Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Dresdner Newcomer Shelter Boy veröffentlicht seine erste Platte
Dresden Lokales Dresdner Newcomer Shelter Boy veröffentlicht seine erste Platte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:37 17.05.2019
Simon Graupner alias Shelter Boy ist angekommen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Seit vergangenem November kursiert ein neuer Name in den lokalen Musikgefilden. Ein junger Dresdner hat zu dieser Zeit seine Debüt-Single „Half Asleep“ veröffentlicht – und ein erstes Achtungszeichen gesetzt. Mit dunkler Latzhose, blauem Basecap und strubbeligen Haaren grinste Shelter Boy fürs Musikvideo in den Camcorder.

Gut ein halbes Jahr später sitzt Simon Graupner, der Künstler hinter Shelter Boy, nun also im Café Combo in der Neustadt und schlürft seinen Cappuccino. Er blinzelt in die Sonne und lässt die letzten Monate Revue passieren: Sein Video wurde nunmehr 35 000 Mal geklickt, seit Dezember kann er außerdem einen Vertrag mit der großen Agentur „Melt! Booking“ vorweisen. Die erste Clubtour hat Shelter Boy schon hinter sich gebracht, und auch die ersten Festival-Gigs im Sommer sind bereits im Konzertkalender eingetragen.

Es scheint, als würde Shelter Boy die regulären Stationen eines Newcomers ablaufen – nur eben im Zeitraffer. So ist es nur konsequent, dass der 22-Jährige jetzt seine Debüt-EP folgen lässt: „Mirage Morning“ umfasst fünf Songs und ist am 17. Mai erschienen.

„Dreampop-Krimskrams“

Wonach er klingt? Nun ja, Shelter Boy will sein Frühwerk äußerst ungern in eine Genre-Käfig zwängen, erzählt er. „Daherschwimmender Dreampop-Krimskrams“ nennt Simon seinen Sound, die EP sei „ein buntes Potpourri“ seiner Lieblingsmusik. Heißt: Psychedelic Rock à la Tame Impala, gekreuzt mit klassischem Indie, Lagerfeuer-Folk, verschlafenem Mac-DeMarco-Slackersound und Beatles-Poprock von der Insel.

Seine Stimme dekoriert Shelter Boy auf der Debüt-Scheibe vornehmlich mit charakteristischer Verträumtheit und betonter Coolness. Ein Retro-Synthie setzt filigrane Akzente auf dem schnörkellosen Britpop-Groove, gestreichelt von verspielten Surf-Gitarrenriffs und liebkost vom Backgroundgesang.

Die Arrangements sind aufs Wesentliche konzentriert, denn Simon ist ein Freund von festen, musikalischen Strukturen – ein junger Hechtbewohner mit einem großen Herz für die Popularmusik. Ausufernde Bridges, Soli oder anderweitige Überraschungselemente sind rar – dafür weiß Shelter Boy mit ausgewogenen Kompositionen von frühsommerlicher Leichtigkeit und unterschwelliger Tristesse zu glänzen.

Diese kennzeichnende Kombination macht „Mirage Morning“ zu einer EP, die sich so gar nicht ins Raster der hiesigen Musiklandschaft einordnen will. Wenn er gefragt wird, dann verleugnet Simon seine sächsischen Wurzeln natürlich nicht. Und doch findet er Gefallen daran, dass seine Tonkunst mangels Bezügen zur Heimat regelmäßig als „sehr britisch“ umschrieben wird.

Alle Songs auf „Mirage Morning“ entstammen Simons Feder. Die englischsprachigen Texte sind frech, bisweilen mit zynischem Unterton. Die Debüt-Platte vereint Coming-of-Age-Erzählungen übers Erwachsenwerden und übers Kindbleiben. Zwischendurch spricht Shelter Boy auch mal an, was sich Simon womöglich nicht zu äußern traut: „Jetzt weißt du, dass ich ein Fehler war“, singt er mokant im Chorus der zweiten Single „Flaw“. Derweil springt der Synthesizer nur so zwischen den Tönen umher. Ein provokantes, melodisches Achselzucken.

Eine stilistische Spielwiese

Man könnte meinen, dass Shelter Boy der jüngste Erfolg nur so zugeflogen kommt. Dabei hat der Musiker eine lange Vorgeschichte – und darf mit seinen zarten 22 Jahren getrost als alter Hase in der Szene betitelt werden. Bevor er zu Shelter Boy mutierte, war Simon bereits neun Jahre lang als Gitarrist und Sänger der Indieband Still Trees unterwegs. Als Ausgleich zu deren rocklastigem Klangbild hat Simon jetzt seine eigene stilistische Oase geschaffen.

Shelter Boy ist quasi eine Spielwiese, auf der sich der Künstler nach Lust und Laune austoben kann. Und auch wenn Still Trees nach längerer Pause nun wieder an neuen Songs schrauben, liegt Simons Fokus derzeit auf Shelter Boy. Das Soloprojekt gibt ihm die nötige Flexibilität, die eine feste Bandformation nicht hergibt. „Jetzt kann ich machen was ich will – und nur ich selbst kann ein Veto einlegen. Nur wird das so schnell nicht passieren“, sagt er. Und dann huscht es ihm wieder übers Gesicht – das verschmitzte Grinsen aus dem ersten Musikvideo.

Konzerte bestreitet Shelter Boy für gewöhnlich mit seiner Liveband, die er liebevoll „Shelly Family“ nennt. Die Frauenquote im Kollektiv ist ungewöhnlich hoch: Simon hat eine Bassistin sowie eine Keyboarderin für sein Vorhaben gewinnen können, außerdem einen Schlagzeuger und einen Gitarristen. Gemeinsam gehen die Musiker im Mai mit der aufstrebenden Indiegruppe Some Sprouts auf Tour.

Noch reichen die Konzertauftritte nicht für den Lebensunterhalt, nebenbei schiebt Simon Nachtschichten hinterm Bartresen im Neustadt-Lokal „Hebedas“. Aber irgendwann, verrät Simon, möchte er von seiner Musik leben können. Und dass er bereits an der zweiten EP bastelt, offenbart einmal mehr seinen Willen, an die Erfolge der letzten Monate anzuknüpfen.

Mehr Infos: www.hndgmcht.com/shelter-boy

Von Junes Semmoudi

Am Freitag wird zum ersten Mal eine Rollschuhdisco in der EnergieVerbund Arena veranstaltet. Damit soll die Lücke geschlossen werden, bis die Eis-Saison wieder beginnt. Die DNN zeigen, was Skater bei der Disco der anderen Art erwartet.

17.05.2019

Auch 175 Jahre nach Gründung betrachtet die Dresdner Diakonissenanstalt christliche Tradition als Wert. Ein klassisches Symbol dafür ist im Jubilläumsjahr allerdings inzwischen seltener geworden.

17.05.2019

Die Dresdner Verkehrsbetriebe legen Anfang Juli die Buslinien 75 und 94 zusammen. 1700 neue Fahrgäste soll das bringen – und später einen neuen Namen. Wir erklären, die Vor- und Nachteile und warum es so lange dauert.

17.05.2019