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Lokales Dresdner Professor vermacht der VHS seine Bibliothek der Weltliteraturen
Dresden Lokales Dresdner Professor vermacht der VHS seine Bibliothek der Weltliteraturen
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16:28 10.12.2017
„Man kann alles, wenn man nur will“, sagt Professor Klaus Stiebert.   Quelle: Anja Schneider
Dresden

 Der Dresdner Professor Klaus Stiebert hat an seinem 80. Geburtstag sich und der Dresdner Volkshochschule (VHS) ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk gemacht. Am Sonnabend vermachte der ehemalige Literaturprofessor jener Bildungseinrichtung im Rahmen eines Festaktes gut 13 000 private Meisterwerke der internationalen Literatur und übergab mit seiner „Bibliothek der Weltliteraturen“ einen echten Schatz.

Angekommen waren die Exponate schon im Sommer dieses Jahres, während des Umzugs der Volkshochschule wurden sie zwischengelagert, die Katalogisierung und Digitalisierung des Konvoluts durch mehr als zehn Mitarbeiter dauerte bis in den Dezember. Den Anstoß zur Schenkung gab aber schon 2014 Sebastian Stiebert, der sich der persönlichen Sammlung seines betagten Vaters annahm und dafür sorgte, dass Autoren wie Brecht, Böll und Benn in gute Hände kommen. „Ich hätte es nicht ertragen, wenn man die Sammlung auseinander gerissen hätte“, sagt Klaus Stiebert selbst. Diese Bibliothek und die Arbeit mit ihr sind Lebenswerk und Vermächtnis zugleich.

Einen Polihistor, einen der letzten Universalgelehrten, so nennen ihn seine Freunde und Kollegen, wie der zum Festakt anwesende Dresdner Schriftsteller Thomas Rosenlöcher. Ein Mann, der mit feinem Witz zum kritischen Lesen aufrief und versuchte, Geschichten und Spuren der Autoren durch Lesereisen greifbar zu machte. Mit Goethe reiste er durch Sizilien, mit Aitmatow durch Russland. Es verwundert also nicht, dass alle Exponate ganz im Sinne des Stifters nach Ländern geordnet sind. Über 70 Nationen, von Ägypten bis Venezuela, von Norwegen bis Italien, sind unter den tausenden Büchern vertreten.

Den Horizont erweitern, am Puls der Zeit bleiben, die Vielfalt von Kulturen und ihre literarische Umsetzung kennen lernen, darum ging es dem Literaturprofessor Zeit seinen Lebens. Gelesen habe er die 13 000 Bücher in seinen über 60 Jahren Schaffenszeit alle. „Man kann alles, wenn man nur will“, weiß der 80-Jährige heute. Die meisten Stücke teilten sich sogar mit ihm und seiner Familie eine kleine Dresdner Mietwohnung. „Wo andere Leute heute vor teuren Bildschirmen aufwachsen, wurden wir neben Glasvitrinen voller Bücher groß“, erinnert sich sein Sohn. Als Literaturprofessor setzte sein Vater die Prioritäten klar beim Buch. „Meine Frau hätte sich manchmal lieber ein hübsches Kleid gekauft, anstatt wieder ein neues Buch für mich“, lacht Professor Stiebert im Rückblick.

Den Titel „Bibliothek der Weltliteraturen“ entlehnte Stiebert dem gleichnamigen Werk von Hermann Hesse, dennoch sei jener nicht sein Lieblingsautor, auch wenn man ihm das nachsage. Auch mit seinen 80 Jahren nennt er denjenigen Autor seinen liebsten, mit dem er sich gerade beschäftige.

Auch ein Exemplar, das ihm besonders am Herzen liegt, gäbe es nicht, sagt Klaus Stiebert selbst. Am wertvollsten seien für ihn diejenigen Bücher, für die er in der SED-Diktatur hart habe kämpfen müssen. Für die damals neuesten Werke von Heinrich Böll bemühte der begeisterte Literaturliebhaber sogar den Autor selbst, der Briefwechsel der beiden Koryphäen ist einzusehen. Seine Liebe für das unzensierte Wort kostete Stiebert in der DDR bald die Stelle, nach der Wende konnte er wieder an der VHS lehren. Man fühle sich nach allem mit dem Institut verbunden, sagt der Professor heute und erklärt damit den Bestimmungsort seiner Schenkung.

Nicht ohne Herzblut stellt der Professor nun seinen privaten Schatz der Öffentlichkeit zu Verfügung, auch wenn sie zunächst nur für die Angestellten der Volkshochschule geöffnet sein wird. „Die Suche nach Mitarbeitern läuft noch, sodass wir diese Essenzbiliothek der Weltliteratur auch schon nächstes Jahr zur Präsenzbibliothek ausbauen können“, so Jürgen Küfner, Direktor der VHS Dresden. Wenigstens für ein paar Tage und Stunden in der Woche wolle die VHS die Bücher für die Allgemeinheit freigeben. „Wir hoffen auf ein paar ehrenamtliche Bibliophile“

Von Carolin Seyffert

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