühmten geschmorten Rinderbäckchen geben? „Auf jeden Fall“, ist sich Boris Kögel sicher, „die Rinderbäckchen sind gesetzt“.

Von Kaddi Cutz

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